Was junge Kreative mit den zwei Kirchen in Nofels vorhaben

14 kreative Köpfe arbeiten an Ideen, wie die beiden Kirchen in Nofels künftig auch abseits des Gottesdienstes genutzt werden könnten.
Feldkirch In der Neuen Pfarrkirche in Nofels wird in diesen Tagen nicht nur gebetet. Es wird geschnitten, geklebt, getüftelt und diskutiert. Zwischen Kirchenbänken und Altar liegen Materialien, Modelle und Skizzen. Ins Auge fällt eine lange Papierbahn, die sich durch den gesamten Kirchenraum zieht. Nur wenige Meter entfernt steht gleich die nächste Kirche. In Nofels liegen die Alte Pfarrkirche aus dem 18. Jahrhundert und die zwischen 1958 und 1962 errichtete Neue Kirche direkt nebeneinander. Während in der neuen der reguläre Kirchenbetrieb stattfindet, dient die alte derzeit vor allem als Lager für alte Kirchenobjekte.

Genau diese besondere Ausgangslage steht im Mittelpunkt des Kirchengenerators, einem Projekt des Poolbar-Generators und der Sommeruni, der in Kooperation mit der Pfarrgemeinde veranstaltet wird. Seit einer Woche beschäftigen sich 14 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Disziplinen mit der Frage, wie die Kirchenräume künftig über ihre klassische Funktion als Gottesdiensträume hinaus genutzt und gestaltet werden könnten. “Die Kirchengemeinde steht vor derselben Problematik wie viele Kirchen. Es gibt einen starken Rückgang bei den Besucherinnen und Besuchern”, erklärt Projektleiterin Lilian Furrer. “Wenn sich alle Feldkircher Kirchengemeinden zusammentun würden, würden sie immer noch in eine Kirche passen.” Dabei gehe es nicht darum, die Gottesdienste zu verdrängen, sondern zusätzliche Nutzungsideen für die Räume zu entwickeln.

Am Eingangsbereich arbeitet Generator-Teilnehmerin Rieke Löffler an ersten Ideen. Die 29-jährige Tänzerin und Choreografin aus Wien beschäftigt sich mit der Frage, wie innerhalb des großen Kirchenraums kleinere, flexibel nutzbare Räume entstehen können. Gleichzeitig möchte sie eine Verbindung zwischen alter und neuer Kirche schaffen. Dafür verwendet sie Objekte aus der Alten Pfarrkirche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind. “Ziel ist es, diesen alten Kirchen-Objekten ein bisschen mehr Sichtbarkeit verleihen”, erklärt Löffler.

Wenige Meter weiter baut Architekturstudent Julien Baechler aus Freiburg an einem Modell, das die Kirche in einen begrünten Rückzugsort verwandelt. Bäume und Pflanzen sollen den Raum prägen. Baechler denkt an eine Art Wintergarten, in dem auch Pflanzen aus dem Dorf überwintern könnten. Für den jungen Studenten ist gerade das praktische Arbeiten eine willkommene Abwechslung zum Studienalltag. “Im Studium ist vieles sehr theoretisch”, sagt der 22-Jährige. Beim Kirchengenerator schätzt er vor allem den Austausch mit Menschen aus anderen Disziplinen. “Das ist spannend und inspirierend zugleich.”

Hinter den großformatigen Papierbahnen, die sich durch den Kirchenraum ziehen, steckt Sebastian Quast. Der Künstler aus St. Gallen arbeitet vorwiegend mit Textilien und interessiert sich dafür, wie Kunst Räume verändern und Menschen miteinander in Austausch bringen kann. Bei den Papierbahnen handelt es sich um ein Abfallprodukt aus der Paillettenproduktion. Gerade ihre Dimension macht sie für Quast an diesem Ort interessant. “Für die Kirche eignet sich das perfekt, um einen Raum in dieser Größe in Beschlag zu nehmen und eine Geste zu setzen.”

Dass Veränderungen an einem Kirchenraum auch Emotionen auslösen, erleben die Teilnehmenden täglich. “Viele freuen sich, dass junge Leute kommen, um ihre Ideen einbringen. Andere wiederum wollen keine Veränderung”, erzählt Lilian Furrer. Gerade deshalb sei es wertvoll, eine ganze Woche vor Ort zu arbeiten. “Die Kirche wird so zum täglichen Begegnungsraum mit vielen spannenden Gesprächen.

Am Freitag, 4. September, werden die entstandenen Ideen und Arbeiten um 18 Uhr bei der Abschlusspräsentation der Öffentlichkeit vorgestellt. Welche Ideen davon künftig aufgegriffen werden, wird sich noch zeigen. Für Projektleiterin Lilian Furrer ist die Woche aber schon jetzt eine Bestätigung dafür, dass das Konzept des Poolbar-Generators auch abseits des Festivals funktioniert. “Wenn Studierende und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkommen, entsteht am Ende immer etwas ganz Besonderes.”




