Körper und Musik im Einklang

Kultur / 05.05.2024 • 12:57 Uhr
bregenzer frühling 2024
Am Samstag wurde Into the Hairy vorgeführt. katerina jebb

Am Samstag glänzte ‘Into the Hairy’ beim Bregenzer Frühling. 

Bregenz Sharon Eyals neueste Choreografie „Into the Hairy”, die am vergangenen Samstag im Rahmen des Bregenzer Frühlings im Festspielhaus aufgeführt wurde, ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit ihrem Partner Gai Behar und dem britischen Komponisten Koreless.  Die Inszenierung erforscht das Zusammenspiel von Tanz, Musik und emotionalem Ausdruck. Sie ist mehr als nur eine Tanzperformance, sie entfaltet eine visuelle und akustische Erzählung, die das Publikum tief in die Vielfalt menschlicher Emotionen und körperlichen Ausdrucks eintauchen lässt. Die Show, die vom Werden und vom Wahnsinn des Daseins, vom Wüten und Vergehen aller Lebewesen erzählt, beginnt mit einer minimalistischen, aber kraftvollen Szene. Im Dunkeln hört man das leise Plätschern von Wassertropfen, während sanfte Lichtstrahlen langsam eine mystische Welt zum Leben erwecken. Diese Einführung in das Stück stimmt in einem beruhigenden, fast meditativen Ton auf die folgenden 45 Minuten ein.

bregenzer frühling 2024
bregenzer frühling 2024

Die Kostüme spielen eine große Rolle

Die Tänzerinnen und Tänzer, gekleidet in Bodysuits der Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri, werden zu lebenden Skulpturen, die jede körperliche Regung, jede Muskelbewegung unterstreichen. Diese Kostüme spielen eine wesentliche Rolle in der Aufführung, da sie nicht nur den menschlichen Körper betonen, sondern auch die „Haut der Seele“ der Darsteller sichtbar machen.

Der Tanzstil zeichnet sich durch eine exquisite Symbiose von Eleganz und Kraft aus.  Die Tänzerinnen und Tänzer entfalten eine eindrucksvolle Präsenz auf der Bühne und zeigen trotz der räumlichen Nähe eine beeindruckende Disziplin und Kontrolle über ihren Körper. Ihre Armbewegungen sind weit ausholend und fließen sanft durch den Raum, als würden sie die Luft selbst formen. Dieses Spiel der Arme wird in einem Rahmen zelebriert, der die physische Nähe betont, ohne dass sich die Tänzer berühren, ein Zeugnis ihrer meisterhaften Präzision und ihres Bewusstseins für den eigenen und den umgebenden Raum.

Die Choreographie integriert auch unglaublich dichte Gruppenformationen, aus denen sich einzelne Tänzer lösen und wieder einfügen. Dieses dynamische Element spiegelt die Komplexität menschlicher Beziehungen wider und betont die Individualität im Kollektiv. Jedes Heraustreten aus der Gruppe wird zu einem kraftvollen Statement des persönlichen Ausdrucks, sowohl physisch als auch emotional.

Der Klang und Bühne

Die Musik von Koreless spielt eine zentrale Rolle in dieser Performance. Sie ist eine fesselnde Mischung aus elektronischen Beats und melodischen Elementen, die die Bewegungen der Tänzer perfekt ergänzen und die Atmosphäre des Stücks verstärken. Die Klanglandschaft ist dynamisch und variiert von pulsierenden Rhythmen bis hin zu sanfteren, fast zerbrechlichen Klängen, die die verschiedenen emotionalen Phasen der Performance unterstreichen. Negativ zu vermerken ist, dass die Musik von einigen Zuschauern als zu laut empfunden wurde und vereinzelt sogar den Saal verließen.

Das Lichtdesign von Alon Cohen verfeinert das visuelle Erlebnis und unterstreicht die Komplexität der Bewegungen und Kostüme, während die Kostüme von Maria Grazia Chiuri die Körperlichkeit und Intensität der Tänzerinnen und Tänzer betonen. Diese Elemente verschmelzen auf der Bühne zu einem großartigen Gesamtkunstwerk.

„Into the Hairy“ ist ein faszinierendes und herausforderndes Stück, Sharon Eyal, Gai Behar und Koreless haben ein Werk geschaffen, das tief in die Komplexität menschlicher Gefühlswelten und körperlicher Ausdruckskraft eindringt.