Spielfreude in neue Sphären gehoben

VN / 07.01.2026 • 17:30 Uhr
Progressive Klangwelten: Günter Wehingers Ensemble „Delydious“ präsentierte neue Eigenkompositionen.
Progressive Klangwelten: Günter Wehingers Ensemble „Delydious“ präsentierte neue Eigenkompositionen.Henning Heilmann

Theater am Saumarkt Neujahrsjazzfestival mit progressiver Improvisationskunst.

Feldkirch Debussy 13-seitig, komplexe Eigenkompositionen, groovige Standards und mehr: Auf dem Neujahrsjazzfestival 2026 unter Leitung von Kurator Dietmar Kirchner erlebten die Gäste im Theater am Saumarkt vielseitige und experimentelle musikalische Leckerbissen.

Zweiklang mit Wucht: Elfi Aichinger und Melissa Coleman beeindruckten als Duett mit kompromissloser Ausdrucksstärke.
Zweiklang mit Wucht: Elfi Aichinger und Melissa Coleman beeindruckten als Duett mit kompromissloser Ausdrucksstärke.

Viel Improvisationsfreude

Als Einstieg erlebten die Konzertgäste am Samstagabend die „Zweimaurer“ mit einer explosiven Mischung aus akustischem Jazz, Blues, Latin und Rock sowie viel Spielwitz. Tochter und Vater auf einer Bühne: Anna Maurer, mit gefühlvollem Gesang am Klavier, sowie Christian Maurer brillant am Saxophon spielend, standen im Zentrum der Formation, die Wolfi Rainer und Robert Riegler an Bass und Drums rhythmisch ergänzten. Zwischen klassischen Jazzstandards und komplexen Stücken gab es viel Improvisationsspielraum.

Günter Wehinger entfachte auf der Flöte ein Feuerwerk an Improvisationskunst.
Günter Wehinger entfachte auf der Flöte ein Feuerwerk an Improvisationskunst.

Am Sonntag begeisterte Günter Wehingers Ensemble „Delydious“ die Gäste, das mit vielen neuen Eigenkompositionen aufwartete und die Gäste in ungewöhnlicher Besetzung mit progressiven Werken verzauberte, die sich offen für verschiedenste musikalische Einflüsse zeigten. Jedes Bandmitglied entfachte für sich ein improvisatives Feuerwerk: Wehinger auf der Flöte ebenso wie Claire Litzler auf dem Vibraphon, André Buser auf dem E-Bass und ganz besonders Karin Nakagava auf dem japanischen Koto, auf dem sie verschiedenste Techniken anwendete und zwischen Klangmalerei, filigranem Solospiel und Begleitung dem schwierigen Instrument seine ganze Bandbreite entlockte. Zu den Highlights des Auftritts zählten „Agility“ im 13/8 Takt sowie „Keep on travelling“. Mit Claude Debussys „Claire de Lune“ kehrte das Quartett zu seinen Ursprüngen zurück. Als Zugabe wurde zum Ausklang noch Erik Satie´s „Gnossienne 1“ zum Besten gegeben.

Fernöstliche Klangwelten: Karin Nakagava entfaltete auf dem japanischen Koto eine beeindruckende Vielfalt zwischen filigranem Solospiel und atmosphärischer Klangmalerei.
Fernöstliche Klangwelten: Karin Nakagava entfaltete auf dem japanischen Koto eine beeindruckende Vielfalt zwischen filigranem Solospiel und atmosphärischer Klangmalerei.

Mit ihrer eigenen Kompositionssprache und ihrer markanten Stimme, die sich genauso wenig bändigen lässt wie ihr Unmut über das aktuelle weltpolitische Zeitgeschehen, hat sich die facettenreiche Sängerin, Komponistin und Pianistin Elfi Aichinger, die auf eine klassische Ausbildung zurückblickt , längst einen Namen in der der Jazz-Szene gemacht. Am Montag hatte sie ihren großen Auftritt mit der genialen australischen Cellistin Melissa Coleman. Als Duett präsentierten sie „Core II“, eine musikalische Reise, die in befreienden Wutausbrüchen die neue Weltunordnung nicht unberührt lässt. „Trick“ lehnt sich impulsiv gegen Fake News und jede Form der Gefügigmachung auf, und „Cagey Cacodemon“ aus dem ersten Album “Core” gegen die bösen Geister der großen Männer auf der Weltbühne.

Die Formation „Delydious“ wurde für ihre progressive Klangsprache und intensiven Improvisationen vom Publikum gefeiert.
Die Formation „Delydious“ wurde für ihre progressive Klangsprache und intensiven Improvisationen vom Publikum gefeiert.

Publikum feiert Musiker

Unter den Gästen weilten die Pianistin Nora Calvo-Smith, der Cellist Thomas Dünser und Obmann des Orchestervereins Götzis, der bekannte Perkussionist Georgios Mikirozis, der beim Neujahrsjazzfestival 2025 solo auftrat und mit Bongos und Conga begeisterte sowie die Künstlerin Gabi Jörger. Die Kombination aus improvisativer Spielfreude und experimenteller Offenheit machte das Neujahrsjazzfestival auch heuer einzigartig und zog trotz klirrender Kälte viele Gäste an, neue Sphären des Jazz live zu entdecken. HE

Kurator Dietmar Kirchner stellte die außergewöhnlichen Jazzformationen vor.
Kurator Dietmar Kirchner stellte die außergewöhnlichen Jazzformationen vor.
Vibraphon mit Leichtigkeit: Claire Litzler überzeugte mit feinem Gespür für lydische Tonarten.
Vibraphon mit Leichtigkeit: Claire Litzler überzeugte mit feinem Gespür für lydische Tonarten.
Souverän am E-Bass: André Buser verband Struktur und Freiheit im Spiel.
Souverän am E-Bass: André Buser verband Struktur und Freiheit im Spiel.
Besonderer Klangkörper: Karin Nakagava entlockte dem japanischen Koto beeindruckende Nuancen.
Besonderer Klangkörper: Karin Nakagava entlockte dem japanischen Koto beeindruckende Nuancen.
Die Künstlerin Gabi Jörger und die Pianistin Nora Calvo-Smith feierten das Neujahrsjazzfestival.
Die Künstlerin Gabi Jörger und die Pianistin Nora Calvo-Smith feierten das Neujahrsjazzfestival.
Elfi und Eva Altendorfer ließen sich von der Improvisationskunst begeistern.
Elfi und Eva Altendorfer ließen sich von der Improvisationskunst begeistern.
Kurator Dietmar Kirchner (rechts, mit Georgios Mikirozis) zeichnete auch 2026 für ein mutiges und vielseitiges Programm verantwortlich.
Kurator Dietmar Kirchner (rechts, mit Georgios Mikirozis) zeichnete auch 2026 für ein mutiges und vielseitiges Programm verantwortlich.
Entdeckten neue Klangwelten: Thomas Dünser und Simone Bösch.
Entdeckten neue Klangwelten: Thomas Dünser und Simone Bösch.
Markante Stimme und klare Haltung: Elfi Aichinger setzte starke musikalische Statements.
Markante Stimme und klare Haltung: Elfi Aichinger setzte starke musikalische Statements.
Die australische Cellistin Melissa Coleman überzeugte mit sensibler Dynamik und eindringlicher Ausdruckskraft.
Die australische Cellistin Melissa Coleman überzeugte mit sensibler Dynamik und eindringlicher Ausdruckskraft.
Intensives Duett: Elfi Aichinger und Cellistin Melissa Coleman auf der Bühne des Saumarkts.
Intensives Duett: Elfi Aichinger und Cellistin Melissa Coleman auf der Bühne des Saumarkts.
Musikalische Einmischung: „Trick“ und „Cagey Cacodemon“ setzten klare Zeichen.
Musikalische Einmischung: „Trick“ und „Cagey Cacodemon“ setzten klare Zeichen.
Elfi Aichinger suchte den Austausch mit dem Publikum und bezog die Zuhörer ins musikalische Geschehen ein.
Elfi Aichinger suchte den Austausch mit dem Publikum und bezog die Zuhörer ins musikalische Geschehen ein.
Virtuos und ausdrucksstark: Die australische Cellistin Melissa Coleman beeindruckte mit technischer Vielfalt und emotionaler Tiefe.
Virtuos und ausdrucksstark: Die australische Cellistin Melissa Coleman beeindruckte mit technischer Vielfalt und emotionaler Tiefe.
Dialog auf Augenhöhe: Stimme, Klavier und Cello verschmolzen bei „Core“ zu einem eindringlichen Gesamtausdruck.
Dialog auf Augenhöhe: Stimme, Klavier und Cello verschmolzen bei „Core“ zu einem eindringlichen Gesamtausdruck.
Musikalische Grenzerfahrung: „Core“ führte das Publikum durch rohe Klangräume und expressive Ausbrüche.
Musikalische Grenzerfahrung: „Core“ führte das Publikum durch rohe Klangräume und expressive Ausbrüche.
Zwischen Verletzlichkeit und Widerstand: Das Duett Aichinger–Coleman beeindruckte mit kompromissloser Präsenz.
Zwischen Verletzlichkeit und Widerstand: Das Duett Aichinger–Coleman beeindruckte mit kompromissloser Präsenz.