Aufgerüstet mit Frauenpower

Kultur / 10.10.2024 • 14:19 Uhr
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Mit einer Eröffnung, die Frauen in der Musikgeschichte in den Mittelpunkt rückt, startete die Konzertreihe „Dornbirn Klassik“. fritz jurmann (3)

„Dornbirn Klassik“ setzt zum Start in die neue Konzertsaison deutliche Akzente.

DORNBIRN Kulturamtsleiter Roland Jörg startet die neue Ausgabe seiner Konzertreihe „Dornbirn Klassik“. Und freut sich wie ein Schneekönig. Denn da gibt es, wohl wegen der attraktiven Programmierung der sechs Konzerte mit Kalibern wie „Stocki“ Karl Markovics und Entertainer-Tenor Rolando Villazón, heuer mit einem Schlag um 33 Prozent mehr Abonnenten im Kulturhaus. Das ist auch bereits am Mittwoch spürbar, als sich beim Eröffnungsabend mit symbolträchtiger Frauenpower die Reihen im Saal mehr als sonst füllen.

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Es ist ein mutiges, auch ein starkes Thema zum Auftakt, mit dem Boulanger-Trio drei Frauen Musik nur von komponierenden Frauen über die Jahrhunderte spielen zu lassen. Natürlich kommen im Publikum dann auch die Herren als Zuhörer zu ihrem Recht, und Autor Robert Schneider findet in seiner begeisternd vorgetragenen Einführung vor Beginn auch die rechten Worte, um dieses Ansinnen thematisch zu unterfüttern. Drei der sieben Komponistinnen im Programm beleuchtet er beispielhaft in ihrem Umfeld, das bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts von gravierenden gesellschaftlichen Zwängen gegenüber ihrer Berufssparte geprägt war. Schneiders Fazit: Schlechter war und ist die Musik von Frauen niemals, nur halt durch die Umstände in ihrer Popularität gegenüber den Werken der Herren eben oft benachteiligt. 

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Und genau an dieser thematischen Eingrenzung auf Frauenmusik krankt die Programmwahl dieses Eröffnungskonzertes. Denn der Abend an sich gelingt ohne Zweifel auf exzellent hohem Niveau mit diesem in Berlin angesiedelten Klaviertrio, das seit 18 Jahren in der Urbesetzung mit Birgit Erz, Violine, Ilona Kindt, Violoncello, und Karla Haltenwanger, Klavier, bis heute als eines der vielseitigsten Ensembles dieser Art gilt. Und doch fehlt bei aller Vielfalt der Stilrichtungen, bei aller Überzeugungskraft und Virtuosität der instrumentalen Beherrschung, einfach der Funke, der wirklich übergesprungen wäre an diesem Abend. Es ist der „Wow“-Effekt in Form eines, wenn auch kleinen, aber weitgehend allen bekannten Stückes, das sich beim Zuhörer im Gedächtnis festgesetzt hätte. Ein halber Schritt in Richtung Publikum wäre da wohl hilfreich gewesen. So aber bleibt es bloß große Kunst, was die drei Damen bieten, die beiden Streichinstrumente in wundervoll erfüllter Klanglichkeit, mit kristallklarer Schönheit, aber auch etwas unnahbar und kaum unmittelbar berührend.

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Zur Visitenkarte wird nach dem innigen barocken Madrigal „Che si può fare“ von Barbara Strozzi das gewichtige Klaviertrio d-Moll op. 11 von Fanny Hensel-Mendelssohn, der komponierenden Schwester Mendelssohn-Bartholdys und eine der großen Frauengestalten in der Musik. Es ist ein in glühender Romantik kompakt ausgearbeitetes Werk von starke, Zuschnitt. Mit der Komponistin Lili Boulanger, einer der Namensgeberinnen des Ensembles, wendet sich das Blatt. Drei zarte Bilder aus ihrem Liederzyklus „Clairières dans le ciel“ führen in die versponnene Welt des Impressionismus. Danach wird das Programm mit instrumental variierten Pop- oder Schlagermelodien etwas kurzatmig und beliebig mit gewissen Längen. Auch die Rückkehr zur Romantik mit dem Trio der unbekannten schwedischen Musikerin Elfrida Andrée bleibt gefällig an der Oberfläche, kann nicht wirklich überzeugen. Dies vermag erst wieder die Zugabe mit einem späten Stück von Lili Boulanger. Der Applaus bleibt angemessen höflich.

FRITZ JURMANN          

Nächstes Konzert „Dornbirn Klassik“, Kulturhaus: 25. November, 19.30 hr, ro Brass, Karl Markovics, Rezitation