Die große Faszination für Papier

Ausstellung in der Albertina, die eine der größten Sammlungen von Kunst auf Papier beherbergt.
Wien Wenn ein Museum wie die Albertina ein Vierteljahrtausend alt wird, ist das nicht allein ein historisches Jubiläum, es ist auch ein Moment, in dem sich die eigene Geschichte mit jener der Kunst auf Papier verschränkt. 2026 feiert das Haus sein 250-jähriges Bestehen und widmet diesem Anlass eine große Ausstellung, die den immensen Reichtum der Sammlung sichtbar macht. Mehr als eine Million Objekte – darunter Zeichnungen, Druckgrafiken, Aquarelle, Faltinstrumente, Spielkarten und skulpturale Papierarbeiten – bilden einen Kosmos, der sich über rund 600 Jahre spannt. In Wien wird dieser nun wie ein weit verzweigter Parcours entfaltet.

Unter den vielen Stimmen, die in dieser Ausstellung zu Wort kommen, ist auch eine aus dem Bregenzerwald. Tone Fink, seit Jahrzehnten einer der eigenwilligsten Papierkünstler Vorarlbergs, freut sich hörbar über die Einladung. Sein „Achselzuckgewand“, ein vielfach repariertes und über Jahre hinweg bei Aktionen getragenes Objekt, hat in der Albertina eine neue Heimat gefunden. „Mein zigmal nach Performances repariertes ‚Achselzuckgewand‘ kann jetzt würdevoll altern, das freut mich grandissimo“, sagt Fink. Im kommenden Jahr wird er eine Papierhaut-Performance im Museum realisieren. „Besser geht es nicht“, fügt er hinzu. Für jemanden, der Papier stets als lebendige Haut begriffen hat, klingt das wie ein logischer, fast poetischer Kreis. Das ikonische Gewand selbst hat bereits internationale Aufmerksamkeit erregt. Selbst die Vogue hat es abgebildet.

In der Jubiläumsausstellung wird Finks Werk mit Positionen in Beziehung gesetzt, die die Geschichte der Kunst auf Papier geprägt haben. Meister wie Albrecht Dürer oder Rembrandt werden dabei neben zeitgenössischen Größen wie Anselm Kiefer oder Yves Klein präsentiert. Mit Liddy Scheffknecht ist zudem eine weitere Vorarlberger Künstlerin vertreten. Von der Dornbirnerin, die seit Jahren mit präzisen fotografischen Serien und installativen Experimenten auf sich aufmerksam macht, befindet sich zudem das Werk “Serial of 6 Photographs” bereits seit 2011 im Besitz der Albertina.

„Faszination Papier“ heißt die Ausstellung und der Titel ist Programm. Sie lädt nicht nur zum Staunen über herausragende Kunstwerke ein, sondern öffnet auch die Augen für die erstaunliche Vielfalt eines Materials, das zugleich alltäglich und hochkünstlerisch ist. Papier begegnet hier als Medium wissenschaftlicher Präzision in faltbaren Sonnenuhren, als Träger kunstvoller Zeichnungen, als Spielmaterial in elaborierten Kartenwerken und als fragile Skulptur.

Historische und zeitgenössische Positionen treten in einen Dialog, der über die Grenzen der Jahrhunderte hinweg neue Perspektiven auf das Sehen und Sammeln eröffnet. Bekannte Meisterwerke werden neben selten gezeigten Arbeiten präsentiert und schaffen so eine dichte, vielschichtige Erzählung über die Möglichkeiten des Papiers.

In zehn thematischen und technischen Abschnitten führt die Ausstellung wie durch einen kuratierten Parcours durch diese Welt. Sie eröffnet überraschende Zusammenhänge, stellt Materialien und Techniken gegenüber und lässt die Besucherinnen und Besucher selbst zu Entdeckern werden.

Die Ausstellung „Faszination Papier“ ist noch bis zum 22. März 2026 zu sehen und bietet einen Einblick in diese stille, doch unerschöpfliche Kunstform, die seit Jahrhunderten die Hand des Künstlers mit der Welt verbindet.