Der Ring der Zerbrechlichkeit

„Perfect Match” verbindet Performance und Dialog zu einer Initiative gegen häusliche Gewalt.
Bregenz Im vorarlberg museum entsteht im März ein Raum, der Schutz verspricht und zugleich Unsicherheit ausstellt. “Perfect Match” heißt die Performance-Reihe, die sich einem Thema widmet, das oft im Verborgenen bleibt: häuslicher Gewalt, genauer dem brüchigen Gleichgewicht zwischen vermeintlicher Sicherheit und plötzlicher Instabilität. Die Uraufführung am Freitag, 6. März, um 19 Uhr markiert den Auftakt eines Projekts, das Tanz, Livemusik und Rauminstallation miteinander verbindet und dabei eine beklemmende Dynamik sichtbar macht: Wie schnell Beziehungen kippen können. Wie vertraute Räume ins Wanken geraten. Wie schwer es ist, eine zerstörerische Nähe zu verlassen.

Silvia Salzmann: „Ziel ist es, die Spannung in der Luft, die sowohl mich selbst als auch mein Gegenüber bewegt, zu erfassen. Dabei geht es nicht darum, in ‚Schwarz-Weiß‘ zu denken, sondern um die feinen Nuancen, die zwischen jedem von uns liegen und darüber entscheiden, ob wir uns gegenseitig respektvoll begegnen oder nicht. Diese Gratwanderung bringt mich – und hoffentlich auch die Zuschauerinnen und Zuschauer – in einen Gänsehautmoment, der jedem Krimi standhält. Denn genau das wollen wir: fühlen, spüren, leben, austauschen und begegnen. Und dafür ist hier Raum.“

Im Zentrum steht ein instabiler, unfairer Boxring. Kein Ort des sportlichen Wettkampfs, sondern ein Bild für das Ungleichgewicht. Möbel rutschen, wanken, kippen. Balance geht verloren. Was eben noch Halt versprach, wird zur Gefahr. Tanz und Musik begegnen einander mit körperlicher Intensität, reagieren aufeinander, treiben sich an. Perkussion von Amir Wahba und Cello sowie Gesang von Carles Muñoz Camarero verdichten die Atmosphäre, während sich die Choreografie von Silvia Salzmann und Sebastien Kapps in diesen fragilen Raum einschreibt. “Bühne und Licht – gestaltet von Roland Adlassnigg und Matthias Zuggal – formen ein Setting, das den Zerfall einer Beziehung nicht erzählt, sondern erfahrbar macht.

“Perfect Match” bleibt jedoch nicht bei der künstlerischen Darstellung stehen. Im Anschluss an die Premiere eröffnet „Klartext im Ring“ ein Gespräch zwischen Künstlerinnen, Künstlern und Expertinnen, Experten. Der Austausch lädt dazu ein, Fragen zu stellen, Perspektiven zu erweitern und die unterschiedlichen Facetten häuslicher Gewalt offen zu diskutieren. Aus diesem Dialog entwickelt sich eine eigene Gesprächsreihe, die über den Theaterraum hinauswirkt. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wird „Klartext im Ring” auch als Live-Übertragung zugänglich gemacht.

Den Abschluss bildet ein künstlerisches Video von Sarah Mistura, das die gewonnenen Erkenntnisse dokumentiert und weiterträgt. Damit versteht sich “Perfect Match” mehr als eine Aufführung: als Teil einer künstlerisch-sozialen Initiative, die in Bregenz ihren Anfang nimmt und Kunst als Brücke für gesellschaftliche Reflexion begreift.

Von 6. bis 29. März ist „Der Ring”, die Rauminstallation von Roland Adlassnigg, im vorarlberg museum zu sehen. Die Premiere von “Perfect Match” findet am 6. März von 19 bis 20.15 Uhr statt. Ein Projekt von Silvia Salzmann in Kooperation mit dem ifs-Gewaltpräventionsprojekt StoP und einem interdisziplinären Team, das Tanz als Sprache versteht – eine Sprache, die hinschaut, bewegt und Veränderung möglich macht.