Der Hittisauer Geniestreich

Kultur / 12.01.2026 • 10:12 Uhr
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Martin Gallez spielte das Hammerklavier, Johannes Hämmerle war der Gast am Cembalo. Mathias Kaufmann

„Klang & Raum“ brillierte mit Martin Gallez am Hammerklavier und Johannes Hämmerle am Cembalo.

Hittisau Vergangenen Samstag war der noble Showroom der Leuchtenfirma von Georg Bechter in Hittisau der Rahmen für ein Konzert der Reihe „Klang & Raum“, die auf historischen Instrumenten Kammermusik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zur Aufführung bringt. Der Pianist Martin Gallez hatte die geniale Idee, in einem Konzert zwei Tasteninstrumente einzusetzen, die man fast nie gemeinsam zu hören bekommt: das ältere barocke Cembalo und das jüngere Hammerklavier. Er selbst spielte das Hammerklavier, der renommierte Vorarlberger Organist und Cembalist Johannes Hämmerle war der Gast am Cembalo – zwei unerschrockene Tastenkünstler, die alle Klippen bravourös meisterten.

Der Showroom überzeugte nicht nur durch seine fantastische Akustik, er erlaubte es auch, das Publikum rund um die aneinandergerückten Tasteninstrumente zu platzieren, wodurch eine fast familiäre Atmosphäre entstand. Jeder der beiden Teile begann mit einer strengen Fuge, einmal von Bach, einmal von Mozart. In Johann Sebastian Bachs „Fuga inversa a 2 Clavicembali“ aus der „Kunst der Fuge“ erwies sich gleich einmal der Vorteil dieser Instrumentation: Durch den unterschiedlichen Klang der beiden Instrumente wurden die Linien der Polyphonie viel klarer durchhörbar. Ein absoluter Leckerbissen war die Sonate für Violoncello und Klavier des Bach-Sohns Johann Christoph Friedrich. In dieser Rarität im galanten Stil experimentierten die Musiker mit Klangmischungen: Im 1. Satz klang das von Bianca Riesner entschieden und in den Kantilenen geradezu zärtlich gestrichene Barockcello silbrig-spröd auf dem schillernden Klangteppich, den Gallez auf dem Hammerklavier ausbreitete. Im Larghetto wirkte das Cello vor den gestochen scharfen Begleitakkorden des Hämmerle-Cembalos viel wärmer, im Rondo mit seinem spritzigen Gassenhauerthema im Cello wechselten sich Cembalo und Hammerklavier in der Begleitung ab, einmal klang es wie das Rieseln von geschliffenen Edelsteinen, dann wie rollende Perlen, fabelhaft! In Muzio Clementis energischem Duetto für 2 Claviere entstanden durch den Einsatz des Lautenzugs beim Cembalo im 2. Satz noch einmal andere Klangeffekte. Der Architekt und Firmengründer Georg Bechter erinnerte dann in einer kleinen Rede an verschiedene Aspekte des Mottos „Schnittstellen“.

Der zweite Teil wurde durch Mozarts Fuge in g-Moll für 2 Klaviere eröffnet; auch er konnte tadellose Fugen schreiben. Dass Mozart viel vom Bach-Sohn Johann Christian gelernt hat, war in dessen munterer Sonate in G-Dur für 2 Klaviere, op. 15/5 deutlich zu hören, besonders reizvoll durch die unterschiedlichen Klangfarben. Dunklere Töne schlug die Sonate in e-Moll für Traversflöte und Basso continuo von Carl Friedrich Abel an, deren noch ganz im barocken Stil ausgezierter Flötenpart von Angelika Gallez klangschön und stilsicher dargeboten wurde, begleitet von Hämmerle am Cembalo. Fast in die Romantik voraus wies dann das pathetische Nocturne in c-Moll von Louis-Emmanuel Jadin, in dem, nun mit Hammerklavierbegleitung, Heidrun Wirth-Metzler mit expressiver Tongebung überzeugte. „Wir werden uns die Finger brechen“ – diese Prophezeiung von Martin Gallez erfüllte sich im abschließenden virtuosen 3. Satz des Grand Duetto für Klavier vierhändig von Johann Baptist Cramer zum Glück nicht. Das Publikum, das trotz heftigen Schneetreibens sehr zahlreich erschienen war, zeigte sich begeistert von diesem intelligent programmierten und exzellent ausgeführten Konzert, das wirklich unerhörte Klangerlebnisse bescherte.          

Ulrike Längle