Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ceterum censeo: Felder

Kultur / 01.04.2022 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es gibt einen lateinischen Spruch, der dem römischen Staatsmann Cato dem Älteren (234 – 149 vor Christus) zugeschrieben wird. Jeder Lateinschüler muss ihn lernen, denn er geht auf die Feindschaft, auf die Konkurrenz im Mittelmeer zwischen Rom und Karthago zurück: „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.“ (Zu Deutsch: Im übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.) Mit diesem Satz schloss Cato über viele Jahre jede seiner Reden im römischen Senat ab, denn er war der Ansicht, dass dem Satz nur die stete Wiederholung das notwendige Gewicht gebe. Cato behielt übrigens recht: Letztlich wurde Karthago 146 vor Christus im Dritten Punischen Krieg zerstört, Rom wurde zur Führungsmacht im Mittelmeer. Und so gilt das „ceterum censeo“ noch heute als stehende Redewendung, wenn jemand auf einen Umstand hinweisen will, der nach seiner Meinung geändert gehört, der aber nicht geändert wird.

Mein „ceterum censeo“ bezieht sich auf die Landeshauptstadt Bregenz und den bedeutendsten Vorarlberger Dichter des 19. Jahrhunderts, den Schoppernauer Franz Michael Felder (1839 – 1869). Ende April, am 26., gedenken wir seines Todestags, Anfang Mai, am 13., seines Geburtstags. Und für mich heißt das seit dem vergangenen Jahr, dass ich immer um diese Frühlingszeit darauf hinweisen will, dass in Bregenz eine Straße nach dem großen Dichter Franz-Michl-Felder-Straße und eine Station des Stadtbusses ebenso Franz-Michl Felder heißt. Aber eben: Sie wird in Bregenz nicht mit dem richtigen Vornamen Franz Michael, sondern falsch Franz Michl genannt. Und auf diesen Umstand will ich nun –„ceterum censeo“ – alljährlich hinweisen, denn ich halte es für geradezu unerträglich, dass man im Rathaus genau weiß, dass man eine Straße falsch benannt hat, das aber nicht ändert.

So einfach, wurde mir vor einem Jahr gesagt, sei das nämlich nicht. Da müssten ja die Anwohner der Straße ihre ganzen Unterlagen – Visitenkarten, Briefpapiere und dergleichen – ändern und neu drucken lassen, Telefonbücher müssten eingestampft und Haltestellenbezeichnungen erneuert werden, sogar in den Stadtplänen und in den Schreiben der Stadt müsste man das alles erneuern. „Das zieht einen ganzen Rattenschwanz und immense Kosten nach sich“, wurde mir erklärt. Ich wusste nicht viel darauf zu sagen, als: „Aber so wie es ist, ist es falsch. Und Falsches soll man doch nicht stehen lassen!“ Und überhaupt, so meinte ich, sei das einfach gegenüber Franz Michael Felder eine Respektlosigkeit. Worauf mir gesagt wurde, dass der doch ohnehin schon lange nicht mehr lebe. Worauf mir eigentlich nichts mehr einfiel. Und auch jetzt nichts mehr einfällt. Außer: „Ceterum censeo …“

Sie wird in Bregenz nicht mit dem richtigen Vornamen Franz Michael, sondern falsch Franz Michl genannt. Und auf diesen Umstand will ich nun alljährlich hinweisen, denn ich halte es für geradezu unerträglich, dass man im Rathaus genau weiß, dass man eine Straße falsch benannt hat, das aber nicht ändert.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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