Klangapotheose und Weltgesang

Kultur / 10.09.2026 • 14:18 Uhr
Klangapotheose und Weltgesang
Seit zehn Jahren tourt die Quarte durch den Bodenseeraum.

Zum 10-jährigen Jubiläum begeisterte Quarta mit Beethovens Neunter in Schwarzenberg.

Bregenz Zum zehnjährigen Jubiläum der Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie erklang in Schwarzenberg jene Sinfonie, die mehr als jede andere ein Ereignis darstellt: Beethovens Neunte. 68 Musikerinnen, 31 Sängerinnen und vier Solistinnen formten unter dem Dirigat von Christoph Eberle jenes Werk, das die Musikgeschichte in ein “Davor” und ein “Danach” teilt. Die Neunte ist ein humanistisches Manifest, ein Weltmonument, das in der Tonkunst denselben Rang einnimmt wie in der bildenden Kunst Michelangelos “Jüngstes Gericht” in der Sixtinischen Kapelle, in der Architektur das Pantheon in Rom oder die Alhambra in Granada; sie alle gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit, sie alle sind einzigartig!

Klangapotheose und Weltgesang
68 Musikerinnen, 31 Sängerinnen und vier Solistinnen formten unter dem Dirigat von Christoph Eberle jenes Werk, das die Musikgeschichte in ein “Davor” und ein “Danach” teilt. Anuschka Fink

Die ersten beiden Sätze, von einem faustischen Willen durchdrungen, bilden ein gigantisches Diptychon aus Weltentstehung und Weltenlauf. Noch etwas verhalten im ersten Satz zeigte das Orchester im zweiten, was tatsächlich in ihm steckt: präzise Fagotte und Hörner, die wie Zahnräder ineinandergreifen, die eine erdige, mechanische Tiefe beisteuern und zugleich das Archaische hörbar machen. Zu loben auch die Schlagwerker. Man sah den jungen Musikerinnen die Spielfreude an – der Jüngste gerade einmal sechzehn, das Durchschnittsalter kaum über zwanzig.

Dann der dritte Satz, das Adagio: ein Elysium aus Streicherklängen, getragen von einer reinen, transparenten Textur. Die Violinen spannten einen Himmel aus Klang, die Bratschen gaben den Atem, die Celli die Seele, die Kontrabässe die dunkle Erdung. Ohne diesen Satz wäre die “Ode an die Freude” des Finales banal – er ist der metaphysische Raum, in dem die Menschlichkeit des vierten Satzes erst möglich wird.

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Und schließlich die Apotheose: vier perfekt aufeinander abgestimmte Solistinnen und Solisten – die Sopranistin Jenni Hietala, Altistin Veronika Dünser, Tenor Devin Eatmon und Bassbariton Ejnar Čolak – trugen den Olymp der Conditio humana mit einer Klarheit, die das Publikum unmittelbar erreichte. Der Chor unter Martin Lindenthal fügte sich mit großer Disziplin und Wärme ein, sodass der vierte Satz zu jenem Weltgesang wurde, der in einer nie enden wollenden Klangapotheose gipfelt.

Klangapotheose und Weltgesang
Eberle trat schließlich ans Mikrofon und sagte nur einen Satz: “Sie werden verstehen, dass hier jede Zugabe überflüssig ist.” Anuschka Fink

Dirigent Christoph Eberle erinnerte daran, dass in den zehn Jahren des Bestehens über 600 junge Musikerinnen Teil von Quarta 4 Länder Jugendphilharmonie waren und mehr als 18 Programme erarbeitet wurden – ein beeindruckendes Volumen und Pensum, das nun in einem reich bebilderten Jubiläumsbuch dokumentiert ist. Das Publikum dankte mit minutenlangem Applaus, der sich wie eine Welle über Dirigent, Orchester, Chor und Solistinnen ergoss.

Eberle trat schließlich ans Mikrofon und sagte nur einen Satz: “Sie werden verstehen, dass hier jede Zugabe überflüssig ist.” In der Tat. Ein Werk, das alle Grenzen sprengt, braucht keinen Nachsatz. Es spricht für sich – und in Schwarzenberg sprach es mit einer Kraft, die man nicht vergisst. Thomas Schiretz

Weitere Termine: www.quarta4.org