Den Wert neu vermessen

Kultur / 15.02.2026 • 10:13 Uhr
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Die Ausstellung „What is wealth?“ lotet zwischen Tauschkäfig, Waste Room und Zeichnung die Grundlagen unseres Wirtschaftens aus.Sandra Maier

Relax befragt im Kunstmuseum Liechtenstein unsere Vorstellungen von Reichtum und gesellschaftlichem Wert.

Vaduz Mit der Ausstellung „What is wealth?“ eröffnet das Kunstmuseum Liechtenstein sein Programmjahr 2026 – und stellt gleich zu Beginn eine Frage, die ebenso einfach klingt wie weitreichend ist. Das Künstlerkollektiv Relax, gegründet von Marie-Antoinette Chiarenza, geboren 1957 in Tunis, und Daniel Hauser, geboren 1959 in Bern, arbeitet seit 1983 zusammen, seit 1997 unter dem programmatischen Namen „Relax“. Dieser Name ist weniger Aufforderung als Haltung: ein bewusstes Innehalten in einer Gegenwart, die von Beschleunigung, Erwartungsdruck und permanenter Spannung geprägt ist, ein Aussetzen des Tempos zugunsten der Reflexion über grundlegende Zusammenhänge.

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Eine Ausstellung über Arbeit, Effizienzdenken und die Suche nach einem anderen Verständnis von Wohlstand.Sandra Maier

Relax entwickelt seine Arbeiten meist orts- und situationsspezifisch und bezieht den jeweiligen Ausstellungsraum ebenso ein wie die sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen, in die er eingebettet ist. Ihre multimedialen Werke befragen gesellschaftliche Wertmaßstäbe ebenso wie die Mechanismen des Kunstbetriebs selbst: Wie entstehen Kanons? Wer definiert Bedeutung? Welche Entscheidungen und Ausschlüsse sind in Strukturen eingeschrieben, die oft als selbstverständlich gelten?

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Sandra Maier

Immer wieder kreisen ihre vielgestaltigen Arbeiten um Fragen von Arbeit, Wertschöpfung und solidarischer Ökonomie, um Modelle des Miteinanders innerhalb und außerhalb der Kunst. Mit feinem Humor und analytischer Präzision eröffnen Relax Perspektiven, die nicht belehren, sondern Denkbewegungen in Gang setzen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Rauminstallation „What is wealth?“ aus den Jahren 2010 bis 2017, die sich in der Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein befindet.

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Sandra Maier

Sie entfaltet ein gedankliches Feld rund um Wert, Besitz, Verantwortung, Erinnerung und Glück. In unterschiedlichen Zonen – einem Tauschkäfig, einem Waste Room und einem drehbaren Glücksrad – laden Objekte dazu ein, Bedeutungen neu zu gewichten und Wertvorstellungen zu hinterfragen, spielerisch und doch ernsthaft, ohne vorgefertigte Antworten. Ergänzt wird die Installation durch ausgewählte Werke aus der Sammlung, die von Relax in einen neuen Zusammenhang gestellt werden.

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Sandra Maier

Bereits 2017 mit „Who pays?“ und 2021 mit „What do we want to keep?“ waren Arbeiten des Duos titelgebend für Ausstellungen des Museums. Offene Fragen bilden dabei das zentrale Moment, denn gemeinsames Denken ist für Relax eine Form der Verantwortung – „Allein denken ist kriminell“, wie eine ihrer Arbeiten pointiert formuliert. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern und verbindet Sammlungsbestände mit eigens realisierten Werken. Bestehende Arbeiten wurden aktualisiert, darunter die Soundinstallation „es wird wieder laut, it’s getting loud again“ von 1995, nun in einer Fassung von 2025, ergänzt durch neue Papierarbeiten, skulpturale Setzungen und situative Installationen.

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Bemerkenswert ist der bewusste Rückgriff auf die Handzeichnung mit Farbstift in einer Zeit digitaler Bilderflut. „Jede Zeichnung ist eine Suche nach Farbe und einer Schrift, die sichtbar sein kann und doch schwer zu erkennen ist, als würde ein Flüstern im Kopf Spuren auf dem Papier hinterlassen“, so die Künstler. Die elf Blätter der fortlaufenden Serie „phrases multiples“ verdichten das eigene Werk zu einem offenen Reservoir von Gedanken. In „Resources, Human“ setzen sich RELAX zeichnerisch mit Begriffen wie Total Quality Management oder New Public Management auseinander und spiegeln eine Welt, in der der Mensch vor allem als Ressource erscheint. In „access, control“ durchbrechen farbige Kabelrohre die weiße Wandfläche und verweisen auf verborgene Infrastrukturen – auf jene Netze aus Kupfer und Glasfaser, die unsere Gegenwart durchziehen und strukturieren.