Venezianischer Glanz und habsburgische Pracht

Das Erbe Gabrielis: Concerto Stella Matutina lädt zur klangvollen Spurensuche
Götzis Wenn das Concerto Stella Matutina (CSM) die Kulturbühne Ambach in Götzis bespielt, ist Außergewöhnliches zu erwarten. Am 17. und 18. April 2026 setzt das renommierte Vorarlberger Barockorchester seine Abo-Saison mit einem der ambitioniertesten Programme des Jahres fort: „Das Erbe Gabrielis” entfaltet eine musikalische Reise von den Klangarchitekturen des Markusdoms in Venedig bis an die Höfe der Habsburger und macht dabei hörbar, wie ein einzelner Komponist eine ganze Epoche in Bewegung setzte. Giovanni Gabrieli wirkte an der Schwelle von der Renaissance zum Barock und prägte diesen Übergang wie kaum ein anderer. An der berühmten Basilika San Marco in Venedig entwickelte er eine völlig neue Klangsprache: Durch Mehrchörigkeit und den gezielten Einsatz von Instrumenten schuf er räumliche Klangerlebnisse, die ihr Publikum nicht nur berührten, sondern regelrecht umhüllten. Seine Musik war ein kühnes Experiment und zugleich der Startschuss für eine stilistische Bewegung, die sich rasch über ganz Europa ausbreitete.
Schüler und Nachfolger
Genau diese Ausbreitung macht das Programm des CSM erlebbar. Gabrielis Schüler und Nachfolger trugen seine Ideen über die Alpen und entfalteten sie an neuen Wirkungsstätten weiter. Giovanni Valentini etwa gelangte bis an den Wiener Kaiserhof, während Komponisten wie Stefano Bernardi, Antonio Bertali oder Pavel Josef Vejvanovský für die Verwurzelung des venezianischen Stils im österreichisch-süddeutschen Raum stehen. Auch Claudio Monteverdi, bedeutendster Zeitgenosse Gabrielis, ist mit einer festlichen Toccata vertreten, ein leuchtender Mosaikstein in einem facettenreichen Panorama. Charakteristisch für den Abend ist die außergewöhnliche Besetzung: Zinken, Barocktrompeten, Posaunen, Streicher und Continuo ergeben gemeinsam einen Klangkörper von seltener Farbigkeit. Die Instrumente treten in einen lebendigen Dialog ganz im Geist des „concertare”, jenes Wetteiferns und Zusammenwirkens, das zum Herzstück barocker Musik wurde.
Frithjof Smith
Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Frithjof Smith, einem der international führenden Spezialisten für Früh- und Hochbarock. Der bekannte Zinkenist konzertiert seit Jahrzehnten mit bedeutenden Ensembles der Alten Musik und lehrt als Professor an der Schola Cantorum Basiliensis, jener Basler Hochschule, die weltweit als Zentrum historischer Aufführungspraxis gilt. Smith ist an diesem Abend nicht nur Dirigent, sondern tritt auch solistisch am Zink in Erscheinung und macht so die besondere Klangwelt dieser Zeit unmittelbar spürbar. Für das Concerto Stella Matutina ist das Programm mehr als ein Blick zurück: „Gabrielis Ideen haben Musikgeschichte geschrieben. Wir zeigen, wie lebendig und wirkungsmächtig dieses Erbe bis heute ist“, so die programmatische Ausrichtung des Ensembles.
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Als Gastspiel folgt am Sonntag, 19. April um 18 Uhr eine Aufführung in der Evangelischen Kirche Altstätten (Schweiz).