Drei Frauen, zwei Eheleute, ein Königspaar

Das Theater KOSMOS präsentiert in der Spielzeit 2026 ein breit gefächertes Programm.
bregenz Bei der Vorstellung des neuen Spielplans blickten die beiden künstlerischen Leiter des Kosmos Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig zunächst auf das Jahr 2025 zurück. „Rückblickend können wir mit großer Zufriedenheit auf ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr blicken. Über 10.000 Besucherinnen und Besucher durften wir begrüßen, mehr als 110 Veranstaltungen wurden mit einer Auslastung von 85 Prozent durchgeführt. Besonders erfreulich ist zudem, dass wir einen Eigenfinanzierungsanteil von knapp 30 Prozent erwirtschaften konnten – ein weiterer wichtiger Schritt, um die wirtschaftliche Basis dieses Hauses nachhaltig zu stärken. Angesichts dessen, dass 2026 unser letztes Jahr in programmverantwortlicher Funktion ist, war es uns ein zentrales Anliegen, das Theater nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell gut aufgestellt zu übergeben.“

Mit der Uraufführung von „Halten, bleiben, leben – Fragmente einer Liebe“ von Bernhard Studlar wird eine Spielzeit eröffnet, die sich thematisch mit Beziehungsdynamiken, Machtverhältnissen, emotionaler Abhängigkeit und gesellschaftlichen Umbrüchen auseinandersetzt. Studlars Text beschreibt eine Partnerschaft in dichter Form. Ein Satz kann Jahre überspringen, Erinnerungen überlagern die Gegenwart. Zeiten verschränken sich, Lebensphasen springen, Nähe und Distanz wechseln einander ab. Augustin Jagg bringt diesen assoziativen Text ab dem 19. Februar auf die Bühne.

Eine andere Form wählt Éric-Emmanuel Schmitt in „Kleine Eheverbrechen“: ein dialogisches Kammerspiel über Erinnerung, Projektion und Kontrolle. Gilles hat sein Gedächtnis verloren und Lisa erzählt ihm die Geschichte ihrer Ehe – zärtlich, ironisch und möglicherweise manipulativ. Wahrheit und Strategie verschwimmen. Das Stück lebt vom Wechsel der Perspektiven und stellt mit schwarzem Humor die Frage nach Identität und Einflussnahme in einer Paarbeziehung.
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Einen zeitgenössischeren und politisch deutlicheren Akzent setzt „Under the influence“ von Natalie Baudy, das mit dem Dramatiker*innenpreis der Österreichischen Theaterallianz 2025 ausgezeichnet wurde und eine Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen ist. Drei Frauen unterschiedlicher Generationen sind in einer Wohnung im siebten Stock eingeschlossen, begleitet von mythologischen Anspielungen und einer erschöpften Göttin Dionysa. Alkohol, familiäre Muster und die Suche nach Rausch verdichten sich darin zu einem Theatertext über patriarchale Strukturen und den Versuch, deren Auswirkungen zu überwinden.
Mit John von Düffels Bearbeitung von „Macbeth“ steht ein Klassiker auf dem Spielplan, allerdings in reduzierter Form. Konzentriert auf Macbeth und Lady Macbeth wird Shakespeares Tragödie zu einem Kammerspiel über Macht und Wahrnehmung sowie die Folgen einer gemeinsamen Tat. Regisseur Markus Keller bringt diese Fassung in Kooperation mit dem Theater an der Effingerstraße in Bern auf die Bühne.

Ein zentrales Format bleibt das KOSMODROM, die Plattform für junge Theatermacherinnen und Theatermacher. Mit „Männer spielen“ von Anton Fischer erlebt das Publikum hier eine Uraufführung, die sich mit Männlichkeitsbildern, Aggression und der oft absurden Komik von Dominanzverhalten auseinandersetzt. Die Leiterin des KOSMODROMS, Michaela Vogel, wird Regie führen. Auch für Kinder und Familien behauptet das Theater KOSMOS seinen Platz als Ort des Spiels und der Fantasie. Mit „Die Waldmeister“ führt KOSMOLINO seine erfolgreiche Reihe für junges Publikum fort: ein interaktives Theaterstück über Freundschaft, Natur und die Lust am Erfinden.

Musikalisch erweitert das Theater seine Programmlinien: In der Osterkonzertreihe „Liebespaare in Mythos und Musik“ verbindet die Camerata Musica Reno sinfonische Werke des 19. Jahrhunderts mit literarischen Texten von Michael Köhlmeier. Im Sommer folgt eine halbszenische Produktion von Mozarts „Così fan tutte“, gespielt von Sängerinnen und Sängern des Opernstudios der Wiener Staatsoper. Das Musikprogramm wird durch Jazz im Foyer, Lesungen, Diskursformate sowie das soziale Engagement im Rahmen von „Hunger auf Kunst und Kultur“ ergänzt.
Zum Abschluss formulieren die beiden Kosmos-Leiter das Motto der Saison: Theater sei kein Rückzugsort, sondern ein öffentlicher Raum für Diskussion, Widerspruch und Verantwortung. Mit dem Leitspruch „sapere aude“ laden sie ein, diesen Mut zum Denken zu teilen.