Weil es die Außenseiter braucht

Kultur / 25.05.2022 • 22:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf stehen zwei große Protagonisten der OFF-Szene auf der Wagabunt-Bühne. stark
Mit Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf stehen zwei große Protagonisten der OFF-Szene auf der Wagabunt-Bühne. stark

Nach dem Theater Kosmos widmet sich auch Wagabunt dem Don Quijote.

Dornbirn, Bregenz Wer das Theaterschaffen in Vorarlberg schon über Jahrzehnte verfolgt, der erinnert sich noch daran, dass Peter Langebner, bekannt von Arbeiten an der Landesbühne, eines Tages (das heißt, weit vor der Jahrtausendwende) in Dornbirn auf einem Wagen vorgefahren kam, sein Unternehmen Wagabunt nannte und somit in Vorarlberg so etwas wie eine Off-Szene etablierte. Das Theater Kosmos kam erst Jahre später und positionierte sich rasch als Berufstheater in der Größe einer österreichischen Mittelbühne, und das Aktionstheater Ensemble mäanderte zu Beginn bekanntlich zwischen Klassikerbearbeitungen und klug gesetzter Provokation. Außerdem gab es noch das Projekttheater, das ungewöhnliche Spielorte, darunter das Alte Hallenbad in Feldkirch, entdeckte und dessen Protagonisten Dietmar Nigsch und Maria Hofstätter später das Festival Walserherbst an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft, Architektur oder Umweltschutzaktivitäten ausrichteten.

„Urgestein der Off-Szene“

Im Zusammenhang mit Wagabunt war bald der Name Robert Kahr zu nennen. Als „Urgestein der Off-Szene“ bezeichnet ihn der Regisseur Stephan Kasimir. Als Leiter des eigenen, jungen Ensembles Unpop stellte er sich bereits mehrmals für Wagabunt zur Verfügung und realisierte mit Kahr und mit seinem Schauspielerkollegen Wolfgang Pevestorf Werke von Beckett wie „Warten auf Godot“ und „Endspiel“ sowie Ernst Jandls „Die Humanisten“. Dass die beiden Künstler Don Quijote und Sancho Pansa sind, lag für Kasimir auf der Hand. „Ohne groß Anspruch auf die Autorenschaft zu erheben“ hat er einzelne Szenen aus dem berühmten Roman von Miguel de Cervantes für die Bühne adaptiert. Um seine Sicht einordnen zu können, sei erwähnt, dass er in Don Quijote mit seinem legendären Kampf gegen Windmühlen den Anarcho-Typen sieht, einen Außenseiter, den die Gesellschaft braucht. Kasimir: „Von einer sehr nüchternen Perspektive aus kann man sagen, dass er die Realität verdrängt, gleichzeitig lässt sich aber auch feststellen, dass er sie kraft seiner Fantasie schöner macht.“ Er schließt auch einen weiteren Gedanken an, denn die Fähigkeit, uns etwas vorstellen zu können, verliert an Wert durch die Möglichkeit, dass wir alles in Sekundenschnelle im Internet finden können.

Großartige Vergleichsmöglichkeit

Da das Theater Kosmos gerade eine hervorragende „Don Quijote“-Produktion umgesetzt hat, die noch ein paar Mal auf dem Spielplan steht, bietet sich dem Publikum ein großartiger Vergleich bzw. eine besondere Ergänzung. Philip Jenkins, Autor und Regisseur bei Kosmos, betont die Ambivalenz der Figur, die schon bei Cervantes durchscheine, während Don Quijote in der Geschichte der Rezeption vorwiegend positiv gesehen werde. Den Fokus richtet er auf die Tatsache, dass der „leicht verwirrte Mensch, der angeblich nur das Gute will“, durch seine Verblendung den anderen auch Schaden zufügt. Auf der Kosmos-Bühne stehen übrigens nicht nur Schauspieler und George Nussbaumer als Musiker und Erzähler, sondern auch Personen aus Vorarlberg, in deren Biografien sich Aspekte aus der Don Quijote-Figur spiegeln, die zur Frage führen, was man ist oder nicht mehr ist.

Hubert Dragaschnig und Sabine Lorenz in „Don Quijote“ im Theater Kosmos. VN/KH
Hubert Dragaschnig und Sabine Lorenz in „Don Quijote“ im Theater Kosmos. VN/KH

Premiere von “Don Quijote” im Wagabunt, TiK, Dornbirn, am 27. Mai, 20 Uhr. Weitere Aufführungen von “Don Quijote” im Kosmos in Bregenz am 27. und 28. Mai, 20 Uhr.