Fast eine Landesgalerie

Kultur / 25.09.2026 • 11:20 Uhr
Fast eine Landesgalerie

VN-Kommentar von Walter Fink.

Über Jahrzehntem war sie immer wieder ein Thema in den verschiedensten Kulturdiskussionen: Die Landesgalerie. Es ging – und geht – um die (umstrittene) Forderung, dass es einen Ort geben sollte, an dem die bildende Kunst des Landes dauerhaft gezeigt wird. Ich versuch es an einem Beispiel: Wenn ich Besuch bekomme und ich würde ihm gerne Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler zeigen, dann bieten sich bestenfalls Ausstellungen, an denen derzeit für einige Wochen die eine Künstlerin oder der andere Künstler gezeigt werden. Eine Gesamtschau gibt es nicht. Das war früher doch ein bisschen anders, denn im „alten“ Vorarlberger Landesmuseum gab es zumindest Kostproben von den wichtigsten Künstlerinnen und Künstlern des Landes, von Angelika Kauffmann über Edmund Kalb, Rudolf Wacker bis herauf zu den zeitgenössischen „Klassikern“ Herbert Albrecht oder Hubert Berchtold. Oder auch von solchen, die nicht gerade allgemein bekannt waren wie Rudolf Högler oder Herbert von Reyl-Hanisch. Heute, im neu ausgerichteten vorarlberg museum, sucht man vergebens nach solchen Bildern oder Skulpturen. Da spielt die bildende Kunst keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die von früher bekannten Bilder fristen ihr Dasein längst im Depot, schlummern dort vor sich hin und warten, bis sie jemand aufweckt.

Sollte mich heute jemand fragen, wo er Vorarlberger Kunst findet, würde ich ihm das seit knapp einem Jahr tätige Auktionshaus „Gegenwartauktionen“ in der alten Kammgarn in Hard empfehlen. Dort findet nämlich am kommenden Donnerstag Nachmittag eine Versteigerung von 186 Werken von mehr als 50 Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern statt. Von heute bis Dienstag können alle Werke besichtigt werden, am Donnerstag kommen sie dann „unter den Hammer“. Es ist fast alles mit dabei, was Rang und Namen hat im Land, beginnend mit Radierungen von Bildern Angelika Kauffmanns als einzigem Beispiel für frühere Kunst. Alle anderen Angebote sind aus dem 20. Jahrhundert. Aber da fehlt dann fast niemand mehr, natürlich sind die vorher Genannten dabei, die man früher im Museum finden konnte, dazu auch etwa Edmund Kalb, Leopold Fetz, Tone Fink, Walter Khüny, Fritz Krcal, Heinz Greissing, Martin Häusle, Stephanie Hollenstein, Erich Smodics, Karl-Heinz Ströhle oder Carmen Pfanner und Alexandra Wacker – man könnte tatsächlich fast beliebig aufzählen. Kaum ein Name , der nicht angeboten wird – und das zu bisweilen erstaunlich günstigem Ausrufpreis. Was allerdings noch nichts über den tatsächlichen Verkaufspreis aussagt, denn das Angebot kann sich im Laufe des Steigerungsverfahrens erstaunlich erhöhen.

Genau das könnte spannend werden, denn erstmals können wir so einen Hinweis über die Wertigkeit des einen Künstlers oder der anderen Künstlerin bekommen, vor allem jener, die bereits verstorben sind. Bisherige Auktionen im benachbarten Ausland oder auch in Wien konnten darüber nicht verlässlich Auskunft geben. Dort gab es aber auch nur das eine oder andere Angebot, niemals diese geballte Kunst aus Vorarlberg, die bei „Gegenwartsauktionen“ gezeigt und verkauft wird. Wir dürfen auf das Ergebnis gespannt sein.