Single in Berlin

Kultur / 19.01.2026 • 09:52 Uhr
Anna Dushime, 1000 letzte Dates
Anna Dushime, 1000 letzte DatesClarissa Berner.

In „1000 letzte Dates“ erzählt Anna Dushime, wie es ist, als 36-Jährige zu daten.

Schwarzach Die Autorin Anna Dushime ist in Ruanda geboren und musste im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Schwestern vor dem dortigen Völkermord fliehen. Nach ihrer Schulzeit in Deutschland studierte sie internationales Marketing in den Niederlanden und Ungarn. Heute ist Dushime Journalistin, Podcasterin und Moderatorin. Dushime ist mitunter für ihre Kolumne „Bei aller Liebe“ über Dates und Rassismus bekannt. Ihre Show „Der letzte Drink mit Anna Dushime“ wurde 2024 mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Nun erschien ihr Debütroman „1000 letzte Dates“.  

In „1000 letzte Dates“ wird der Leser in Annas Liebesleben entführt. Schon als Kind hatte Anna eine genaue Vorstellung, wie sich ihr Liebesleben gestaltet: Mit 25 Jahren findet Anna ihren Traummann. Dieser stellt ihr 18 Monate nach ihrem Kennenlernen einen Heiratsantrag. Es findet eine große, festliche Hochzeit statt. Sie bekommen Kinder und gehen auf Reisen. Neben großartigen Unterhaltungen und Sex mit dem Ehemann, ist Anna außerdem eine richtige Karrierefrau und spendet 30 Prozent ihres Gehalts an gemeinnützige Organisationen. Mittlerweile ist Anna erwachsen und ihr Traum ist nicht in Erfüllung gegangen: Anna ist eine 36-jährige Schwarze Frau, hat ein Kind, wohnt zur Miete in Berlin und wagt sich in das Singleleben voller Dates, Romanzen und komischen Begegnungen.

In „1000 letzte Dates“ erzählt Anna von bereits vergangenen Beziehungen, aber auch aktuellen Dates. Teilweise sind ihre Geschichten zum Schreien komisch. Da wäre zum Beispiel Annas Arbeitskollege Max: Anna hat eine Romanze mit Max, doch sie beenden die Affäre. Daraufhin kündigt Max. Aus den Augen, aus dem Sinn, denkt Anna. Wäre da nicht Annas Chef, der meint, sie solle Max Aufgaben übernehmen. Eher unangenehm wird es, als Max sie in den neuen Job einlernen muss. Auf der Weihnachtsfeier kippt das Fass: Max kommt mit der Trennung nicht zurecht und schaut zu tief ins Glas. Weil alle Arbeitskollegen wissen, dass Max Gefühle für Anna hat und Anna nicht als Böse dastehen will, entscheidet sie sich dazu, Max nach Hause zu begleiten. Anna steigt mit Max in das Taxi ein, als Anna jedoch bemerkt, dass Max eingeschlafen ist, springt sie aus dem Taxi, lässt den schlafenden Max zurück und läuft wieder zur Weihnachtsfeier.

Dushime versucht in „1000 letzte Dates“ einen humorvollen Zugang zum Dating zu finden. Die Geschichten sind zum Teil auch lustig, allerdings ist die Fülle an Witzen so hoch, dass die Erzählweise künstlich wirkt. Auch der rote Faden fehlt. Leider ist das Buch nicht ganz stringent. Der Klappentext verspricht „1000 letzte Dates“, doch die Autorin verteilt zusehends mehr Tipps und Ratschläge: Sei es die perfekte Dating-Location, der ideale Tag für ein Treffen oder Jobs, die der zukünftige Partner (nicht) haben sollte – Dushime hat für alles einen Tipp. Für Frauen auf Partnersuche ist das bestimmt spannend, allerdings erwartet man sich als Leser doch eine etwas rundere Geschichte. 

Clarissa Berner