Förderungspreis der Stadt Wien für Sarah Kuratle

Kultur / 18.08.2026 • 14:57 Uhr
Förderungspreis der Stadt Wien für Sarah Kuratle
Die Vorarlberger Schriftstellerin Sarah Kuratle hat einige Jahre in Wien gelebt.Privat

Die Vorarlberger Autorin wird für ihr „eigenständiges literarisches Universum” ausgezeichnet.

dornbirn Die Preise der Stadt Wien und die Förderungspreise 2026 sind vergeben – und unter den Ausgezeichneten findet sich eine Stimme, die in Vorarlberg längst einen Namen hat: Sarah Kuratle erhält einen der beiden Förderungspreise für Literatur, dotiert mit 5.000 Euro. Der zweite geht an den Lyriker Yevgeniy Breyger.

Die Jurybegründung liest sich wie eine knappe Poetik. In ihren Romanen erschaffe Kuratle ein eigenständiges literarisches Universum zwischen Realität, Traum, Mythos und Märchen; ihre poetische, rhythmisch präzise Sprache und die Kunst der Andeutung erzeugten eine schwebende bis surreale Atmosphäre von besonderer Vorstellungskraft. Wer ihren zweiten Roman „Chimäre” gelesen hat, wird diese Beschreibung wiedererkennen: ein Text, der Naturbeobachtung und Phantasie ineinanderschiebt, der Bilder klar zeichnet und sie oft mitten im Satz wieder verwischt.

Geboren 1989 in Bad Ischl, aufgewachsen dies- und jenseits der österreichisch-schweizerischen Grenze, studierte Kuratle Germanistik und Philosophie; im Autorenverband Literatur Vorarlberg ist sie Mitglied. Erzählungen und Gedichte erschienen in „manuskripte”, „wespennest” und „Die Rampe”. 2021 legte sie im Otto Müller Verlag ihren Debütroman „Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren” vor, eine sprachlich fein komponierte Liebesgeschichte, die mit Schuld verwoben ist; 2022 stand das Buch auf der Shortlist für den Literaturpreis „Text & Sprache”. „Chimäre”, 2025 ebenfalls bei Otto Müller erschienen, stieg in die ORF-Bestenliste ein und wurde von Pro Helvetia mit einem Kreationsbeitrag unterstützt.

Die mit 10.000 Euro dotierten Preise der Stadt Wien gehen heuer unter anderem an Robert Menasse (Literatur), Ingrid Brodnig (Publizistik), das Duo Die Strottern (Musik) und an Toni Schmale, deren skulpturales Werk zuletzt im Kunstraum Dornbirn zu sehen war. Vergeben werden die Preise seit 1947 auf Vorschlag unabhängiger Fachbeiräte, die Förderungspreise seit 1951; über Literatur und Publizistik entschieden Andrea Fredriksson-Zederbauer, Angelika Reitzer und Peter Zimmermann.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig verwies bei der Bekanntgabe auf den internationalen Druck, unter den Kunst- und Wissenschaftsfreiheit geraten sind: Wien sei ein Ort, an dem beides frei arbeiten könne, und das solle so bleiben.