Als die Kuh grün wurde

Kultur / 01.10.2026 • 15:10 Uhr
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Die Ausstellung in der Sammlung Hans Bäumler dauert bis zum 6. Jänner 2027.Othmar Heidegger

Von Affe bis Ziegenbock: Die neue Ausstellung in der Sammlung Hans Bäumler führt in die Tierwelt.

Hohenems Die Sammlung Hans Bäumler in Hohenems folgt in „Grüne Kuh und Ziegenbock. Das große Tier-ABC“ den Fährten der Tiere durch die Kunst der Moderne – mit einer Wacker-Premiere und einer Reise ins MAK nach Wien.

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Rudolf Wackers “Puppengesellschaft mit gelben Hund” (rechts) wird erstmals ausgestellt.Othmar Heidegger

Die Kuh, die Franz Marc gegenüberstand, war nicht grün. Aber er sah sie grün. Mit diesem einfachen Befund führt Kurator Tobias G. Natter in eine Ausstellung ein, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Die „Grüne Kuh“ des Blaue-Reiter-Mitbegründers, vielleicht des wichtigsten, jedenfalls des beliebtesten Tiermalers der europäischen Moderne, zählt zu den Hauptwerken der Sammlung Hans Bäumler. Das Bild steht für die beiden Leidenschaften des Sammlers, Natur und Kunst und nun auch am Beginn einer Schau, die das Tier als Motor künstlerischer Erneuerung begreift.

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Othmar Heidegger

„Die grüne Kuh steht für einen grundlegenden Wandel des Sehens“, sagt Natter. Sie markiere den Aufbruch einer Generation, die um 1900 nach neuen Ausdrucksformen sucht und die sichtbare Wirklichkeit nicht länger zum alleinigen Maßstab macht. Formen und Farben emanzipieren sich: Die Kuh wird grün, der Ziegenbock raucht, und Schmetterlinge werden so weit zerlegt und abstrahiert, dass sie an der Schwelle zur Abstraktion stehen und dass früher, als es die Kunstgeschichte gemeinhin verzeichnet.

Das große Tier-ABC

Geordnet ist das Ganze als Alphabet, von A wie Affe bis Z wie Ziegenbock. Rund 75 Werke von 46 Künstlerinnen und Künstlern spannen den Bogen von 1900 bis etwa 1930, vom Jugendstil über die Secession bis zur Neuen Sachlichkeit, von Gustav Klimt bis Rudolf Wacker. Neben Marc sind ein Hundestillleben von Emil Nolde, Henri de Toulouse-Lautrec, Oskar Kokoschka und Alfred Kubin zu sehen. Mehrfach vertreten ist der Tiermaler Ludwig Heinrich Jungnickel, mit Farbholzschnitten und jenem parodistischen „Rauchenden Ziegenbock“, der der Ausstellung ihren zweiten Titelhelden liefert.

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Othmar Heidegger

Ein besonderes Augenmerk gilt Künstlerinnen, die zu Unrecht kaum bekannt sind: Nora Exner, Mathilde Flögl, Ditha Mauthner-Markhof, Marie von Uchatius, Fanny Zakucka oder Lotte Calm. Von manchen sind nur Fragmente des Werks erhalten; viele waren jung, als die Wiener Moderne blühte, und wurden durch den Ersten Weltkrieg in ein anderes Fahrwasser gedrängt. Was geblieben ist, lohnt die Wiederbegegnung.

Wackers gelber Hund

Eine Premiere feiert Rudolf Wacker (1893–1939), einer der herausragenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Österreich. Puppenbilder gelten als Markenzeichen des Bregenzers, Tiermotive sind bei ihm dagegen selten. Die „Puppengesellschaft mit gelbem Hund“ von 1924 aus Privatbesitz vereint beides und wird nun erstmals öffentlich gezeigt. Natter spricht von einem Schlüsselwerk und einer „echten Sensation“: Die Wiederentdeckung erweitere das Spektrum von Wackers Motivwelt und zeige, warum er zu den wichtigsten österreichischen Künstlern seiner Zeit gehöre.

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Andreas Marte

Dass die Schau weiterwandert, verdankt sich einer Leihanfrage. Das MAK – Museum für angewandte Kunst ist der wichtigste Leihgeber; dort erkannte man bei der Bearbeitung, wie viele schöne Werke aus dem eigenen Fundus gewünscht wurden, und fragte zurück, ob man die Ausstellung nicht übernehmen könne. So ist „Grüne Kuh und Ziegenbock“ von 17. Februar bis 19. September 2027 in Wien zu sehen.

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Andreas Marte

„Grüne Kuh und Ziegenbock. Das große Tier-ABC“ ist bis zum 6. Jänner 2027 in der Sammlung Hans Bäumler in Hohenems zu sehen. Geöffnet ist freitags von 11 bis 18 Uhr (Führung um 16 Uhr), samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, für Jugendliche von 12 bis 19 Jahren 6 Euro.

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