Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Kommentar: Eine Anwältin der Kunst

Kultur / 17.07.2026 • 13:10 Uhr

Es war vor 55 Jahren, als in der Bregenzer Deuringstraße eine kleine Galerie eröffnet wurde. Zentrales Ausstellungsobjekt war ein Abguss eines Porsche in Beton von Gottfried Bechtold, Galeristin war die Bregenzerin Ursula Krinzinger. Es war kein allzu großer Auflauf bei der Eröffnung, es war auch nicht im Ansatz so etwas wie ein Skandal. Höchstens Unverständnis war da, warum man ein Auto, noch dazu einen der damals begehrtesten Sportwagen, in die starre Form von Beton bringen konnte. Für beide, für Gottfried Bechtold und für Ursula Krinzinger, war es der Beginn einer großen Laufbahn, der eine machte (mit ihrer Hilfe) als Künstler internationale Karriere, die andere wurde zur einflussreichsten Galeristin Österreichs – und weit darüber hinaus. Der erste Betonporsche Bechtolds – dem in verschiedensten Abwandlungen noch viele folgen sollten – fand in der Universität in Konstanz seinen endgültigen Platz (dort gab es dann den eigentlichen Skandal), Ursula Krinzinger machte ihren Weg von Bregenz – wo sie neben anderen auch Maria Lassnig oder Arnulf Rainer gezeigt hatte – über Innsbruck nach Wien und in die weite Welt. Es gibt kaum eine bedeutende Künstlerin, kaum einen bedeutenden Künstler der österreichischen oder internationalen Avantgarde, die oder der nicht von Ursula Krinzinger gezeigt oder auch betreut wurde. Fast noch wichtiger war, dass sie ihre Künstlerinnen und Künstler auch auf nahezu allen bedeutenden internationalen Kunstmessen präsentierte, in Basel ebenso wie in Abu Dhabi, in London, in Miami, in New York, in Paris, Peking und noch vielen anderen Orten.

Es gäbe noch viel, was man über Ursula Krinzinger erzählen könnte und sollte. Doch das ist hier nicht notwendig, wird doch morgen, Sonntag, die Galeristin mit ihren Künstlerinnen und Künstlern selbst zur Ausgestellten. Denn die Sommerausstellung dieses Jahres im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis ist der aus Bregenz stammenden Galeristin gewidmet. So ungewöhnlich es ist, einer Galeristin eine Ausstellung zu geben, so berechtigt scheint das in diesem Fall, werden neben den Aktivitäten doch auch Künstlerinnen und Künstler wie Gottfried Bechtold, Jonathan Meese, Marina Abramović, Maria Lassnig, Monica Bonvicini oder Eva Schlegel gezeigt. Kuratiert wird die Schau vom Bregenzer Gerald Matt, der zur gleichen Zeit wie Ursula Krinzinger mit ihrer Galerie in Wien als Direktor der Kunsthalle die Wiener Kunstszene durchmischte.

Es sollte ein spannender Gang durch das Bregenzer Künstlerhaus werden, wenn man den Spuren von Ursula Krinzinger folgt. Und es wird wohl auch noch etwas deutlich machen: Eine Galerie wie jene von Krinzinger hat keine Nachfolge in Vorarlberg gefunden. Schon kurz nach der Eröffnung verließ sie Bregenz – und seither warten wir vergeblich auf einen ähnlichen Impuls für die Kunst im Land. Natürlich: Wir haben das Kunsthaus Bregenz, wir haben durchaus auch engagierte Galeristinnen und Galeristen, etwa Lisi Hämmerle oder Maximilian Hutz. Künstlerinnen und Künstler brauchen aber jemanden, der sich so für sie einsetzt, dass ihre Kunst über die Grenzen kommt, dass sie international bekannt wird und verkauft wird. So jemanden wie Ursula Krinzinger.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.