Vom alten Schulstuhl zum Star der Designwelt?

„rAusnahmezustand“ im designforum Vorarlberg fragt nach dem Wert ausgemusterter Dinge.
Dornbirn Ein Lager voller alter Schulstühle wird zum Ausgangspunkt einer Ausstellung über Design, Verantwortung und Kreislaufwirtschaft. Das designforum Vorarlberg eröffnet am 1. Oktober in der CampusVäre seine erste selbst kuratierte Schau. „rAusnahmezustand. Eine Ausstellung gegen Überforderung“ nimmt ein vertrautes Möbelstück genau unter die Lupe: Was steckt in ihm, wenn es ausgedient hat?

Der Schulstuhl gehört zu jenen Dingen, die meist erst auffallen, wenn sie fehlen oder ersetzt werden. In der CampusVäre lagern ausgemusterte Exemplare. Dieses Materialteillager bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung, die das designforum gemeinsam mit dem Vorarlberger Designstudio Designreserve entwickelt hat. Bis 29. April 2027 bleibt sie in Dornbirn zu sehen, danach soll sie durch Österreich touren.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich der Wert eines Produkts bemisst und wer entscheidet, ob es bleibt oder geht. Der Stuhl verweist dabei auf mehr als Material: In ihm stecken Arbeitszeit, Fertigungswissen, Normen und Gebrauchsspuren. „rAusnahmezustand“ betrachtet ihn von Material und Funktion bis zu den Bedingungen, unter denen Dinge hergestellt, verwendet und aussortiert werden. Dabei geht es auch um die Maßstäbe, die über ein Produktleben entscheiden: Welche Anforderungen muss ein Schulstuhl erfüllen? Welche Kompromisse prägen seine Gestaltung? Und was lässt sich weiterdenken, wenn die ursprüngliche Nutzung endet?
Wiederverwendung
Denn Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst mit dem Recycling. Die Begriffe Reuse, Recycle und Redesign sind längst Teil der Debatte, doch die Ausstellung richtet den Blick auf die Entscheidungen davor: Welche Produkte behalten ihren Wert? Was lässt sich weiterverwenden, und was muss verändert werden? Wie kann aus der Wiederverwendung mehr werden als ein gut klingendes Versprechen? Der Schulstuhl steht stellvertretend für eine Produktionswelt, die mehr hervorbringt, als sie verantworten kann.

Susanne Siemayr, Leiterin des designforum Vorarlberg, sieht im Schulstuhl einen geeigneten Ausgangspunkt für die erste eigene kuratierte Ausstellung des Hauses. Das Objekt erzähle viel über Gestaltung, Produktion, Normen und unsere Beziehung zu Dingen. Die Ausstellung lege diese Ebenen frei: „Wert wird erst sichtbar, wenn er gelesen werden kann“, sagt Siemayr. Auch Bettina Steindl, Vorständin von designaustria und Designbeirätin des Bundes, betont die Bedeutung des Alltagsgegenstands. An ihm lasse sich zeigen, wie bewusst gestaltete Dinge unseren Alltag prägen und welche Verantwortung mit ihnen verbunden sei. Dass die Schau in der CampusVäre entstanden ist, verbinde die Auseinandersetzung mit Design mit einem Ort, an dem Kreativität, Innovation und unternehmerisches Denken zusammenkommen.

Für Julian Fässler, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg, erfüllt die Ausstellung den Anspruch, den das designforum als Plattform für Wirtschaft und Design habe: eigene Themen zu setzen und Diskurse anzustoßen, die über Vorarlberg hinaus sichtbar werden. Trägerin des designforum ist die Wirtschaftskammer Vorarlberg. Seit 2022 ist die Plattform in der CampusVäre beheimatet.
Eröffnung mit Designtalk
Die Eröffnung findet am Donnerstag, 1. Oktober, um 17 Uhr im Rahmen des FEZ 26 – Festival zur Eröffnung der Zukunft statt. Beim Designtalk sprechen Georg Milde vom Studio Designreserve, Elli Schindler, Geschäftsführerin von designaustria, Margarita Köhl, Fachbereichsleiterin Gestaltung an der FHV, und Bettina Steindl über den Zustand und die Zukunft von Design. Das Festival läuft von 1. bis 4. Oktober. Die Ausstellung ist von Montag bis Donnerstag, jeweils von 10 bis 16 Uhr, geöffnet.