Jazz der Extraklasse im Theater am Saumarkt

Kultur / 04.01.2026 • 13:23 Uhr
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Anna Maurer (Klavier, Gesang), Christian Maurer (Saxofon), Robert Riegler (Bass) und Wolfgang Rainer (Schlagzeug). Andreas Marte

Die Band “Zweimaurer” eröffneten das Neujahrsjazzfestival mit viel Energie und Witz.

Feldkirch Mit dem Auftritt des Quartetts “Zweimaurer” begann das Neujahrsjazzfestival 2026 im Theater am Saumarkt mit einem Abend, der weniger auf festliche Rituale setzte als auf konzentriertes musikalisches Erkunden und damit jenes Spannungsfeld auslotete, in dem sich zeitgenössischer Jazz heute behauptet. Vier Musiker, zwei Maurer, ein Kollektiv: Was zunächst wie ein Wortspiel anmutet, erwies sich als treffende Bezeichnung für eine Formation, deren Spiel von individueller Handschrift, produktiver Reibung und hoher klanglicher Geschlossenheit geprägt war. Zweimaurer lässt sich zweifellos im weiten Feld des Jazz verorten, doch greift die Gattungsbezeichnung zu kurz. Der Stil des Ensembles bewegt sich zwischen akustischem Jazz, Blues, rockartigen Impulsen und Einflüssen aus Latin, ergänzt durch metrische Verschiebungen, erweiterte Harmonik, klar konturierte Melodik sowie gelegentliche harmonische Trübungen. Kompositorische Struktur und Improvisation stehen in einem ausbalancierten Verhältnis, wobei der Humor der Band eher in musikalischen Volten als in vordergründiger Ironie zum Ausdruck kommt.

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Andreas MarteTochter und Vater: Anna und Christian Maurer.

Im Mittelpunkt standen Stücke des Albums Jumble (2024), das von Christian und Anna Maurer konzipiert wurde. Christian Maurer, seit Jahrzehnten prägend in der österreichischen Szene u.a. durch das Upper Austrian Jazz Orchestra und das Quartett Saxofour zeigte sich als variabler Saxofonist mit kernigem Ton und erzählerischem Gestus. Auffällig dabei seine Präsenz: nie dominierend, sondern stets auf Interaktion bedacht. Anna Maurer, die längst als eigenständige Musikerin wahrgenommen wird, profilierte sich in dieser Besetzung als zentrale Impulsgeberin. Ihr Klavierspiel verband rhythmische Prägnanz mit klanglicher Klarheit. Ihre Vokalparts – etwa in „Clarity“ – waren zurückgenommen, klanglich fokussiert und blieben frei von stilistischen Anbiederungen. Besonders in den Zwiegesprächen mit dem Saxofon entwickelte sich eine musikalische Nähe, die nicht ins Private kippte, sondern im Konzertrahmen überzeugend wirkte. Wolfgang Rainer erwies sich als dynamischer Schlagzeuger. Sein Spiel verband strukturelle Übersicht mit eruptiven Entladungen, ohne sich in vordergründiger Virtuosität zu verlieren. In einem Stück vor der Pause wurde deutlich, wie stark seine rhythmische Gestaltung das Ensemble mitprägt – etwa durch das bewusste Setzen von Akzenten oder temporäre Ausdünnung des Klangbilds. Auch in der Körpersprache entstand dabei ein Moment von Unmittelbarkeit. Robert Riegler schließlich sorgte mit seinem Bassspiel für die klangliche Verankerung. Zwischen Swing, funkbasierter Linienführung und gesanglichen Soli agierte er mit klarer Struktur und technischer Souveränität. In „Bossa Rossa“, einer von brasilianischer Rhythmik beeinflussten Komposition, entwickelte er eine längere Improvisation, die sich über motivische Variationen langsam aufbaute und die Spannung bis zum Schluss durchhielt. Auch die übrigen Stücke – etwa das von maltesischen Klangfarben inspirierte „Cumino“, das dichter strukturierte „Serendipia“ oder das titelgebende „Jumble“ – bewegten sich zwischen freiem Zugriff und fester Form. Die Band nutzte diese Offenheit nicht zur Beliebigkeit, sondern als Raum zur Entwicklung. Das Publikum reagierte während des Konzerts und am Ende mit hörbarer Zustimmung.

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Am Montagabend steht das Duo CORE II mit Elfie Aichinger und Melissa Coleman auf dem Programm. Aichinger ist eine Künstlerin mit ausgeprägt vielseitigem Profil, deren Arbeiten regelmäßig im Rahmen des Schallwende-Festivals präsentiert werden. Ihre Konzertabende zeichnen sich durch ein Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition aus, formbewusst, zugleich offen für klangliche Überraschungen. Aichingers Projekte zählen zu den originellsten Formaten der aktuellen Szene und sind immer wieder aufs Neue faszinierend.