Bregenz wälzt Pläne für europäische Kulturhauptstadt

Stadtratssitzung von Lindau und Bregenz soll Interessensbekundung auf den Weg bringen.
Lindau Der Lindauer Stadtrat und die Bregenzer Stadtvertretung kommen am Donnerstag, dem 5. Februar, um 18 Uhr zu einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung in der Lindauer Inselhalle zusammen. Es ist bereits die dritte Sitzung dieser Art und ein weiteres sichtbares Zeichen der engen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit beider Städte. Zentraler Punkt der Tagesordnung ist die Beratung und Beschlussfassung über eine gemeinsame Interessenbekundung für eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt. Mit diesem Schritt knüpfen Lindau und Bregenz an ihre gemeinsame Auszeichnung mit dem Europäischen Kulturpreis im Jahr 2021 an und wollen den eingeschlagenen Weg einer vertieften kulturellen Kooperation konsequent weiterverfolgen. Oberbürgermeisterin Claudia Alfons sieht in der gemeinsamen Interessenbekundung einen folgerichtigen nächsten Schritt. Sie betont, dass Lindau und Bregenz damit den europäischen Kulturgedanken über nationale Grenzen hinweg weiterentwickeln und dauerhaft stärken wollen. Die beiden Städte zeigen, wie Europa im Alltag funktionieren kann: partnerschaftlich und mit dem klaren Ziel, gemeinsam mehr zu erreichen.

Auch der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit. Die grenzüberschreitende Kooperation sei ein starkes Zeichen für ein geeintes, proeuropäisches Miteinander. Die gemeinsame Interessenbekundung verdeutliche das große Potenzial dieser Partnerschaft, die durch fachlichen Austausch und eine verlässliche Zusammenarbeit getragen wird. Er zeigt sich überzeugt, dass Lindau und Bregenz gemeinsam zukunftsorientierte Impulse setzen und nachhaltige Mehrwerte für ihre Städte sowie für die gesamte Bodenseeregion schaffen können.
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Bereits vor rund zehn Jahren wurde in Bregenz über eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt nachgedacht, damals in einem Verbund mit Dornbirn. Im Zuge der Vorbereitungen für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2024” entschied sich Bregenz jedoch, von einer gemeinsamen Bewerbung Abstand zu nehmen und zum Jahresende aus dem Bewerbungsprozess auszusteigen. Der damalige Bürgermeister Linhart begründete diese Entscheidung damit, dass der konkrete kulturelle, wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Nutzen einer Bewerbung nicht ausreichend erkennbar gewesen sei. Eine Bewerbung müsse mehr leisten als nur Aufmerksamkeit zu erzeugen. Bregenz sei nach seinem Verständnis bereits eine etablierte Kulturstadt. Dafür stünden unter anderem die Bregenzer Festspiele, das Kunsthaus Bregenz und der Bregenzer Frühling, ergänzt durch zahlreiche weitere kulturelle Akzente. Die Region „Dornbirn plus“ wurde schließlich nicht Kulturhauptstadt Europas 2024. Die internationale Jury hatte sich für das Salzkammergut mit Bad Ischl an der Spitze entschieden.

Vor diesem Hintergrund erhält die nun geplante gemeinsame Interessenbekundung mit Lindau eine neue Ausgangslage. Beide Städte arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen, um kulturelle Teilhabe zu stärken, Identität zu stiften und Kultur als festen Bestandteil von Bildung für alle Generationen weiter auszubauen. Im Mittelpunkt steht dabei der Regionsgedanke über Länder- und Verwaltungsgrenzen hinweg, getragen von verlässlichen Partnerschaften. Auf diese Weise schärfen Lindau und Bregenz ihr jeweiliges Profil und erhöhen zugleich die Strahlkraft ihrer Stadtmarken. Das Förderprogramm der Europäischen Kulturhauptstadt richtet sich bewusst nicht nur an Metropolen, sondern auch an kleinere Städte und Regionen. Aktuelle Beispiele sind Bad Ischl und Bodø, die Europäische Kulturhauptstädte waren, und die mit rund 14.000 bzw. 40.000 Einwohnern vergleichbare Größen aufweisen. Die Initiative ist auf eine langfristige Stadtentwicklung ausgerichtet und zielt auf einen nachhaltigen Mehrwert für die gesamte Region ab. Eine Bewerbung von Lindau und Bregenz wird voraussichtlich ab Mitte der 2030er Jahre angestrebt.