Tone Finks Friedenszug aus Papier

Kultur / 10.07.2026 • 12:51 Uhr
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Mit einer Papierprozession zwischen Albertina und Albertina Modern feierte Tone Fink die Kraft der Langsamkeit.Tone Fink

Die Prozession brachte Langsamkeit, Fantasie und Poesie in die Wiener Innenstadt.

Wien Mit einem Wochenende der offenen Türen, der Kunstvermittlung und einer ungewöhnlichen Prozession hat die Albertina ihr 250-jähriges Bestehen gefeiert. Das Wiener Museum lud zu 250 kostenfreien Vermittlungsaktionen ein. Führungen, Gespräche und Programme zeigten, wie vielschichtig ein Haus ist, das nicht nur auf seine Vergangenheit verweist, sondern seine Sammlung immer wieder neu befragt.

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Die Masken- und Gewänderprozession setzte einen leisen Akzent zum 250. Geburtstag der Albertina.Tone Fink

„Die Albertina gehört nicht nur ihrer Geschichte, sondern vor allem ihrem Publikum. Anlässlich unseres 250-jährigen Jubiläums möchten wir möglichst viele Menschen einladen, das Museum in all seinen Facetten kennenzulernen“, sagte Generaldirektor Ralph Gleis. Der Satz gab dem Wochenende den Ton vor: Nicht allein die Geschichte des Hauses stand im Mittelpunkt, sondern die Einladung, Kunst als gemeinsamen Erfahrungsraum zu begreifen.

Geister und Dämonen

Einen besonders poetischen Akzent setzte am Sonntag der Vorarlberger Künstler Tone Fink. Er hatte für das Jubiläum eine Prozession konzipiert, die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Albertina an der Staatsoper vorbei zur Albertina Modern und wieder zurück führte. Gekleidet waren sie in weiße Masken und Gewänder aus Papier. In der Wiener Innenstadt entstand so eine helle Karawane: Kimonos, Schutzmäntel, pinguinartige Flügel, Kistengewänder, barocke Behältnisse und Papierkleider, dazu Tiermasken, Schutzhelme, Kopfbedeckungen, Geister und Dämonen.

Hunderte Schaulustige blieben stehen, fotografierten und begleiteten den Zug mit ihren Blicken. Doch Finks Prozession war kein lautes Spektakel. Sie setzte der Raserei der Stadt etwas anderes entgegen: Langsamkeit, Sanftheit, Konzentration und Achtsamkeit. Fast wirkte der Zug wie eine friedliche Erscheinung ohne erhobenen Zeigefinger, leicht, gelassen und zugleich von großer visueller Kraft. Aus Papier wurde für einen Moment eine zweite Haut, ein Schutzraum, eine Einladung zum Innehalten.

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Tone Fink

Für Tone Fink schloss sich damit auch ein persönlicher Kreis. Der aus dem Bregenzerwald stammende Künstler zählt seit Jahrzehnten zu den eigenwilligsten Papierkünstlern Österreichs. Bereits in der Ausstellung „Faszination Papier“, die von Dezember 2025 bis März 2026 in der Albertina zu sehen war, war er vertreten. Das Jubiläumsjahr widmet dem Material besondere Aufmerksamkeit: Mehr als eine Million Objekte, darunter Zeichnungen, Druckgrafiken, Aquarelle und skulpturale Papierarbeiten, spannen einen Bogen über rund 600 Jahre.

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Tone Fink

Auch Finks „Achselzuckgewand“, ein über Jahre hinweg bei Performances getragenes und immer wieder repariertes Objekt, hat in der Albertina eine neue Heimat gefunden. „Mein zigmal nach Performances repariertes ‚Achselzuckgewand‘ kann jetzt würdevoll altern, das freut mich grandissimo“, sagte Fink. Dass er nun auch eine Papierhaut-Performance im Umfeld des Jubiläums realisieren konnte, sei für ihn ein Glücksfall: „Besser geht es nicht.“

So verband die Albertina ihr Jubiläum mit einem Bild zwischen Museum und Straße, Sammlung und Aktion. Papier wurde nicht als fragiles Material vorgeführt, sondern als lebendiger Träger von Erinnerung, Fantasie und Bewegung.