Saiten voller Geschichte

Wie die Gitarre im Montforthaus ihre ganze historische Bandbreite entfaltet.
Feldkirch Mit dem Programm „Guitaromanie“ unternahm die Kammermusikklasse von Augustin Wiedemann der Stella Musikhochschule im Montforthaus Feldkirch eine ebenso klug konzipierte wie lebendig musizierte Reise durch mehrere Jahrhunderte Gitarrengeschichte, die eindrucksvoll vor Augen führte, wie reich, vielfältig und historisch tief verwurzelt dieses Instrument ist. Bereits der Auftakt mit John Dowlands „Come again“ ließ aufhorchen: In der sensibel austarierten Besetzung mit Sopran, Viola und Gitarre gelang eine Interpretation von einer Klarheit, in der sich vokale Linie und instrumentale Begleitung organisch miteinander verbanden. Der transparente Klang ließ die Renaissance-Musik in unerwarteter Frische aufscheinen. Einen stilistischen Kontrapunkt setzte Tim Klein mit dem Präludium aus Johann Sebastian Bachs Lautensuite BWV 995. Sein Spiel überzeugte durch strukturelle Übersicht und eine ruhige, unprätentiöse Gestaltung, die den architektonischen Aufbau des Werkes ebenso ernst nahm wie dessen klangliche Feinheiten.

Dass die Gitarre auch in Franz Schuberts Wien eine zentrale Rolle spielte, wurde im „Nachtstück“ eindrucksvoll hörbar. In der intimen Verbindung von Sopran und Gitarre entfaltete sich eine dichte, konzentrierte Atmosphäre, die dem Lied eine besondere Unmittelbarkeit verlieh. Hier zeigte sich, wie schlüssig diese historische Klangwelt auch heute noch wirkt. Mit Mauro Giulianis „Gran Sonata Eroica“ trat die Virtuosität stärker in den Vordergrund. Can Long meisterte die technischen Anforderungen und ließ zugleich den klassizistischen Gestus der Musik klar hervortreten. Die Nähe zu Beethoven war dabei nicht nur stilistisch spürbar, sondern wurde auch interpretatorisch überzeugend herausgearbeitet.
„La Gran Sarabanda“
Einen ganz eigenen Ton schlug Rojina Emadi mit Federico Mompous „Suite Compostelana“ an. In ihrem zurückgenommenen, fein nuancierten Spiel entstand eine stille, fast kontemplative Klangwelt, die sich wohltuend von demonstrativer Virtuosität abhob und gerade dadurch ihre Wirkung entfaltete. Unter den bemerkenswerten jungen Musikerinnen und Musikern des Mittags ragte Jana Stetter besonders hervor. Mit Leo Brouwers „La Gran Sarabanda“ gelang ihr eine Interpretation von großer Präsenz und gestalterischer Klarheit. Sie verband rhythmische Präzision mit klanglicher Differenzierung und führte dieses äußerst anspruchsvolle Werk mit sicherem Gespür für Spannung und Verlauf durch seine vielschichtige Struktur. Den Abschluss bildete Astor Piazzollas „Histoire du Tango“ in der Originalfassung für Flöte und Gitarre. Maria Antonia Sanabria und Tim Klein gestalteten den Satz „Nightclub 1960“ mit Feingefühl und lebendiger Musikalität. Die rhythmische Beweglichkeit und die dialogische Anlage des Werkes kamen dabei ebenso zur Geltung wie seine charakteristische Farbigkeit.
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Die Reihe der Mittagskonzerte wird am 16. Juni fortgesetzt, dann mit einem Instrument, das zwischen Zartheit und Virtuosität seine ganz eigene Welt entfaltet: der Harfe.