Vierhändig zu Schuberts innerer Größe

Kultur / 03.05.2026 • 11:07 Uhr
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Yaara Tal und Andreas Groethuysen steigerten sich bei der Schubertiade zu einem eindrucksvollen Finale.Schubertiade Hohenems

Das Klavierduo Tal/Groethuysen führte bei der Schubertiade von verhaltenem Beginn zu einem starken Schluss.

Hohenems Schon der erste Eindruck dieses Klavierabends bei der Schubertiade ließ erkennen, mit welcher Sorgfalt und inneren Verbundenheit sich Yaara Tal und Andreas Groethuysen Franz Schuberts Musik nähern. Zwar wirkten die beiden Pianisten im einleitenden Rondo D-Dur D 608 zunächst noch etwas verhalten, beinahe tastend, als wollten sie die Stimmung des Abends erst behutsam ausloten, doch gerade aus dieser anfänglichen Zurückhaltung entwickelte sich im Lauf des Konzerts eine immer stärkere innere Spannung, die den Abend von Werk zu Werk wachsen ließ.

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Das renommierte Klavierduo überzeugte bei der Schubertiade mit Feinsinn und Noblesse.Schubertiade Hohenems


In der Sonate B-Dur D 617 fanden Tal und Groethuysen dann bereits zu jener Geschlossenheit, für die ihr Zusammenspiel seit Jahren gerühmt wird. Das Allegro moderato gewann an Kontur und Klarheit, ohne je ins Grobe oder bloß Demonstrative zu kippen, während das Andante con moto mit seinem feinen Atem, seiner unaufdringlichen Kantabilität und seiner klug ausgehörten Balance besonders schön gelang. Im Allegretto zeigte sich dann schon deutlicher, wie sehr sich das Duo im Verlauf des Abends freispielte und zu einer immer größeren Selbstverständlichkeit fand.

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Schubertiade Hohenems

Mit den Drei Militärmärschen D 733 kam zusätzliche Farbe ins Programm. Was hier leicht nur äußerer Effekt sein könnte, erhielt unter den Händen dieser beiden Künstler Witz, Eleganz und genau dosierten Nachdruck. Rhythmische Prägnanz verband sich mit jener kultivierten Anschlagskultur, die selbst in den markanteren Passagen nie den Ton verhärtete. Gerade in dieser Mischung aus Spielfreude, Noblesse und kluger Zurückhaltung lag ein besonderer Reiz.
Sehr schön gelang auch das Andantino varié aus dem Divertissement sur des motifs originaux français D 823, das Tal und Groethuysen mit Sinn für Zwischentöne, für feine Verzierungen und für jene leise schimmernde Melancholie gestalteten, die Schuberts Musik selbst in ihren lichteren Momenten oft durchzieht. Hier war das Duo endgültig ganz bei sich angekommen, und man hatte nun den Eindruck, dass sich der Abend nach und nach in jene große Form fügte, auf die alles zulief.

Schuberts Fantasie

Seinen Höhepunkt fand das Konzert schließlich in der Fantasie f-Moll D 940, einem der ergreifendsten Werke der Klavierliteratur zu vier Händen. Nun war von anfänglicher Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Tal und Groethuysen entfalteten die große Linie mit beeindruckender Geschlossenheit, mit klarem architektonischem Sinn und zugleich mit jener inneren Anteilnahme, die diese Musik über das bloß Schöne hinaushebt. Das Largo besaß Gewicht und Dunkel, ohne je schwer zu werden, das Allegro vivace mit Trio war von einer feinen Nervosität und Durchdringung getragen, und im Rückgriff auf das Anfangstempo schloss sich der Kreis dieses Werkes mit großer Eindringlichkeit. Hier hatte der Abend endgültig seine volle Intensität erreicht. So wurde aus einem Beginn, der noch von gewisser Vorsicht geprägt war, ein Konzert, das sich kontinuierlich steigerte und im letzten Werk seine ganze Klasse offenbarte. Gerade diese Entwicklung verlieh dem Abend zusätzliche Spannung, weil sich nicht bloß einzelne Stücke aneinanderreihten, sondern ein musikalischer Bogen entstand, der den Zuhörer immer tiefer in Schuberts Welt hineinzog.

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Yaara Tal und Andreas Groethuysen widmeten den Abend dem Geschäftsführer und künstlerischen Leiter der Schubertiade, Gerd Nachbauer, und bekannten sich zu der Überzeugung, Schubert selbst hätte sich ein Festival für seine Musik wohl kaum schöner vorstellen können. Wer sich davon selbst ein Bild machen möchte, hat dazu bereits in knapp vier Wochen wieder Gelegenheit: Am 29. Mai geht es in Hohenems mit dem Goldmund Quartett weiter.