Das Zusammenspiel von Klang und Raum

Tarek Atouis Ausstellung im Kunsthaus Bregenz
Bregenz Am 11. Oktober eröffnet das KUB die Ausstellung des libanesischen Künstlers und Komponisten Tarek Atoui. Bis zum 12. Januar 2025 haben Besucher die Möglichkeit, in eine Welt einzutauchen, in der Klang, akustische Wahrnehmung und musikalische Performance auf außergewöhnliche Weise miteinander verschmelzen.

Tarek Atoui, geboren 1980 in Beirut, lebt und arbeitet in Paris. Er studierte zeitgenössische und elektronische Musik am Konservatorium in Reims und nahm am Artist-in-Residence-Programm des New Museum in New York teil. Seine Werke wurden weltweit gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen wie der Tate Modern in London und dem Guggenheim Museum in New York vertreten.

Atoui ist bekannt für seine Ansätze in der Musik- und Klangkunst. Seine Arbeiten durchbrechen die Grenzen traditioneller Musikdarbietungen und laden das Publikum dazu ein, Klang nicht nur auditiv, sondern auch körperlich und räumlich zu erfahren. Mit elektroakustischen Quellen, Synthesizern und eigens entwickelten Klangkörpern erschafft er einzigartige Klangwelten. Inspiration findet er in den Traditionen verschiedener Kulturen sowie im Austausch mit Handwerkern, Musikern und Experten aus der ganzen Welt.

In Bregenz werden Atouis Instrumente als räumlich verteilte Klangquellen präsentiert. Besucher sind eingeladen, durch diese akustische Landschaft zu wandern und dabei sowohl ihr Gehör als auch ihre räumliche Wahrnehmung zu schärfen. Das weitläufige Gebäude mit seinen akustischen Resonanzen bietet den perfekten Rahmen für dieses immersive Erlebnis.

Im ersten Stock stehen die taktilen Wahrnehmungen von Klang, Vibrationen und Bewegungen im Vordergrund, insbesondere durch die sogenannten “Wind Instruments”. Diese interaktiven Installationen verbinden auf innovative Weise Hören, Fühlen und Sehen. Für die Ausstellung in Bregenz hat Atoui “Windhouse #2″ entwickelt, eine neue Version seines Windsammelgeräts. Aktiviert durch starke Luftströme, erzeugt das Instrument resonante, bassreiche Klänge, die den Raum durchdringen und im Körper widerhallen. Organ Within”, eine hybride Installation, vereint historische Orgeln mit den Klangwahrnehmungen gehörloser Menschen. Ein Netzwerk aus Schläuchen verbindet einen Computer mit einem Ventilator, während verschiedene Orgelmodule miteinander interagieren und ein dynamisches Klangbild erschaffen.

Das zweite Stockwerk ist “Waters’ Witness” gewidmet, einer Arbeit, in der Atoui Klänge aus Hafenstädten wie Athen, Beirut und Sydney gesammelt hat. Diese Klangwelt verbindet unterschiedliche geografische und kulturelle Realitäten und symbolisiert die ständige Veränderung, der ein Hafen ausgesetzt ist.

Im obersten Stockwerk wird zunächst die Arbeit “Horns of Putin” dominieren, bevor ab dem 24. Oktober das Projekt “The Rain” gezeigt wird. Dieses Werk begann Atoui während einer Forschungsreise nach Südkorea, bei der er sich mit traditionellen koreanischen Instrumenten und Handwerkstechniken auseinandersetzte. Mit keramischen Resonanzkörpern und dem traditionellen Hanji-Papier schafft er eine beeindruckende Klanglandschaft.

„Wer die Ausstellung besucht und sich nur auf traditionelle bildende Kunst konzentriert, verpasst den eigentlichen Kern. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen, den Dingen Raum zu geben, und sich nicht von der Vielfalt ablenken zu lassen”, erklärt Atoui. „Wenn wir unsere Sensibilität nicht nur für das Hören, sondern für das bewusste Zuhören schärfen, können wir viele natürliche Lösungen für die Probleme dieser Welt entdecken. Aus der Überzeugung, dass alles Klang und Schwingung in sich trägt, entsteht fast zwangsläufig die Idee des Komponierens durch Zuhören.“ Vom 24. bis 26. Oktober findet eine Performance-Reihe mit internationalen Musikern statt, die die Ausstellung durch Live-Darbietungen bereichern wird.