Candida Höfer im Kunstmuseum Liechtenstein

Kultur / 01.10.2022 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Kunstmuseum Liechtenstein, fotografiert von der weltberühmten Künstlerin Candida Höfer.
Das Kunstmuseum Liechtenstein, fotografiert von der weltberühmten Künstlerin Candida Höfer.

Großartige erste Gesamtproduktion der Hilti-Art-Foundation mit dem Kunstmuseum.

Vaduz Das Kunstmuseum Liechtenstein und die Hilti Art Foundation präsentieren erstmals eine gemeinsam konzipierte Ausstellung. Deren Ausgangs- und Mittelpunkt bilden Fotografien von Candida Höfer, die sie eigens für diese Ausstellung aufgenommen hat: eine in und für Liechtenstein geschaffene Serie, die die erste Gesamtproduktion der Hilti-Art-Foundation mit dem Kunstmuseum darstellt. Und die Ausstellung, exzellent kuratiert von Letizia Ragaglia, Christiane Meyer-Stoll und Uwe Wieczorek, beweist eindrucksvoll, wie perfekt die Fotos Candida Höfers mit den Werken der Hilti Art Foundation zusammen funktionieren.

Auch die Künstlerin freut sich: „Ich habe meine Bilder in dieser Größe erst jetzt in der Ausstellung gesehen, und ich finde es sehr schön. Ich halte es für eine sehr gute Idee, so viele Werke aus der Hilti-Sammlung mit meinen Arbeiten zusammenspielen zu lassen.“

Höfer setzt keine Scheinwerfer zur Ausleuchtung ein.
Höfer setzt keine Scheinwerfer zur Ausleuchtung ein.

Candida Höfer, die aus der Düsseldorfer Becher-Schule kommt, hat bereits mehrere ortsbezogene Bildergruppen realisiert, zum Beispiel in Brüssel und Düsseldorf. Auch ihre im Herbst und Winter 2021 in Liechtenstein entstandenen Aufnahmen stehen in dieser Tradition. Die Sujets fotografierte sie überwiegend mit einer digitalen Großformatkamera: Innen- und Außenansichten der Museumsarchitektur, Bibliotheken oder Depoträume, Orte also, die im engeren wie im weiteren Sinne kulturelle Zweckdienlichkeit verkörpern.

Sorgfältige Planung und präzise Ausführung

Höfers fotografisches Werk ist gekennzeichnet durch eine sachlich nüchterne Bildsprache, ein ausgeprägtes Interesse an Strukturen und Ordnungen von Raum sowie eine bemerkenswerte Detailgenauigkeit. Für ihre Aufnahmen verwendet sie das Licht der Orte und Räume; Scheinwerfer zur Ausleuchtung setzt sie nicht ein, was vielfach lange Belichtungszeiten mit sich bringt. Höfers Fotografien sind das Gegenteil eines Schnappschusses: Sie sind sorgfältig geplant und präzise ausgeführt. Dabei spricht das Dargestellte von der Anwesenheit und Prägung durch den Menschen, auch wenn die Künstlerin die Räume überwiegend menschenleer festhält.

Das Treppenhaus des Kunstmuseums Liechtenstein aus einer spektakulären Perspektive.
Das Treppenhaus des Kunstmuseums Liechtenstein aus einer spektakulären Perspektive.

Höfer hat sich in ihren Motivgruppenarbeiten immer wieder mit Schauplätzen des kulturellen öffentlichen Lebens und der Architektur auseinandergesetzt. In den jüngsten Arbeiten ist eine zunehmende Abstraktion zu erkennen, bei der Farbe, Fläche und Form an Bedeutung gewinnen. Die Direktorin des Kunstmuseums Liechtenstein, Letizia Ragaglia: „Was uns bewegt hat, Candida Höfer einzuladen, war, dass sie gerne Orte der Wahrnehmung, der Begegnung, der Kultur und des Kulturerbes ablichtet.“ Die Fotografien zeigen das Kunstmuseum nicht nur in seiner Gesamtheit, sondern auch sehr detailliert und erreichen allesamt einen hohen Grad an ästhetischer Qualität und Abstraktion. Diese ermöglichte es, die Bilder Höfers zu den Werken der Hilti-Ausstellung assoziativ und gebunden zusammenbringen. Da sich Höfer eigentlich mehr dafür interessiert, was hinter der Fassade ist, überrascht es umso mehr, dass einige ihrer Bilder Fassadenansichten des Gebäudes zeigen. Die Abstraktion der Außenfassade des Museumsgebäudes mit seinem markant geschliffenen Terrazzoboden und der dadurch samtigen, weichen Oberflächenstruktur machte Höfer neugierig: die Körperhaftigkeit, das Spiel mit den Materialien und den Oberflächen.

Im Austausch mit anderen Kunstwerken

Den Fotografien Candida Höfers werden ausgewählte Kunstwerke aus beiden Sammlungen zugeordnet. Die Bilder im ersten Raum finden wunderbar den Weg zu Rosemarie Trockels „Die Schöne und das Biest“ (bestehend aus zwei monochromen Flächen aus schwarzer und grauer Strickwolle) und den Farbraumkörpern von Gotthard Graubner. Dies stellt den Auftakt zu einer ungemein gelungenen, spannenden und absolut sehenswerten Ausstellung dar.

Zum ersten Mal steht einem Künstler das gesamte Kunstmuseum zur Verfügung.
Zum ersten Mal steht einem Künstler das gesamte Kunstmuseum zur Verfügung.

Die Ausstellung mit dem Titel Candida Höfer. Liechtenstein erstreckt sich über alle vier Oberlichtsäle des Kunstmuseums und die drei Ausstellungsräume der Hilti Art Foundation, erstmalig für einen Künstler. Dabei werden weite und atmosphärische Assoziationsfelder eröffnet, sodass Höfers fotografisches Werk mit unterschiedlichen Kunstwerken in Austausch gebracht werden kann, von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Umgekehrt machen die ungewohnten Kontexte die Bandbreite der Fotografien von Candida Höfer auf neue Weise erfahrbar.

Candida Höfer. Liechtenstein

Im Dialog mit den Sammlungen des Kunstmuseum Liechtenstein und der Hilti Art Foundation

30. September 2022 – 10. April 2023

Vaduz, Städtle 32

Das Kunstmuseum Liechtenstein und die Hilti Art Foundation von Candida Höfer ins Bild gerückt.
Das Kunstmuseum Liechtenstein und die Hilti Art Foundation von Candida Höfer ins Bild gerückt.

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