In die Welt des Hip-Hops eingetaucht

Kultur / 24.04.2022 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In die Welt des Hip-Hops eingetaucht
Die Tänzerinnen und Tänzer hielten das Publikum mit spektakulären Einlagen in Atem. udo mittelberger

Wie vielfältig Hip-Hop sein kann, zeigte eine französische Tanzkompanie beim Bregenzer Frühling.

Bregenz Hip-Hop setzt sich aus vielen Stilen zusammen. Wie viel Kreativität in dieser Tanzrichtung steckt, verdeutlichte die französische Gruppe Accrorap Compagnie in „Les Autres“ beim Bregenzer Frühling.

Der international erfolgreiche Tänzer und Choreograf Kader Attou wandte sich bereits in jungen Jahren der Hip-Hop-Welt zu. Im Zuge seiner Ausbildung absolvierte er die Saint-Priest-Zirkusschule. Diese Einflüsse machten sich auch im Festspielhaus Bregenz bemerkbar. So verwandelte der 48-jährige Franzose bewegliche Säulen in Zirkusrequisiten. Die fünf Tänzerinnen und Tänzer hielten das Publikum mit spektakulären Einlagen in Atem. Sie ließen verschiedene Genres miteinander verschmelzen und verdeutlichten die poetische Kraft des Hip-Hops.

Auf der Bühne überzeugten nicht nur die Tänzer, auch zwei Musiker trugen wesentlich zu dem gelungenen Auftritt bei. Der Franzose Loup Barrow spielte ein Cristal Baschet. Dabei handelt es sich um ein Musikinstrument aus Glas und Metall, welches auf das Euphon aus dem Jahr 1789 von Ernst Florens Friedrich Chladni zurückgeht. Mit nassen Fingern rieb der Musiker die Glasstäbe und übertrug die Schwingung an das Metall, um eine faszinierende Klangskulptur entstehen zu lassen. Eine wichtige Rolle nahm auch das elektronische Musikinstrument Theremin ein. Gesteuert wird das Gerät ohne Körperkontakt. Grégoire Blanc erzeugte Klänge, in dem er Hände und Finger um die Antenne bewegte und so Einfluss auf Tonhöhe sowie Klang nahm.

In „Les Autres“ traf ein märchenhaftes Bildertheater auf maskierte Tänzer, elfenhafte Figuren und Roboter-Tanzsequenzen. Im engen Zusammenspiel mit den Musikern machten die Tänzer Emotionen mittels Bewegung erlebbar. Treibende Rhythmen folgten auf satte Beats und innige Berührungen. Die Tänzer bewegten sich im Spiel mit Licht und Schatten, schlossen sich zu Straßen-Formationen zusammen und traten im Tanz gegeneinander an. Im hinteren Bereich der Bühne herrschte Wohnzimmeratmosphäre, dort agierten Tänzerinnen als leuchtende Lampenschirmständer. Im Zuge der Aufführung traf Geknister alter Schallplatten auf orientalische Musik, Popmelodien und Breakdance-Einspielungen. Ein bunter Mix, der auch den humanistisch-künstlerischen Ansatz des Choreografen verdeutlichte.

Kader Attou setzte alles daran, unterschiedliche kulturelle Einflüsse miteinander zu verbinden und Genres miteinander zu verschmelzen. Als Pionier auf dem Gebiet ist es ihm gelungen, Hip-Hop als vielschichtige Stilrichtung zu präsentieren und auf internationale Theaterbühnen zu holen. Das Publikum bedankte sich mit minutenlangem kräftigem Applaus.

Miriam Sorko