Neuauflage eines literarischen Klassikers

Kultur / 23.12.2022 • 16:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die SackgasseVera Ferra-Mikura, Milena, 304 Seiten

Die Sackgasse

Vera Ferra-Mikura, Milena, 304 Seiten

„Die Sackgasse“ von Vera Ferra-Mikura erschien erstmals 1947.

Roman Der Wiener Milena Verlag legt seit geraumer Zeit vergessene literarische Klassiker wieder auf. Zu den Büchern, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen, zählt auch das Debüt der österreichischen Autorin Vera Ferra-Mikura. „Die Sackgasse“, Erstveröffentlichung 1947, bleibt jedoch der einzige Roman für Erwachsene. Ohne die Stadt und die Zeit, in der der Roman spielt, explizit zu nennen, erzählt Vera Ferra die Geschichte der Familie Kleist, die unter ärmlichen Bedingungen in einem Zinshaus am Ende einer Sackgasse lebt. Auf engstem Raum wohnt die Witwe Kleist mit dem Sohn Rupert und den Töchtern Luise und Fanny. Während die Kinder Wege aus der Armut suchen, verzweifelt die Mutter zunehmend an der Unüberwindlichkeit des sozialen Milieus und der geringen Aussicht auf Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

Unausgesprochen wird klar, dass der Roman im Wien der unmittelbaren Nachkriegszeit spielt und das Haus in der Sackgasse eine Metapher für die Situation Österreichs nach 1945 ist. Die Hausgemeinschaft funktioniert noch immer wie ein Spitzelstaat, in dem willkürliche Anschuldigungen katastrophale Folgen für einzelne Bewohner haben können. Normabweichungen wie etwa ein Schwangerschaftsabbruch werden gesellschaftlich gnadenlos sanktioniert. Neue alte Heilsversprecher versuchen die Jugend wieder zu locken, um sie einer Ideologie zu unterwerfen.

Persiflage auf die Kulturszene

Ferra-Mikuras Buch ist eine amüsante Persiflage auf die Literatur- und Kulturszene der österreichischen Nachkriegsjahre. Man faselte damals von ästhetischer Revolution und fabulierte im Duktus des Phantastischen Realismus.

Wahre Größe zeigt Ferra-Mikura jedoch in der Kinder- und Jugendliteratur. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise unter anderem auch für die Bilderbuchreihe um den alten, den jungen und den kleinen Stanislaus, dessen erster Band vor 60 Jahren bei Jungbrunnen veröffentlicht wurde. Ihr großer Verdienst: Sie prägte den Stil des magischen Realismus. Übrigens steht der Grande Dame im kommenden Jahr ein großes Jubiläum ins Haus. Geboren 1923, würde sie ihren
100. Geburtstag feiern. CRO

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.