“Ich will den Augenblick festhalten”

Kultur / 03.05.2022 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heidi Comploj: „Schon vor dem ersten gesprochenen Wort signalisiert mir mein Gegenüber seine Stimmung.“ bi
Heidi Comploj: „Schon vor dem ersten gesprochenen Wort signalisiert mir mein Gegenüber seine Stimmung.“ bi

Heidi Comploj präsentiert Werke zum Thema Kommunikation in der Villa Falkenhorst.

THÜRINGEN Im besonderen Ambiente der Villa Falkenhorst in Thüringen ist die Ausstellung „Zwischen dir und mir“ der Vorarlberger Künstlerin Heidi Comploj (geb. 1952) zu sehen. Sie widmet sich – von der Collage bis zur Skulptur – dem Thema Kommunikation. Dabei steht das erste Axiom des österreichischen Philosophen Paul Watzlawik „Man kann nicht nicht kommunizieren“ im Zentrum. Nonverbale Elemente wie for Körpersprache überwiegen die tatsächlich gesprochenen Worte. „Schon vor dem ersten gesprochenen Wort signalisiert mir mein Gegenüber seine Stimmung“, betont Heidi Comploj. Diese Wahrnehmung habe sich in den vergangenen beiden Jahren noch verstärkt: „Die Maske hat Mund und Nase verdeckt. Es fehlte ein großer Teil unserer Mimik, doch dadurch hatten wir die Möglichkeit, uns tiefer und bewusster in die Augen zu schauen und auf die ganz feinen, meist unbemerkten, Aussendungen unseres Gegenübers zu achten.“

Mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken nähert sich Heidi Comploj der Vielfalt der Thematik Kommunikation an. So sind etwa sehr einprägsame Charakterköpfe aus Ton mit dem Titel „Widerstand im Treibenlassen“ zu sehen und in kleinformatigen Collagen wird das Thema „Verstehen wir uns?“ behandelt. Ihre neuesten Arbeiten befassen sich mit den unterschiedlichen Dialekten in Österreich. Aus diesem Grund entstand die Serie „Felix Austria“, die in ihren Begrifflichkeiten durchaus ironisch zu verstehen ist. „Seit einigen Jahren fasziniert mich das Arbeiten am Computer mit meinen Fotos. So entstehen meine Digitalmontagen und Fotografiken“, erklärt die Künstlerin. Diese durchlaufen unterschiedliche Gestaltungsprozesse: „Ich benütze nur eine kleine Digitalkamera, alles muss schnell gehen. Ich will den Augenblick festhalten – und nichts Gestelltes, Steifes.“ Die Fotos werden auf dem PC bearbeitet und sodann auf Alu-Dipond oder Acrylglas montiert. Auch ausgedruckte Fotos verändert sie mit verschiedensten Techniken. Heidi Comploj hat ihr Spektrum an künstlerischen Techniken permanent erweitert. Vor zwei Jahren schloss sie einen dreijährigen Meisterkurs bei Dozent Rainer Kaiser an der Freien Kunstakademie Augsburg ab.

Philosophisch hintergründig

Die Überbegriffe für ihre Serien sind philosophisch hintergründig, wie etwa die „Gedankenboxen“ aus Keramik. Kommunikation in allen Lebenssituationen, insbesondere in Krisenzeiten, spielt eine maßgebliche Rolle im Verständnis der Menschen untereinander. „Communicare“, ebenfalls ein Thementitel, findet nicht nur in Form von Gesprächen, sondern eben auch in der Auseinandersetzung beim Erschaffen und Betrachten eines Kunstwerks – und in der Interpretation der jeweiligen Rezipienten – statt. Der Kritiker Peter Niedermair bezeichnet Heidi Comploj als Doppelbegabung, sowohl als Malerin als auch Sprachgestalterin: „Sie ist eine Poetin in diesem wie im anderen. Ihre Bilder spannen einen Bogen vom gesprochenen Wort zum farbigen Bild.“

Einige der Charakterköpfe aus Ton von Heidi Comploj in der Villa Falkenhorst.
Einige der Charakterköpfe aus Ton von Heidi Comploj in der Villa Falkenhorst.

Geöffnet in der Villa Falkenhorst in Thüringen bis 24. Mai jeweils sonntags von 15 bis 18 sowie bei Veranstaltungen: falkenhorst.at