Grandioses Theaterfest für Jung und Alt

Kultur / 25.11.2022 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Alice im Wunderland“ ist ein toller Spaß voll Fantasie und Poesie. Anja Köhler
„Alice im Wunderland“ ist ein toller Spaß voll Fantasie und Poesie. Anja Köhler

„Alice im Wunderland“ im Vorarlberger Landestheater.

Bregenz Lewis Carrolls Kinderbuch, einer der bekanntesten Klassiker der Weltliteratur, geschrieben im Jahr 1865, erzählt eine so wunderbar absurde Geschichte, dass der Schriftsteller zunächst zweifelte, ob er den Roman überhaupt veröffentlichen sollte. Er wagte es erst, als die Kinder von Freunden hingerissen von dem Buch waren. Unter den ersten Fans von „Alice“ waren Oscar Wilde und Queen Victoria, die „ZEIT“ nahm den Roman in die Bibliothek der 100 wichtigsten Bücher auf.

Durch den Kaninchenbau

Alice (Vivienne Causemann), gelangweilt und genervt von ihren Eltern, folgt einem weißen Kaninchen in eine Luke in die Tiefe, nur um Sekunden später an zwei Seilen schwebend in der Luft wieder aufzutauchen. Die Bühne ist dieselbe, aber die Welt hat sich verändert. Nach diesem betörend-poetischen Start beginnt die absurde Achterbahnfahrt der Alice durch das Wunderland.

Causemann spielt wie gewohnt sehr intensiv und geht vollkommen in ihrer Rolle auf, man nimmt ihr das 7 1/2 -jährige Mädchen jederzeit ab. Großartig, wie es ihr beispielsweise – natürlich ganz ohne Special Effects – gelingt, sich zuerst ganz klein und dann wieder groß zu machen. Wie sie mit großen staunenden Augen auf die neue Welt blickt oder sich über die Unsinnigkeiten deren Bewohner ärgern muss, ist ganz bezaubernd. Das hervorragende Ensemble steht ihr jedoch in nichts nach. Nico Raschner, Tobias Fend, Luzian Hirzel, Johanna Köster und Dalibor Nikolic wechseln in mörderischer Geschwindigkeit ihre Rollen und Kostüme und schaffen es dabei scheinbar mühelos, die jeweilige Figur überzeugend darzustellen. Respekt! Und auch das Tempo passt: Wie bei den legendären Hollywood-Screwball-Comedies der 1930er Jahren sprühen die Dialoge voller Wortwitz. Szenenapplaus gibt es, als Fend, Raschner und Hirzel das Schlaflied „Der Mond ist aufgegangen“ sich selbst mit Löffel und Gabel begleitend in „Der Tee ist ausgegangen“ umwandeln.

Musik von Florian Wagner

Überhaupt die Musik: Man fühlt sich nicht nur einmal in ein Kino versetzt, so wuchtig und cineastisch ist die Musik von Florian Wagner, dessen Kompositionen die wunderschönen Eindrücke – zum Beispiel als bunte Papierschnipsel auf Alice und das Kaninchen herabrieseln – noch bezaubernder wirken lassen.

Die Regisseurin Danielle Fend-Strahm bietet den Zuschauern einen fantasievollen, irren und stets passenden Mix aus der Grinse-Katze, dem verrückten Hutmacher, dem immer zu spät kommenden weißen Kaninchen und einer Königin, die fortwährend jedem die Enthauptung androht. Sie lässt ihre Schauspieler die Dialoge so sprechen, wie man absurde Gespräche spielen muss, um echte Komik entstehen zu lassen: bierernst. Matthias Strahm zeichnet für das wundervolle Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme verantwortlich, Arndt Rössler setzt alles ins perfekte rechte Licht.

Mit Aufführungen wie „Alice im Wunderland“ am Vorarlberger Landestheater kann es gelingen, nach der Pandemie das Publikum auch wieder ins Theater zu bringen.

Vorstellungen 3.12., 7.12., 9.12., 3.1., jeweils 19.30 Uhr; Nachmittagsvorstellungen 27.11., 4.12., 8.12., 11.12, 18.12., 8.1., jeweils 15 Uhr

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.