Zuhören, Verweilen und Mitgehen

Die Jazz-Saxophonistin Nicole Johänntgen gastiert in der Bregenzer Seekapelle.
Bregenz Wenn sie am 15. Jänner um 19 Uhr in der Seekapelle Bregenz ihr Saxofon erhebt, wird der Raum zum Resonanzkörper. Zeit, Bewegung und Stille geraten ins Fließen, abseits gängiger Konzertformate. Das 30-minütige Solo, das die mehrfach ausgezeichnete Saxofonistin selbst als „meditativ-ermunterndes-jazziges-Saxofon-Solo-Klangerlebnis“ beschreibt, ist keine klassische Konzertveranstaltung, sondern eine Einladung zum Zuhören, Verweilen und Mitgehen.
Ausgangspunkt ist ihr aktuelles Album „Solo III“, das im November 2025 erschienen ist und mit dem Johänntgen derzeit auf Europa-Tournee ist. In Bregenz wird das Programm jedoch einen besonderen Charakter erhalten. Die Seekapelle mit ihrer spezifischen Akustik ist aktiver Teil des musikalischen Geschehens. Johänntgen bewegt sich durch den Raum, arbeitet mit dem Nachhall, lässt Töne entstehen, versiegen und wiederkehren. Das Publikum sitzt nicht frontal gegenüber, sondern inmitten eines Klangfeldes, das Nähe und Sammlung ermöglichen soll. Der Eintritt erfolgt auf Kollekte, ein Teil der Einnahmen kommt dem Verein Sternenkind zugute. Dies verweist auf Johänntgens Selbstverständnis, Musik nicht als isoliertes Kunstprodukt, sondern als sozial eingebundene Praxis zu begreifen, zugänglich, teilbar und mit einem gemeinnützigen Impuls.
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Nicole Johänntgen, 1981 in Deutschland geboren, zählt seit Jahren zu den markanten Musikerinnen des europäischen Jazz. 1998 gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan Johänntgen sowie Christian Konrad und Elmar Federkeil die Band „Nicole Jo. needs 2B funky“, später „Nicole Jo“, mit der sie sechs Alben veröffentlichte und international tourte. Parallel dazu war sie in verschiedenen Formationen aktiv, unter anderem mit den „Sisters in Jazz“, dem „European Swinging Orchestra“ und dem Trio von Rémi Panossian sowie mit Lars Danielsson. Ihre Konzerttätigkeit führte sie nach Europa, in die USA, nach Indonesien, China und Neuseeland.
Als Solistin hat Johänntgen eine charakteristische Klangsprache entwickelt. Ihre Kompositionen sind von der Natur des Berner Oberlandes und des Glarnerlands inspiriert und greifen atmosphärische Elemente wie Vogelrufe, Wasserläufe und Windbewegungen auf. Techniken wie Zirkularatmung, Slap-Technik und Obertonspiel sowie der Einsatz ihrer Stimme erweitern das Spektrum ihres Alt- und Sopransaxofons. Ihre Musik bleibt dabei zugänglich, offen und durchlässig.
Die internationale Anerkennung, die Johänntgen erhält, spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen wider: Dazu gehören der Yamaha Sax Contest, der JTI Trier Jazz Award und der Kunstpreis des Saarlandes, den sie 2022 als erste Frau im Bereich Musik erhielt. Mit dem Projekt S.O.F.I.A. engagiert sie sich für die Förderung und Vernetzung von Musikerinnen. Zudem betreibt sie mit Selmabird Records ihr eigenes Label.