Welten voller skurriler Ereignisse

Kultur / 26.04.2022 • 19:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zu sehen sind imaginäre Kreaturen, Mischwesen und bizarren Figuren.
Zu sehen sind imaginäre Kreaturen, Mischwesen und bizarren Figuren.

Surrealistische Malerei des slowenischen Biennale-Künstlers Marko Jakše in Feldkirch.

FELDKIRCH So bewusst und doch so beiläufig hat man als Ausstellungsbesucher vielleicht noch nie auf einen demonstrativ-lasziv präsentierten Katzenhintern und in das weit aufgerissene Maul eines toten Fisches geschaut. Aber das ist nur ein Bruchteil des turbulenten und rätselhaften Geschehens auf dem Gemälde „Even pets have enough of these games“ von Marko Jakše. In seiner Ausstellung in der Galerie Sechzig zeigt der 1959 in Ljubljana geborene slowenische Künstler, der derzeit auf der 59. Biennale in Venedig sein Heimatland mit imposanten Werken vertritt, einen Schaffens­ausschnitt aus den vergangenen 15 Jahren.

Marko Jakše ist nicht nur einer der bekanntesten Maler in Slowenien, er ist auch einer der außergewöhnlichsten Künstler des Landes. Das betrifft nicht nur seine völlig eigenständige, unverwechselbare malerische Position, sondern auch seine Lebensart und seine Persönlichkeit. Das Wohn- und Atelierhaus des Künstlers liegt inmitten der Natur in den Hügeln um Ljubljana, einen mächtigen Wald zu Füssen. An diesem besonderen, fast schon mystischen Ort geht Jakše in seiner Arbeit auf, lebt naturverbunden und brennt allein für seine Kunst. Sie ist es auch, die für sich sprechen soll, wenn sich der Maler Interviewanfragen und Fotos verweigert.

Hinsehen und staunen

Dass das funktioniert, beweist die Ausstellung in der Galerie Sechzig, die über langjährige, persönliche Kontakte zustande gekommen ist. In einem dichten Mix aus großen und kleinen Formaten kommen die Bilder zu Wort und es gibt mächtig viel zu schauen und zu staunen. Seit seinem Studium befasst sich Marko Jakše ausschließlich mit einer Malerei, die sich Anleihen im Surrealismus und Fantastischen Realismus holt, in der Auffassung von der Erhabenheit der Natur auch eine Nähe zur Romantik aufweist. Das Galeristenpaar Leonie Hirn und Calvin Mechora, dessen Familie aus Slowenien stammt, bezeichnet den Künstler denn auch als „einen Hieronymus Bosch unserer heutigen Zeit“.

Marko Jakše schafft in seinen Gemälden geheimnisvolle, ferne Universen aus archaischen Landschaften und magischen Architekturen, bevölkert von imaginären Kreaturen, Mischwesen und bizarren Figuren. Welten, voller skurriler Ereignisse, die ihre Betrachter nicht nur in den Bann ziehen, sondern geradezu in sich aufzusaugen scheinen.

Das Motto der diesjährigen Biennale in Venedig „The Milk of Dreams“, das dem in eine Welt voller Metamorphosen entführenden Buch der surrealistischen Künstlerin Leonora Carrington entstammt, ist wie maßgeschneidert für das Schaffen des slowenischen Künstlers. Wenn Segelschiffe durch schroffes Felsgebirge fahren, eine Art Münchhausen an eine Artischocke geklammert auf einem Hybridwesen zwischen Schwein und Fisch durch die Luft fliegt, blutig-rote Fleischklumpen wie der Einsatz der Big Bosses auf dem Konferenz-/Spieltisch liegen oder eine einsame Toilette auf einem schachbrettartigen Podest inmitten einer labyrinthischen Architektur steht, dann verschmelzen Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Zukunft. Der Entstehungsprozess der Gemälde verläuft niemals linear, es gibt keine vorbereitenden Skizzen, die Geschichten und die Malerei schlagen immer wieder einen Haken und tun es dem Hasen gleich, der wiederholt in den Bildern des Slowenen auftaucht. Irgendwann scheinen es die Bilder zu sein, die in diesem spontanen, offenen Prozess ein Eigenleben annehmen und sich selbst fertig malen.

Gebrauchte Materialien

Zwar keine Nachhaltigkeit anstrebend, geht eine wichtige Inspiration für den Künstler von gebrauchten Materialien wie Teppichen, Planen, Holz oder Stoff aus, die er recycelt und als Malgrund verwendet. Immer wieder entdeckt man auch kleine aufcollagierte Elemente, Herausgeschnittenes oder neu Angefügtes. Verweise auf die unmittelbare Gegenwart sind selten, trotzdem sind die Werke stark im Hier und Jetzt verankert und in ihren mannigfaltigen Bezügen von höchster Aktualität.

Turbulentes und rätselhaftes Geschehen ist auf dem Gemälde „Even pets have enough of these games“ zu beobachten. AG
Turbulentes und rätselhaftes Geschehen ist auf dem Gemälde „Even pets have enough of these games“ zu beobachten. AG
Mit seiner fantastisch-surrealistischen Malerei vertritt Marko Jakše das Land ­Slowenien auf der soeben eröffneten Biennale von Venedig. VN/CD  
Mit seiner fantastisch-surrealistischen Malerei vertritt Marko Jakše das Land ­Slowenien auf der soeben eröffneten Biennale von Venedig. VN/CD  
Jakše schafft in seinen Gemälden geheimnisvolle Universen.
Jakše schafft in seinen Gemälden geheimnisvolle Universen.

Die Ausstellung ist in der Galerie Sechzig, Ardetzenbergstraße 60, Feldkirch, bis 25. Juni 2022 zu sehen, geöffnet Do und Fr von 16 bis 19 Uhr, Sa von 12 bis 16 Uhr