Ärger, Freude, Trauer
Manchmal kann man aus der Fülle der Ereignisse nicht auswählen. So auch heute – und deshalb bringe ich von allem etwas.
Der größte Skandal der letzten Tage ist für mich die Ankündigung der Bundesregierung, dass ihren Sparplänen auch alle Universitäten des Landes zum Opfer fallen sollen. 16,5 Milliarden standen den 23 Unis in den letzten drei Jahren bisher zur Verfügung. Für die nächsten drei Jahre müssten es unter Berücksichtigung der Inflation knapp 18 Milliarden sein. Geplant aber sind gerade einmal 15,5 Milliarden, also eine Milliarde weniger als bisher. Österreich hinkt in der Wissenschaft – von Einzelfällen abgesehen – anderen Staaten ohnehin hinterher, wenn jetzt den Universitäten auch noch die finanziellen Grundlagen entzogen werden, dann ist das das Ende von Lehr- und Lernfreiheit. Und dann: Gute Nacht, geistiges, kulturelles Österreich.
Die bisherige Intendantin Stephanie Gräve wird nicht nur ihren Vertrag in Bregenz nicht zu Ende bringen, sie wird es auch sehr schwer haben, ein neues Engagement zu finden.
Walter Fink
Der nächste Skandal, von allerdings nicht solcher Tragweite, ist das ganze Theater ums Landestheater. Was sich da in den letzten Monaten, mit Höhepunkt in den letzten Tagen, abgespielt hat, spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Und jetzt, fast am Ende der nahezu griechischen Tragödie, gibt es ausschließlich Verlierer. Die bisherige Intendantin Stephanie Gräve wird nicht nur ihren Vertrag in Bregenz nicht zu Ende bringen, sie wird es auch sehr schwer haben, ein neues Engagement zu finden. Die Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mit ihrem Aufsichtsrat hat gezeigt, dass sie eine Krise, die alle Bereiche des Theaters erfasst hat, nicht zu händeln vermag. Und die Kulturpolitik des Landes hat es versäumt, schon viel früher einzugreifen und die handelnden Personen an ihre Verantwortung zu erinnern. Am Ende ein Scherbenhaufen und nicht zuletzt das Problem, dass es fast unmöglich sein wird, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Stephanie Gräve zu finden.
Es gibt auch Erfreuliches: Am Donnerstag wurde die Emsiana, die sich von einem kleinen Fest zum richtig guten Festival gemausert hat, eröffnet. Die Festrede der neuen Direktorin des Jüdischen Museums Hohenems, Irene Aue-Ben-David, war geradezu ein Ereignis, der Welt ebenso zugewandt wie dem Regionalen, das Jüdische im Mittelpunkt, die Geschichte nicht ausgeklammert – besser kann man sich in einer ersten Rede dem neuen Publikum nicht vorstellen. Es wird noch darüber zu reden sein.
Schließlich ein schmerzlicher Abschied: Vor einigen Tagen hat uns einer der wichtigen Architekten dieses Landes, Bruno Spagolla, verlassen, er wurde gestern in Bludenz in der Heilig-Kreuz-Kirche verabschiedet. Spagolla studierte – wie viele andere Vorarlberger Architekten – an der Akademie der bildenden Künste bei Roland Rainer in Wien, seit 1981 betrieb er sein eigenes Büro. Er setzte sich viel in Standesvertretungen ein, war in mehreren Gemeinden im Gestaltungsbeirat und Mitglied des Beirats für Architektur und Design der Republik Österreich. Nicht zuletzt: Er war ein bemerkenswerter Architekt, verlässlich für den Bauherrn, verlässlich in der Qualität. Und nicht zuletzt: Er war ein besonderer Mensch und wird nicht nur der Architektur des Landes fehlen.
Kommentar