Junge, komm bald wieder

VN-Kommentar von Walter Fink.
Meine Freunde wissen es schon lange: Ich bin seit Jahrzehnten bekennender Fan von Freddy Quinn, liebe seine Seemannslieder, kann fast alle Texte mitsingen, tue das auch gerne und laut (nicht zuletzt in der Badewanne) – und schockiere damit bisweilen meine Umgebung. Mit seinem ersten Song „Heimweh“ (sie wissen schon: „Schön war die Zeit, so schön …Brennend heißer Wüstensand …“), von dem bis heute nicht weniger als acht Millionen Exemplare verkauft wurden, der mit 21 Wochen an der Spitze der Charts noch immer Rekord hält, hat er sich gleich in die Geschichtsbücher des deutschen Schlagers eingeschrieben. Es sollte nicht sein einziger Hit bleiben, neben Udo Jürgens und Peter Alexander ist Freddy (das „Quinn“ ließ man irgendwann einfach weg) der erfolgreichste Sänger am deutschen Schlagermarkt. Vor wenigen Tagen konnte er in einem Haus in der Nähe von Hamburg, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Rosi – „Das größte Glück, das mir passieren konnte“ – seinen 95. Geburtstag feiern. Immerhin widmete Ö 1 diesem spannenden, oft unklaren Leben am vergangenen Sonntag neben anderen deutschen Sendern eine Stunde Rückblick.
Schon um seinen Geburtsort gab es immer Spekulationen, Wien aber ist nachweisbar. Unsicherheit auch bei seinem Namen, der meist mit Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl angegeben wird, doch auch ein gewisser Johann Quinn, der irischer Abstammung und einige Monate mit seiner Mutter liiert gewesen sein soll, wird als Vater genannt. Und so setzt sich das auch mit seinem Image, dem einsamen, heimatlosen Seemann, der immer unterwegs ist und von Heimweh geplagt wird, fort. Eine Frau hatte in solcher Darstellung keinen Platz, obwohl es natürlich Beziehungen gegeben hat. Platz hatte höchstens die zu seiner Mutter („Junge, komm bald wieder …“)
All diesen Spekulationen wollte Freddy vor zwei Jahren (immerhin schon 93 Jahre alt) mit seiner Autobiographie – „Wie es wirklich war“ – ein Ende setzen. Es ist nicht wirklich gelungen, zu tief sitzen die Vorstellungen bei den Menschen über den einsamen Freddy, der allein mit seiner Gitarre über die Meere fährt. Dabei ist diese Selbstbiographie durchaus lesenswert, weil neben anderem auch mehr Klarheit über seinen Vater gegeben wird. Und die ist durchaus nicht lustig. Bei Recherchen zu seinem Leben sei er auf ein Familiendrama vom 19. Dezember 1965 gestoßen, schreibt Freddy: Der 17-jährige Wiener Schüler Rainer Warchalowski – ein Halbbruder Freddys – hatte seinen Bruder Winfried (23), seine Mutter Paula (55) und seinen Vater Emil Warchalowski (70) getötet – und sich dann der Polizei gestellt. Dafür, dass Emil sein Vater sei, hätte Freddy mehrere Indizien gefunden, aber er sei der Sache nicht mehr nachgegangen.
Abseits solch dramatischer Ereignisse wurde der Öffentlichkeit in den Liedern und ebenso in den zahlreichen Filmen von Freddy eine ganz andere, heile Welt gezeigt. Erfolgreich gezeigt, denn die Nachkriegszeit, in die die großen Erfolge fielen, lechzte nach guten Geschichten, schönen Liedern und einem Jungen, der so lieb war, dass man wollte, dass er wiederkommt. Von der hohen See – auf der er letztlich gar nie war.