Welche Kultur ist förderungswürdig?

Kultur / 14.12.2022 • 18:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bernie Weber und Christoph Thoma uneins über Kulturpolitik.

BREGENZ Anlässlich der Vergabe des Vorarlberger Ehren- und Förderpreises für Kunst 2022 am Montagabend stellte sich für den grünen Landtagsabgeordneten Bernie Weber die Frage, wer genau in Vorarlberg darüber entscheidet, welche Kunst förderungswillig ist und welche nicht.

Landesförderungen

Der Kunst- und Kultursprecher der Grünen interessiert sich im Speziellen für den Vergabeprozess der Landesförderungen für Kunst und Kultur: „In Vorarlberg sollten der Kulturbeirat und die Kunstkommissionen ein gewichtiges Wort mitreden bei der Frage, was Kunst ist und was nicht. Doch wie die Kunstkommissionen besetzt werden, ob alle Förderansuchen von ihnen beurteilt werden, wie diese über Förderwürdigkeit entscheiden und mit welchen Begründungen ihren Empfehlungen manchmal nicht Folge geleistet wird, bleibt unklar.“

Mit einem Förderbudget der Landesregierung für Kunst und Kultur für 24,5 Millionen Euro im Jahr 2022 und veranschlagt für 25,1 Millionen Euro für das Jahr 2023 ist die Frage „Wer entscheidet und wer macht eigentlich Kulturpolitik in Vorarlberg?“ richtungsweisend. Weber: „Der Kulturbeirat und die Kunstkommissionen sollten in Vorarlberg ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um die Frage geht, was Kunst ist und was nicht. Doch wie diese Kommissionen und Beiräte besetzt werden, welchen Qualitätskriterien sie unterworfen sind, wie diese über Förderwürdigkeit entscheiden und mit welchen Begründungen ihren Empfehlungen nicht Folge geleistet wird, das findet meist hinter verschlossenen Türen statt“. Der grüne Kultursprecher fordert daher Landesstatthalterin Schöbi-Fink auf, das Vorarlberger Kulturförderungsgesetz und die Geschäftsordnung der Kunstkommissionen dementsprechend anzupassen.

Kompetente Personen

Gänzlich anders sieht das VP-Kunst- und Kultursprecher Christoph Thoma: „Ich schätze den Kollegen Bernie Weber sehr, da wir konstruktiv das Land gestalten, aber im Kontext der Anfrage zur Förderpraxis im Kunst- und Kulturbereich würde ich mir etwas mehr Auseinandersetzung mit einer kulturpolitischen Agenda erwarten.“ Mit mehr Recherche oder dem Weg zum Telefon würden sich Fragen rasch und unbürokratisch beantworten lassen. Die Bestellung der Kunstkommissionen sowie des Landeskulturbeirats wären im Kulturfördergesetz des Landes nachzulesen. „Als Mitglied des Landeskulturbeirats weiß ich, was im Gremium diskutiert wird, es geht um strategische Weichenstellungen, nicht um Einzelförderungen“, ergänzt Thoma, der darauf verweist, dass alle Gremien mit kompetenten Persönlichkeiten besetzt sind, beispielsweise mit vai-Direktorin Verena Konrad, Spielboden-Geschäftsführerin Heike Kaufmann, Intendantin Stephanie Gräve, Literat Wolfgang Mörth oder Musiker Tobias Vedovelli.

„Ich würde mir etwas mehr Auseinandersetzung mit realpolitischer Kulturarbeit wünschen, das würde unsere gemeinsame Kulturentwicklung im Land Vorarlberg deutlich beschleunigen“, so der Kulturpolitiker Christoph Thoma.

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