Wie Kunst Wahrnehmung formt

Neue Gruppenausstellung „Point of Perception“ im curious – creative space Lech.
lech Seit Donnerstag präsentiert sich curious mit seiner neuen Gruppenausstellung bereits zum zweiten Mal als Ort für zeitgenössische Kunst und Design. Unter dem Titel „Point of Perception“ werden fünf künstlerische Positionen aus der Schweiz, Deutschland, Korea und den Niederlanden präsentiert. Im Zentrum steht die Frage, wie Sehen entsteht, wie es sich verändert und wie Kunst diesen Prozess erfahrbar machen kann.

Dabei geht es nicht um erzählerische Inhalte, sondern um das Sehen selbst, das hier als zeitlicher, körperlicher und situativer Vorgang verstanden wird. Die Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur, Licht und Raum und verzichten bewusst auf narrative Zuschreibungen. Stattdessen lenken sie den Blick auf jene Momente, in denen Farbe, Material und Licht ihre Wirkung erst im Akt der Betrachtung entfalten. Das Sichtbare erscheint als etwas Wandelbares, das sich je nach Standpunkt, Bewegung und Distanz immer wieder neu formiert.
Mit Heinrich Bobst, Christian Herdeg, Sun Rae Kim, Dirk Salz und Martha Scheeren treten fünf künstlerische Haltungen in einen präzisen, zurückhaltenden Austausch. Ihnen allen ist das Interesse an einer Kunst gemein, die Aufmerksamkeit verlangt und eine bewusste Verlangsamung ermöglicht. Viele Arbeiten verändern ihre Erscheinung mit dem Blickwinkel oder der Annäherung und machen deutlich, dass Sehen kein passiver Vorgang ist, sondern eine aktive Beziehung zwischen Werk, Raum und Betrachter. „Point of Perception fordert kein Lesen, sondern ein Sich-Einlassen; kein Verstehen im narrativen Sinn, sondern ein aufmerksames Wahrnehmen“, formuliert Kuratorin Helena Ponier den Anspruch der Ausstellung.

Heinrich Bobst, 1946 in der Schweiz geboren, arbeitet an der Schnittstelle von Skulptur und Raum. Seine klar konstruierten Arbeiten aus industriellen Materialien wie Metallprofilen und Acrylglas reagieren sensibel auf Licht und Standpunkt. Er begreift Skulptur als räumliche Situation, deren Erscheinung sich im Zusammenspiel von Bewegung und Wahrnehmung stetig verändert.
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Christian Herdeg, Jahrgang 1942, zählt zu den Pionieren der Lichtkunst in Mitteleuropa. Seit den späten 1960er Jahren erforscht er mit Neon- und Argonlicht die Eigenständigkeit von Licht und dessen Wirkung im Verhältnis zu Farbe und Raum. Seine Arbeiten thematisieren Licht nicht als Mittel, sondern als eigenständiges künstlerisches Material.

Sun Rae Kim, 1966 in Korea geboren, lebt heute in Hannover und formt aus alltäglichen Materialien wie PVC, Gummi, Holz oder Stoff körperhafte Objekte. Ihre organischen Formen erinnern an Pflanzen oder imaginäre Lebensformen und stellen eine unmittelbare, spielerische Beziehung zur Natur her. Dirk Salz (* 1962) bewegt sich mit seinen präzise aufgebauten Farbraumkonstruktionen zwischen Malerei und Skulptur. Erst in der Nähe erschließt sich die komplexe Schichtung seiner scheinbar homogenen Oberflächen, die Farbe als räumliches Phänomen erfahrbar machen. Martha Scheeren, 1958 in den Niederlanden geboren, widmet sich in ihrer Malerei der konzentrierten Untersuchung von Farbe und Struktur. Ihre Arbeiten leben von Reduktion und formaler Klarheit und entfalten eine stille Präsenz, die sich aus der Spannung zwischen Fläche, Materialität und Licht speist.
Die Ausstellung ist bis 22. Februar zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 19 Uhr.