Großer Belcanto ohne Welpenschutz

Kultur / 18.08.2026 • 12:51 Uhr
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Donizettis „L’elisir d’amore“ wurde im Kornmarkttheater zum überzeugenden Beweis für die Qualität des Bregenzer Opernstudios.BF/Anja Köhler

Das Opernstudio der Bregenzer Festspiele überzeugte mit Donizettis „L’elisir d’amore“.

Bregenz Was am Montagabend im Kornmarkttheater zu hören war, brauchte kein pädagogisches Wohlwollen, wie man es jungen Stimmen bisweilen entgegenbringt. Hier stand ein Ensemble auf der Bühne, das Donizettis Belcanto mit einer Selbstverständlichkeit bediente, die auch an größeren Häusern keineswegs alltäglich ist. Das Opernstudio der Bregenzer Festspiele, noch unter Elisabeth Sobotka, der Intendantin von 2015 bis 2024, konzipiert, hat sich mit „L’elisir d’amore“ ein Werk vorgenommen, das genau jene Schule verlangt, an der sich Sängerinnen und Sänger wirklich bewähren müssen: lange Legatobögen, Beweglichkeit, Farbenreichtum und ein waches Gespür für komödiantisches Timing.

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Iana Aivazian gab eine ausgezeichnete Adina.BF/Anja Köhler

Vorangegangen war im Frühling ein Meisterkurs, den Festspielintendantin Lilli Paasikivi, gemeinsam mit dem künstlerischen Betriebsdirektor Jaakko Kortekangas, mit den ausgewählten Solistinnen und Solisten selbst geleitet hatte. Dass Paasikivi selbst Mezzosopranistin ist, hört man dem Ergebnis an: Hier wurde an der Linie gearbeitet, an der Phrasierung, am Atem der Musik, nicht an der bloßen Wirkung.

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Emanuel Tomljenović als Nemorino und Davide Piva als Dulcamara.BF/Anja Köhler

Iana Aivazian gestaltet eine Adina, deren Koketterie nie ins Kalkulierte kippt; ihre Koloraturen sitzen leicht und gelöst, im zweiten Akt findet sie den Umschlag ins Ernste ohne jede Larmoyanz. Emanuel Tomljenović ist ein Nemorino von anrührender Unbeholfenheit, der seinen Tenor klug dosiert und „Una furtiva lagrima“ nicht zum Schaustück ausstellt, vielmehr zur leisen Mitte des Abends macht. Yiorgo Ioannou versieht den Belcore mit blankem Bariton und reichlich Selbstbewusstsein, Davide Piva führt seinen Dulcamara mit Parlando-Witz, Schlitzohrigkeit und großer Bühnenpräsenz durch die Marktschreierei. Tanja Jannelli setzt als Giannetta mit hellem, beweglichem Sopran Akzente, die weit über die Funktion einer Stichwortgeberin hinausreichen.

Highschool-Ambiente

Am Pult sorgt Danila Grassi für einen Zugriff, der dem Werk hörbar guttut: schlank, federnd, in den Ensembles präzise gefügt und stets mit dem Ohr bei den Stimmen. Das Finale des ersten Akts gerät zum Kabinettstück an Koordination, ohne dass Grassi den Bogen überspannt. Das Symphonieorchester Vorarlberg zeigt sich bestens aufgelegt, spielt mit hörbarem Vergnügen und findet für die Rezitativbegleitungen einen angenehm durchsichtigen Ton.

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Festspielintendantin Lilli Paasikivi leitete den Meisterkurs.BF/Anja Köhler

Anna Kelo verlegt die Handlung in ein Highschool-Ambiente, und dieser Zugriff geht erstaunlich selbstverständlich auf. Die Hackordnung einer Schule bildet präzise ab, was Donizettis Dorfgemeinschaft ausmacht: Gerede, Gruppenzwang, rasch wechselnde Loyalitäten und die Sehnsucht des Außenseiters nach der Unerreichbaren. Belcores Angebereien werden von den Mitschülern eher belächelt als bewundert. An die Stelle der Barkarole tritt ein Karaoke-Duell zwischen Dulcamara und Adina, ein Einfall, der die Nummer klug in die Gegenwart holt. Tinde Lappalainen hat dazu eine Bühne gebaut, die vom Schulflur bis zu Adinas Wohnzimmer im zweiten Akt die Ortswechsel mühelos trägt, und farbenfrohe Kostüme entworfen.

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BF/Anja Köhler

Der reduzierte Chor, von Jakob Peböck sorgfältig koordiniert und mit vielen Vorarlberger Stimmen besetzt, macht seine Sache ausgezeichnet und agiert mit einer Spiellust, die dem Abend Tempo und Frische gibt.

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BF/Anja Köhler

Am Ende stand ein Publikum, das gar nicht mehr aufhören wollte zu applaudieren. Zu Recht. Dieses Opernstudio ist keine Nachwuchsveranstaltung, die man nachsichtig zur Kenntnis nimmt, es zählt zu den klügsten Investitionen, welche die Bregenzer Festspiele in den vergangenen Jahren getätigt haben. Wer wissen wollte, wie Belcanto in ein paar Jahren klingen könnte, bekam an diesem Abend eine verheißungsvolle Antwort.