Morgen geht die Bombe hoch

Kultur / 27.01.2026 • 16:50 Uhr
Morgen geht die Bombe hoch
Eine lebende Legende: Das Bo.Roman Dachsel

Das Bo macht einen auf “Tourlich Tourlich” und beehrt dabei den Spielboden.

Dornbirn Nicht nur der Blick in den Spiegel, auch der in den Plattenschrank verrät, wie schnell 30 Jahre vergehen können. Die Doppelscheibe “Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander” von Der Tobi & Das Bo, erschienen im Mai 1994 bei Yo Mama’s Recording, ist der auf Vinyl gepresste Beweis dafür. Chronologisch sortiert steht dann links davon “Die 4. Dimension” von den Fantas und rechts das Debüt von Kinderzimmer Productions. So sah damals und sieht auch noch heute eine gut sortierte Sammlung aus.

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Musikhistorisch steckte Deutschrap damals noch in den Kinderschuhen. Es war viel von “Realness” die Rede, von Gangsta- und Battlerap sprach noch niemand. Eher stand die Frage im Vordergrund, ob man überhaupt auf Deutsch rappen darf. In dieser Gemengelage entwickelte sich in Hamburg eine eigene Szene, die auf cleveren Wortwitz und Ironie setze – und Das Bo war ein zentraler Bestandteil davon. Nicht nur als Duo mit Tobi Tobsen, bis zur Jahrtausendwende auch als Mitglied von Fünf Sterne Deluxe und Gastrapper auf wegweisenden Alben von Fettes Brot, Absolute Beginner oder Eins Zwo. Bei diesen Namen rinnt dem Freund guter Musik doch gleich das Wasser im Mund zusammen und man ist sogleich geneigt, sich verwackelte Videoaufnahmen vom Splash!-Festival 1999 auf VHS anzusehen.

Nostalgie ist keine Lösung

Nun schreiben wir aber das Jahr 2026 und Das Bo bestreitet seine erste Solotour – und das ist gut so. Denn auch wenn sich das Genre weiterentwickelt und in diesem Prozess massiv verändert hat – Hip Hop ist zum Mainstream geworden – kann es nie schaden, einen Blick auf das zu werfen, was als Urknall für die gegenwärtige Situation angesehen werden darf. Dabei geht es erst untergeordnet darum, wie zeitgemäß es ist, Otis Redding zu samplen, sondern zuvorderst um die Liebe zur Sprache. Was das anbelangt, müsste Bo eigentlich vor Liebe platzen. Auch nach drei Dekaden haben sich unzählige seiner Reime so ins Hirn der damaligen Hörerschaft gebrannt, dass es nur einen minimalen Trigger braucht, um komplette Texte wieder parat zu haben. Das mag nicht jedem Besucher eines Karaoke-Abends Freude bereiten, doch was sein muss, muss schließlich sein.

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Das impliziert allerdings nicht, dass Das Bo seit 25 Jahren auf der faulen Haut liegt. Egal, ob als Schauspieler, Medienpersönlichkeit oder immer noch gern gesehener Gast am Mikrofon (u. a. bei Deichkind) – Das Bo steht weiterhin für hohes Niveau, sowohl was Sprache als auch Engagement anbelangt. Es macht daher mehr als Sinn, dass sich jemand wie er im Rahmen der Kampagne „iCHANCE“, die vom deutschen Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung durchgeführt wird, für das Lesen- und Schreibenlernen einsetzt.

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Viele kennen Das Bo auch nur von einer Nummer. Im Jahr 2000 erreichte er mit Türlich, türlich (sicher, Dicker) Platz fünf in den deutschen Charts. Als Vorbereitung auf das Konzert in Dornbirn und gleichsam als Untermauerung aller hier aufgestellten Thesen sei dem geneigten Leser und Hörer allerdings das Stück “Is mir Egal” von Der Tobi & Das Bo in der Adolf Noise Meditation empfohlen. Und am morgigen Donnerstag, 29. Jänner, gilt im Spielboden ab 20.30 Uhr die immer angebrachte Parole: Werft eure Hände in die Luft und fangt sie wieder auf!

Das Konzert findet am 29. Jänner um 20.30 im Spielboden statt. Infos und Karten unter www.spielboden.at

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