Vorarlberger arbeitet mit dem Komponisten von King Charles III.

Der Dirigent Tobias Grabher präsentiert mit der Camerata Musica Reno seine Sicht auf Richard Wagner.
Bregenz, Altach Dass der Name Iain Farrington noch nicht vielen etwas sagt, sollte sich bald ändern. Der britische Musiker erhielt den Auftrag, eine Komposition für die Krönung von King Charles III. in London zu schaffen. Mit seinen Qualitäten als Arrangeur kann sich das Vorarlberger Publikum bereits vor dem 6. Mai auseinandersetzen. Der aus Altach stammende Dirigent Tobias Grabher (25) bringt mit der von ihm gegründeten Camerata Musica Reno am Osterwochenende bearbeitete Werke von Richard Wagner zur Aufführung. Die Konzerte finden am 8., 9. und 10. April im Theater Kosmos in Bregenz statt. Während das „Siegfried-Idyll“ für Kammerorchester geschrieben wurde, stellt sich bei Programmpunkten wie „Siegfrieds Rheinfahrt“ oder dem „Karfreitagszauber“ aus dem „Parsifal“ die Frage nach der Art der Adaptierung. Die übernahm der Pianist, Komponist und Arrangeur Iain Farrington, der Grabher von seinem Wiener Professor Mark Stringer empfohlen wurde. Auch die Expertise der britischen Dirigentin Sian Edwards machte ihm Mut.

Nachdem er sich an das Prinzip hielt, dass ein Dirigent zumindest die Partitur am Klavier spielen können sollte und sich dafür die Bearbeitungen von Farrington besorgte, war ihm klar, dass er sich an ein Wagner-Projekt wagen konnte, bei dem die üppige Klangmalerei einmal hintangestellt bleibt. Grabher: „Natürlich ist das Vorspiel zu ,Rheingold‘ nicht ohne die Wagner-Tuben oder Harfen aufzuführen, aber ich habe Werke gewählt, die in ihrer musikalischen Essenz funktionieren.“
Michael Köhlmeier als Erzähler
Ein Wagner-Programm zu Ostern, das vor allem in Deutschland Tradition hat, und dazu der Verweis auf das Nibelungenlied, dessen Handschriften A und C in Hohenems gefunden wurden, hatte sich für ihn bald als gutes Konzept für ein Konzertprogramm gefestigt. Auf die wenigen Elemente dieser Dichtung, die Richard Wagner in seinem Opernvierteiler „Der Ring des Nibelungen“ verwendet hat, wird der Schriftsteller Michael Köhlmeier eingehen, der sich in seinem umfangreichen Werk nicht nur mit den Sagen des Altertums, sondern auch mit dem Nibelungenlied eingehend beschäftigt hat.

Als Wagner-Stipendiat, das heißt, als Träger dieser internationalen Auszeichnung, erhielt Tobias Grabher die Möglichkeit, bei den Festspielen in Bayreuth eine Woche lang jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt zu begegnen. „Das war eine bereichernde Erfahrung“, erzählt er, „ich stehe der Glorifizierung der Person sehr kritisch gegenüber, aber die Kontinuität der Wagner-Aufführungen in Bayreuth, die ist schon sehr interessant.“

Die Camerata Musica Reno bündelt herausragende junge Musikerinnen und Musiker aus Vorarlberg. Stiplovsek
Mit dem „Siegfried-Idyll“ hatte er sich bereits im Verlauf seines Studiums beschäftigt, die großen Werke von Richard Wagner sind derzeit noch nicht vorgesehen. „In meiner noch jungen Dirigentenlaufbahn ergibt sich das noch nicht, das wird frühestens beim Erwerb des Abschlussdiploms möglich sein, bei dem ich dann mit dem RSO Wien arbeite.“
34 Musikerinnen und Musiker
Der erste Auftritt des Kammerorchesters Camerata Musica Reno mit Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ ist vielen Musikfreunden noch als Ereignis im Frühjahr 2021 in Erinnerung. Später bot man Programme mit Werken von Strauss und Hindemith. Der Bratschist Fridolin Schöbi konnte als Solist brillieren und wird ebenso wieder dabei sein wie der Geiger David Kessler, der neben seinen Verpflichtungen in anderen Orchestern, etwa den Wiener Symphonikern, die Funktion des Konzertmeisters innehat. „Die verschiedenen Engagements der jungen Musikerinnen und Musiker bringt eine Zirkulation mit sich“, erklärt der Dirigent. Er kann mittlerweile aber auf ein gutes Kernteam der Camerata Musica Reno setzen, die beim neuen Projekt mit 34 jungen Leuten auftritt. Was die Zukunft betrifft, so werde viel von seinem Werdegang und dem seiner Künstlerinnen und Künstler abhängen. „Ein schönes Szenario wäre es, wenn die Stammbesetzung bleibt und wenn wir uns als Ensemble etablieren können, das nicht nur in Vorarlberg auftritt, sondern beispielsweise auch bei Festivals außerhalb des Landes. Ich will nicht größenwahnsinnig erscheinen, aber es wäre schön, wenn sich das so entwickelt.“ Als zweiten Plan denkt Tobias Grabher an die Möglichkeit, dass sich jene Musikerinnen und Musiker, die aus Vorarlberg stammen und die Profi-Bühne betreten, zumindest wieder für einzelne Projekte zur Camerata formieren. Abgesehen davon ist es auch angedacht, dass sich das Kammerorchester zeitgenössischen Kompositionen widmet. In den nächsten Jahren könnte es auch zu einer Uraufführung kommen.

„Ich selbst arbeite ehrenamtlich, mir ist es wichtig, dass das Budget für faire Gagen der Musikerinnen und Musiker reicht.“
Tobias Grabher, Dirigent
Was die Finanzierung betrifft, so steckt der Dirigent erst einmal bei seinem Honorar zurück und arbeitet ehrenamtlich, denn er besteht auf faire Gagen für die Musiker. Ein Achtel des Budgets kann er mit öffentlichen Subventionen abdecken. Grabher: „Wir hatten bis jetzt Glück, die Konzerte sind vom Publikum nachgefragt und wir konnten Sponsoren gewinnen.“
Konzerte der Camerata Musica Reno unter Tobias Grabher mit Michael Köhlmeier: 8., 9., 10. April, jeweils 19.30 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz.
