„Adel verpflichtet“

Kultur / 17.05.2026 • 10:55 Uhr
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Mathias Moosbrugger, Tobias G. Natter, Walter Lingg, Bernadette Rüscher und Winfried Nußbaummüller.Barockbaumeister Museum Au

Das Barockbaumeister Museum Au erinnert an Franz Beer von Bleichten.

Au Zum 300. Todestag von Franz Beer von Bleichten stellt das Barockbaumeister Museum Au einen der bedeutendsten Baumeister des Bregenzerwaldes in den Mittelpunkt. Unter dem programmatischen Titel „Adel verpflichtet“ widmet sich ein vielfältiges Ausstellungs-, Vortrags- und Veranstaltungsprogramm von Mai bis Oktober dem Leben, Werk und Nachwirken jener historischen Figur, die aus der Auer Zunft hervorging, weit über die Region hinaus wirkte und schließlich von Kaiser Karl VI. in den Adelsstand erhoben wurde.


Im Zentrum steht die Sonderausstellung, die bis 31. Oktober im Barockbaumeister Museum Au zu sehen ist. Sie rückt Franz Beer von Bleichten als Baumeister, Unternehmer und gesellschaftlichen Aufsteiger in den Blick. Zu den wichtigsten Exponaten zählen der Adelsbrief Kaiser Karls VI., die Originalporträts von Franz Beer und seiner Tochter Anna Maria, der späteren Ehefrau des Barockbaumeisters Peter Thumb, sowie ein bislang wenig bekannter Altarschreindeckel. Auf diesem erscheint Beer als Baumeister des Klosters Weißenau inmitten eines farbenreichen Panoramas aus Personen, Zeichen und Symbolen. Die Ausstellung ermöglicht damit einen seltenen, unmittelbaren Blick auf Persönlichkeit, Rang und familiäre Verflechtungen eines prägenden Vertreters der Bregenzerwälder Barockbaukunst.

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Tobias G. Natter, Mathias Moosbrugger, Walter Lingg und Wilfried Erath. Barockbaumeister Museum Au

Begleitend erscheint eine wissenschaftlich aufbereitete Broschüre, die neue Erkenntnisse zur lokalen Barockforschung bündelt. Vertieft werden diese Fragen auch bei den Auer Barockgesprächen am 24. Juli in der Kirche Au-Rehmen. Unter dem Titel „Phantom oder Parvenue? Bregenzerwälder!“ beleuchten Fachleute Franz Beer von Bleichten aus unterschiedlichen Perspektiven. Mathias Moosbrugger von der Universität Innsbruck fragt nach dem Spannungsverhältnis zwischen Beers Karriere in Konstanz und seiner lebenslangen Bindung an den Bregenzerwald. Yvonne Northemann von der Universität Bochum widmet sich den Klosterkirchen im Dienst von Benediktinern, Zisterziensern und Prämonstratensern und verweist auf Beers unternehmerisches Geschick sowie seine Fähigkeit, Baukonzepte an lokale Bedingungen anzupassen. Philipp Zitzlsperger von der Universität Innsbruck analysiert die Standesporträts von Franz Beer und Anna Maria und zeigt daran den gesellschaftlichen Aufstieg der Familien Beer und Thumb.

Barockbauhandwerker

Am 10. Juli spricht Reiner Schuhenn im Auer Dorfsaal über „Klingende Barockräume“ und geht der Frage nach, welche Musik in den von Auer Barockbaumeistern geschaffenen Kirchen erklang. Am 7. August hält der Kunsthistoriker Jörg Paczkowski in der Kirche Au-Rehmen den Vortrag „In welchem Style wollt ihr bauen?“, begleitet von Orgelmusik aus dem 19. Jahrhundert mit Julia Rüf. Am 17. Oktober stellt Mathias Moosbrugger in der Werkstatt Stefan Muxel in Au-Rehmen sein Buch „Barockbauhandwerker in Bregenzerwälder Zunftbüchern“ vor.


Einen zeitgenössischen Akzent setzt Gottfried Bechtold. Der international bekannte Künstler steuert zur Sonderausstellung eine Edition und einen Text bei, in dem er barocke Denkmuster wie Universalität, Paradoxie und gedankliche Offenheit als Vorboten zeitgenössischer Kunst beschreibt. Seine eigens für das Museum geschaffene „colonna infinita“ wird am 22. Mai im Museumspark enthüllt. Anschließend finden ein Künstlergespräch und eine Signierstunde statt. Die signierte Edition aus Beton ist auf 300 Exemplare limitiert und im Museum erhältlich.


Auch das Erlebnisprogramm öffnet das Museum über die Ausstellung hinaus. Dorfabende mit der Bürgermusik Au und der Trachtengruppe Au-Schoppernau finden am 7. und 22. Juli sowie am 4. und 18. August im Museumspark statt. Im September und Oktober führen Kulturwanderungen unter dem Titel „Unterwegs in der Heimat der Auer Barockbaumeister“ zu Orten, an denen die Baumeister lebten und Spuren hinterließen.