Der Mensch zwischen Nähe und Entzug

Kultur / 02.07.2026 • 13:11 Uhr
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Loewit zählt zu den bedeutenden österreichischen Bildhauern der Gegenwart.Edgar Leissing

Georg Loewit mit einer neuen Ausstellung in der Villa Falkenhorst in Thüringen.

Thüringen Der Blumenegger Skulpturenpark der Villa Falkenhorst in Thüringen widmet sich in diesem Sommer bis zum 30. August dem Innsbrucker Bildhauer Georg Loewit. Mit der Ausstellung „Protagonisten“ präsentiert das Kulturzentrum einen Künstler, der den Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens stellt – allerdings auf ungewöhnliche Weise. Seine lebensgroße Skulpturen zeigen Rückenansichten und eröffnen damit neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Identität und Begegnung.

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Die Ausstellung verbindet zeitgenössische Bildhauerei mit dem besonderen Ambiente der Villa Falkenhorst.Andreas Marte

Seit mehr als 25 Jahren ist die Villa Falkenhorst ein kultureller Treffpunkt im Vorarlberger Oberland. Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Theater prägen das Programm des Hauses. Einen besonderen Schwerpunkt bildet seit Jahren der Blumenegger Skulpturenpark, bei dem Park und Pöllnitz-Keller regelmäßig von namhaften Künstlerinnen und Künstlern bespielt werden. Nach Positionen von Josef Lang, Tone Fink, Uta Belina Waeger, Mario Dalpra oder Hubert Lampert steht heuer Georg Loewit im Mittelpunkt.

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Andreas Marte

Der 1959 in Innsbruck geborene Künstler ist seit Jahrzehnten in der österreichischen und internationalen Kunstszene präsent. Seine Arbeiten waren in mehr als 150 nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, darunter bei der Biennale von Venedig, der Triennale Bad Ragaz und der Biennale Montreux. Seine Ausbildung führte ihn von der Holz- und Steinbildhauerei über das Goldschmiedehandwerk bis an die Akademie der Bildenden Künste in München und an das Mozarteum Salzburg. Daneben setzte Loewit auch als Mitglied des Vorsitzes und Geschäftsführer der Tiroler Künstlerschaft, als Gründungskurator der RLB-Kunstbrücke und als künstlerischer Leiter des RLB-Ateliers in Lienz Akzente.

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Andreas Marte

Ausgangspunkt seiner Werkreihe „Protagonisten“ sind Fotografien alltäglicher Szenen. Daraus entwickelt Loewit Skulpturen, deren auffälligstes Merkmal die Blickrichtung ist: Sie wenden sich dem Betrachter nicht zu, sondern zeigen ihren Rücken. Die Figuren verzichten auf Mimik und direkten Blickkontakt. Stattdessen werden ihre Silhouetten und Schnittflächen zu Projektionsflächen für eigene Wahrnehmungen. Zwischen realistischer Körperdarstellung und abstrahierter Form entsteht ein Spannungsfeld von Individualität und Anonymität, Nähe und Distanz.

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Andreas Marte

Während die großen Skulpturen im Park der Villa Falkenhorst zu sehen sind, wird die Werkreihe „Protagonisten“ im Pöllnitz-Keller erstmals auch in Modellform als geschlossenes Ensemble präsentiert. Dort verdichten sich die einzelnen Figuren zu einer Menschenmenge, in der jede ihre eigene Haltung und Präsenz bewahrt und doch Teil eines größeren Ganzen wird. Die Rückenfiguren eröffnen immer neue Blickachsen und machen Loewits Auseinandersetzung mit Individualität und Gemeinschaft, mit Nähe und Distanz unmittelbar erfahrbar.

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Andreas Marte

Auch im Park der Villa entfalten die Skulpturen ihre besondere Wirkung. Zwischen alten Bäumen und großzügigen Grünflächen entstehen wechselnde Blickachsen, Licht- und Schattenwirkungen, die den Eindruck von Bewegung und stiller Präsenz zugleich erzeugen. Der historische Landschaftspark wird damit selbst Teil der Inszenierung und verändert sich – je nach Standort des Betrachters – immer wieder aufs Neue.

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Andreas Marte

So verbindet die Ausstellung zeitgenössische Bildhauerei mit dem besonderen Ambiente der Villa Falkenhorst. Georg Loewits Skulpturen fordern keine schnellen Antworten. Sie laden dazu ein, den Blick zu verlangsamen und sich auf eine stille Begegnung mit dem Menschen einzulassen – nicht über das Gesicht, sondern über das, was sich dem unmittelbaren Zugriff entzieht. Damit setzt der Blumenegger Skulpturenpark seine Tradition fort, besondere Positionen der Gegenwartskunst in einem außergewöhnlichen Umfeld zu präsentieren.

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Andreas Marte