Ehren wir neue Hexen

Kultur / 20.02.2026 • 12:46 Uhr
Ehren wir neue Hexen

VN-Kommentar von Walter Fink.

Auf der Riegersburg in der Steiermark wurde im Jahre 1987 die Landesausstellung „Hexen und Zauberer“ veranstaltet. Mit 360.000 Besuchern war es eine der erfolgreichsten Landesausstellungen der Steiermark – wobei es vor allem um die historische Aufarbeitung der Hexenverfolgungen und ihrer Ursachen ging. Das Thema wurde auch von einer Musikgruppe, der Band „Ecco“, aufgegriffen. Der Erfolg stellte sich sehr schnell ein und “Hexen” wurde souverän die Nummer 1 der österreichischen Hitparade. Dadurch kam es zu einer interessanten Gegenbewegung, denn durch den Hit war die Landesausstellung bekannt geworden und umgekehrt war die Landesausstellung erst die Initialzündung, ohne die Ecco den Erfolg nicht hätte haben können. Der Refrain ist interessant: „Hexen haben Hexenbesen / Hexen treiben Hexerei / Hexen hexen bis zum Morgen / Wenn die Sonne kommt ist der Hexenspuk vorbei.“ Auch sonst gibt es ziemlich viele Textstellen, die eher an die Hexenvorstellung bei den Gebrüdern Grimm erinnern als an zeitgemäße Auseinandersetzung. Es ist nicht so, dass es bei der Riegersburg keine Proteste geben ihre Hexenbilder gegeben hätte, aber sie blieben doch in der Minderheit. Aus der damaligen Ausstellung ist inzwischen ein dauerhaftes Hexenmuseum entstanden, das allerdings allen historischen Anforderungen genügt.
Der Begriff der Hexe ist auch heute nicht verschwunden, im Gegenteil verwendet ihn seit dem ausgehenden letzten Jahrhundert die „neue Frauenbewegung mit bewusstem Bezug auf Hexen als Symbole für Unterdrückung und Widerstand von Frauen“ (Der große Brockhaus). Auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz findet man den Bedeutungswandel: „Während das Bild früher mit Angst und Aberglaube verbunden war, nutzen moderne Hexen den Begriff, um Weiblichkeit, Selbstbestimmung und Verbindung zur Natur zu betonen.“ Damit sind wir bei der Diskussion, ob auf unseren Funken im Land am Endpunkt des Feuers Hexen verbrannt werden dürfen. Diese Hexen, so sagen manche Vertreter der Funkenbauer, hätten nichts mit dem alten Begriff der Hexe zu tun, sie stehe vielmehr für den Winter, der ausgetrieben werden solle. Allerdings ist das nirgends festzumachen, auch nicht in der einschlägigen Literatur. Da liest man nur, dass die Hexen auf dem Funken erst vor etwa hundert Jahren „eingeführt“ wurden. Das Vertreiben des Winters erfolgt ausschließlich durch das Symbol des Feuers, eben die „Winterverbrennung“. In Wikipedia kann man dazu lesen: „Der Sinn der Winterverbrennung liegt auf der Hand, sie soll den Winter endgültig vertreiben und zu einem schönen, langen Sommer führen.“ Übrigens findet man da auch eine Bemerkung, die für unsere „Funkenhexen“ interessant ist: „Der wesentlichste Teil ist das Verbrennen eines ‚Mannes‘ aus Stroh als Symbol des Winters.“ Eines Mannes, keiner Hexe! Also: Hört endlich auf, Funkenhexen zu verbrennen. Wer auch nur ein wenig darüber nachdenkt, dem ist solches Tun unerträglich. Ehren wir lieber die neuen Hexen, die es zweifelsfrei gibt. Zu unser aller Nutzen!