Spielfreude in neue Sphären gehoben

Theater am Saumarkt Neujahrsjazzfestival mit progressiver Improvisationskunst.
Feldkirch Debussy 13-seitig, komplexe Eigenkompositionen, groovige Standards und mehr: Auf dem Neujahrsjazzfestival 2026 unter Leitung von Kurator Dietmar Kirchner erlebten die Gäste im Theater am Saumarkt vielseitige und experimentelle musikalische Leckerbissen.

Viel Improvisationsfreude
Als Einstieg erlebten die Konzertgäste am Samstagabend die „Zweimaurer“ mit einer explosiven Mischung aus akustischem Jazz, Blues, Latin und Rock sowie viel Spielwitz. Tochter und Vater auf einer Bühne: Anna Maurer, mit gefühlvollem Gesang am Klavier, sowie Christian Maurer brillant am Saxophon spielend, standen im Zentrum der Formation, die Wolfi Rainer und Robert Riegler an Bass und Drums rhythmisch ergänzten. Zwischen klassischen Jazzstandards und komplexen Stücken gab es viel Improvisationsspielraum.

Am Sonntag begeisterte Günter Wehingers Ensemble „Delydious“ die Gäste, das mit vielen neuen Eigenkompositionen aufwartete und die Gäste in ungewöhnlicher Besetzung mit progressiven Werken verzauberte, die sich offen für verschiedenste musikalische Einflüsse zeigten. Jedes Bandmitglied entfachte für sich ein improvisatives Feuerwerk: Wehinger auf der Flöte ebenso wie Claire Litzler auf dem Vibraphon, André Buser auf dem E-Bass und ganz besonders Karin Nakagava auf dem japanischen Koto, auf dem sie verschiedenste Techniken anwendete und zwischen Klangmalerei, filigranem Solospiel und Begleitung dem schwierigen Instrument seine ganze Bandbreite entlockte. Zu den Highlights des Auftritts zählten „Agility“ im 13/8 Takt sowie „Keep on travelling“. Mit Claude Debussys „Claire de Lune“ kehrte das Quartett zu seinen Ursprüngen zurück. Als Zugabe wurde zum Ausklang noch Erik Satie´s „Gnossienne 1“ zum Besten gegeben.

Mit ihrer eigenen Kompositionssprache und ihrer markanten Stimme, die sich genauso wenig bändigen lässt wie ihr Unmut über das aktuelle weltpolitische Zeitgeschehen, hat sich die facettenreiche Sängerin, Komponistin und Pianistin Elfi Aichinger, die auf eine klassische Ausbildung zurückblickt , längst einen Namen in der der Jazz-Szene gemacht. Am Montag hatte sie ihren großen Auftritt mit der genialen australischen Cellistin Melissa Coleman. Als Duett präsentierten sie „Core II“, eine musikalische Reise, die in befreienden Wutausbrüchen die neue Weltunordnung nicht unberührt lässt. „Trick“ lehnt sich impulsiv gegen Fake News und jede Form der Gefügigmachung auf, und „Cagey Cacodemon“ aus dem ersten Album “Core” gegen die bösen Geister der großen Männer auf der Weltbühne.

Publikum feiert Musiker
Unter den Gästen weilten die Pianistin Nora Calvo-Smith, der Cellist Thomas Dünser und Obmann des Orchestervereins Götzis, der bekannte Perkussionist Georgios Mikirozis, der beim Neujahrsjazzfestival 2025 solo auftrat und mit Bongos und Conga begeisterte sowie die Künstlerin Gabi Jörger. Die Kombination aus improvisativer Spielfreude und experimenteller Offenheit machte das Neujahrsjazzfestival auch heuer einzigartig und zog trotz klirrender Kälte viele Gäste an, neue Sphären des Jazz live zu entdecken.
















