Mehr Hölle als Opernhimmel

Das Musiktheater an der Wien präsentierte drastisch reduziertes Programm für die Saison 26/27.
Wien Das Musiktheater an der Wien startet unter schwierigen Vorzeichen in die Saison 2026/27, die deutlich von finanziellen Einschränkungen geprägt ist. Intendant Stefan Herheim sprach bei der Präsentation ungewöhnlich offen über die Folgen der Budgetkürzungen von fünf Millionen Euro für die Vereinigten Bühnen Wien. Die Zahl der Premieren wird drastisch reduziert, von einst dreizehn auf nunmehr acht Produktionen, wobei zwei kleinere Kinderformate bereits eingerechnet sind. De facto bedeutet das eine Halbierung der großen Premieren und eine merkliche Verschlankung des künstlerischen Angebots, die Herheim selbst als schmerzhaften Konsolidierungsschritt bezeichnet.
Auch strukturell hinterlässt der Sparkurs deutliche Spuren. Die Kammeroper wird vorerst nicht mehr bespielt, das Nachwuchsprogramm Campus eingestellt, auch wenn die Leitung betont, auf eine Wiederaufnahme in besseren Zeiten zu hoffen. Trotz einer Auslastung von knapp neunzig Prozent steht der Betrieb damit unter spürbarem Druck.
Künstlerisch beginnt die Saison mit Francesco Cavallis Barockoper „La Calisto“, inszeniert von Herheim selbst und musikalisch geleitet von Christina Pluhar. Es folgt Wagners „Der fliegende Holländer“ in einer Übernahme aus Berlin, mit Jordan Shanahan und Ambur Braid in zentralen Partien. Für ein jüngeres Publikum wird „Der kleine Prinz“ neu auf die Bühne gebracht, ergänzt durch zwei kleinere Produktionen in der Spielstätte Hölle.
Im Januar setzt Rimski Korsakows „Der goldene Hahn“ einen markanten Akzent, mit Günther Groissböck in der Rolle des Königs. Im Beethovenjahr 2027 widmet sich Herheim der Urfassung von „Fidelio“, die unter dem Titel „Leonore“ gezeigt wird. Den Abschluss der Premierenserie bildet Händels „Rinaldo“ in der Regie von Nadja Loschky.
Die Saison endet vergleichsweise früh, da das Haus erneut als Spielstätte der Wiener Festwochen fungieren wird. Als Reaktion auf die eingeschränkten Mittel wird die konzertante Schiene deutlich ausgebaut, mit insgesamt elf Abenden. Ergänzt wird das Programm durch Vermittlungsangebote wie Workshops, Opernquiz und Yogakonzerte. Insgesamt entsteht das Bild einer Spielzeit, die weniger durch künstlerische Expansion als durch kluge Reduktion und strukturelle Anpassung geprägt ist.