Klassik ohne Sicherheitsabstand

Kultur / 06.10.2026 • 11:31 Uhr
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Das Leitungsduo der :alpenarte: Anna Maria Honeck verantwortet das künstlerische Management, Matthias Honeck ist Intendant des Musikfestivals. Gabriel Winkler

Die :alpenarte setzt von 16. bis 18. Oktober auf junge Talente und eine Uraufführung.

Schwarzenberg Wer bei der :alpenarte im Publikum sitzt, sitzt nie weit von den Musikern. Der Angelika-Kauffmann-Saal schafft eine Nähe, die große Konzerthäuser kaum bieten können. Intendant Matthias Honeck will diese Nähe heuer noch weiter treiben: Für die Ausgabe von 16. bis 18. Oktober hat er mit einem Backstage Concert und einem musikalischen Dorfspaziergang zwei neue Formate entwickelt, die die Grenze zwischen Bühne und Zuhörern durchlässiger machen sollen. „Wir möchten zeigen, wie offen und vielfältig klassische Musik sein kann“, sagt Honeck. Internationale Stars sollen auf Talente aus der Region treffen, Vertrautes auf neue Klangsprachen, der Konzertsaal auf ganz andere Orte im Dorf.

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Der Vorarlberger Pianist Tobias Jacob studiert an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.Julia Wesely

Den Auftakt am Freitag macht ein Vorarlberger mit erstaunlichem Werdegang. Tobias Jacob ist 17 Jahre alt, hat erst vor fünf Jahren mit dem Klavierspiel begonnen und studiert inzwischen an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Beim Backstage Concert „I dr Stuba“ spielt er seine Lieblingswerke – Chopin, Schubert, Rameau, Skrjabin und Rachmaninoff – und stellt sich dem Gespräch. Danach wird es im Saal ungewöhnlich: Cellist Philipp Schupelius und Perkussionist Leon Lorenz bilden ein Duo, wie man es selten erlebt, und verbinden klassisches Repertoire mit Jazz, Tango und anderen Stilen. Schupelius, Jahrgang 2003, wurde vom britischen Sender Classic FM unter die 30 spannendsten jungen Musiker weltweit gereiht, Lorenz ist bereits in der Elbphilharmonie aufgetreten.

Neues Werk aus Yale

Am Samstag spielt das Stretton Quartett Werke von Mozart und Mendelssohn Bartholdy in veränderter Besetzung: Anstelle des angekündigten Leonhard Baumgartner ist die Geigerin Elli Choi dabei. Im Zentrum des Abends steht jedoch eine Uraufführung. Der südkoreanische Geiger und Komponist Haram Kim, Student an der Yale School of Music, hat im Auftrag des Festivals ein Werk geschrieben, das klassische Tradition mit zeitgenössischer Klangsprache verbinden soll. Dass sich ein kleines Festival im Bregenzerwald eine Auftragskomposition leistet, ist bemerkenswert. Honeck sieht darin eine Konsequenz aus dem Grundgedanken der :alpenarte, junge Musikerinnen und Musiker zu fördern; mit der Stretton Society habe man dafür einen Partner auf internationalem Niveau gefunden.

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Der südkoreanische Geiger und Komponist Haram Kim hat im Auftrag des Festivals ein Werk komponiert.Hee Im

Am Sonntag verlässt das Festival den Saal. Nach dem musikalisch gestalteten Gottesdienst startet am Dorfplatz ein Spaziergang, den die Schwarzenberger Musikerin und Volksmusikforscherin Evelyn Fink-Mennel konzipiert hat. Die Kons-Fiddler und die Brass Divas sorgen unterwegs für Klangmomente zwischen Volksmusik und Improvisation, Endstation ist ein Sektempfang im Angelika Kauffmann Museum.

Der Werdegang einer Violine

Am Nachmittag rückt das Instrument selbst in den Blick. Der Geigenbauer und Autor Martin Schleske spricht über Holz, Resonanz und die Suche nach dem idealen Klang. Er hat auch die heurige Festivalausstellung gestaltet, die unter dem Titel „Der Werdegang einer Violine“ den Weg vom rohen Holz bis zur fertigen Konzertgeige nachzeichnet.

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Martynas Levickis ist Opus-Klassik-Preisträger.Gregor Hohenberg

Das Finale gehört dem Akkordeon. Martynas Levickis, Opus-Klassik-Preisträger und einer der führenden Akkordeonisten seiner Generation, spielt mit dem litauischen Mikroorkéstra ein Programm, das von Bach und Mozart bis zu Astor Piazzolla reicht. „Tanz der Klänge“ ist es überschrieben und soll die stilistische Bandbreite eines oft unterschätzten Instruments ausloten. Kulinarisch begleitet Haubenkoch Wolfgang Mätzler das Wochenende, zwei Schulkonzerte richten sich an Kinder zwischen sechs und 14 Jahren.

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