Die geronnene Zeit des Leif Trenkler

Kultur / 25.10.2022 • 17:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Leif Trenkler entführt mit seinen Bildern in eine unglaublich farbenprächtige Stille.
Leif Trenkler entführt mit seinen Bildern in eine unglaublich farbenprächtige Stille.

Die neuesten Arbeiten von Leif Trenkler in der Galerie Sechzig in Feldkirch.

Feldkirch Coronapandemie, Ukraine-Krieg, Energiekrise. Und dann kommt Leif. Leif Trenkler. Eines gleich vorweg: wohltuend und herzerwärmend sind seine Arbeiten und weit weg von dem gegenwärtigen Säbelrasseln narzisstischer Rabauken, die die Menschheit in Angst und Schrecken versetzen und die Welt an den Abgrund führen.

Leif Trenkler, 1960 in Wiesbaden geboren, der unter anderem bei Jörg Immendorf studierte, kann eine stattliche Anzahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen vorweisen: Art Miami, Margarete Roeder Gallery/New York, Galerie Karl Pfefferle/München, Galeria AAA/Ascona, art gallery wiesbaden, Katz Contemporary/Zürich und viele mehr.

Trenkler führt uns mit seinen Arbeiten nicht eine heile Welt vor Augen, obwohl man dies auf den ersten Blick vermuten könnte. Nein, er entführt uns in eine unglaublich farbenprächtige Stille, grüne Urwaldlandschaften, ein scheues Rostrot wie zufällig, ein sattes Fra Angelicoblaues Wasser, Bartnelkenrosa-Landschaften.

Farbenrausch

Mit einem feinen Gespür für Farben gesegnet, aber stilsicher und ungekünstelt, setzt er seinen dünnen Öl-Farbauftrag auf den Bildträger (grundiertes Birkenholz). Seine Arbeiten vermitteln Fermaten, Pausen, sie scheinen die Zeit stillstehen zu lassen. Sie zeigen Auswege aus der Hektik des rigorosen und unerbittlichen Konsums und tragen zu einer Entschleunigung der Welt bei. Sie lassen ausschwingen, befreien von alten und neuen Mythen und vermitteln ein nahezu unbeschreibliches Zeitgefühl – „geronnene Zeit“.

Natürlich könnte man Vorbilder zitieren, etwa die mysteriösen Fotografien eines Gregory Crewdson, David Hockney’s „A Bigger Splash“, oder auch Claude Monets Seerosenbilder, sie alle könnten Pate für Trenklers Arbeiten gestanden haben.

Aber das Anrührende der Arbeiten von Leif Trenkler liegt nicht in der vordergründig manipulativen Emotionalität eines einzigartigen Augenblicks oder eines außergewöhnlichen Pinselstrichs. Das Anrührende liegt vielmehr in ihrem zutiefst Menschlichen: Sie stehen für die Unausweichlichkeit der Beschädigung, für Fragilität und Verwundbarkeit. Mit ihrem Gewicht insistieren sie gegen Eintönigkeit, gegen Verrohung, gegen Engstirnigkeit und tödliche Langeweile.

Oase des Verweilens

Trenkler führt uns Destillate vor, die sehr dicht und kompromisslos, aber auch sehr ätherisch, fragil, manchmal aber auch mysteriös wirken. Scheinbare Leichtigkeit und Schwerelosigkeit wechseln sich ab mit vertikalen und horizontalen Strukturen, organisch Gewachsenes mit Technoidem. Aggregierte Zustände und doch in Bewegung begriffen. Geerdet und doch keine Verortung. Lost in time and lost in space. Was wir hier sehen, ist die Sehnsucht nach dem Sichtbarmachen des Unsichtbaren an einem Ort, der per se selbst eine wunderbare Oase des Ausschwingens und Verweilens darstellt: die Galerie Sechzig in Feldkirch mit ihren umsichtigen Protagonisten Leonie Hirn & Calvin Mechora.

Leif Trenkler: „Am Bootssteg“.
Leif Trenkler: „Am Bootssteg“.

Leif Trenkler Yellow Haze, 22.10.-26.11.2022, www.galeriesechzig.com

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