Katastrophe für Unis

VN-Kommentar von Walter Fink.
Fataler hätte das Zusammentreffen der Meldungen kaum sein können. Seit Tagen warnen die österreichischen Universitäten davor, dass im Dreijahresbudget für die Jahre 2028 bis 2030 viel zu wenig Geld vorgesehen sei. Für die letzten drei Jahre standen den Universitäten 16,5 Milliarden Euro zur Verfügung, für die nächste Periode soll es eine Milliarde weniger geben. Die Hochschule haben zwei Milliarden mehr verlangt und drohen mit dem Wegfall von Leistungen, nicht zuletzt im medizinischen Bereich. Gleichzeitig sprach die uniko, die Universitätenkonferenz als höchstes gemeinsames Gremium, davon, dass in Zukunft für etwa dreißig Studienfächer, für die bisher ein Abschluss in Latein erforderlich war, diese Voraussetzung wegfallen solle. Womit natürlich auch Studienangebote für Latein wesentlich gekürzt werden könnten. Keine große, aber doch eine Einsparung. Vor allem aber eine niederere Schwelle für viele Studienfächer. Genau das aber sollten Universitäten nicht tun: Geistig billiger werden.
Vor allem sollte das nicht während einer Zeit geschehen, in der das finanzielle Überleben der Universitäten auf dem Prüfstand steht. Und dem ist so. Denn wenn in den nächsten drei Jahren um eine Milliarde weniger Geld zur Verfügung steht als bisher, dann ist das nicht nur ein Verlust in absoluten Zahlen, sondern ein noch viel höherer, wenn man Inflation und Gehaltsanpassungen in der Zukunft berücksichtigt. Wir reden dann von einem Budget, das um etwa zwanzig Prozent unter jenem liegt, das notwendig wäre. Was das für die Wissenschaft, für die Universitäten, für die Professoren und Angestellten und nicht zuletzt für die Studenten bedeutet, kann man sich vorstellen. Das heißt schlicht Entlassungen, das heißt weniger Angebot, das heißt sicher für manche „Orchideenfächer“ (Copyright Karl-Heinz Grasser) das Aus, das heißt ganz einfach weniger Wissenschaft, weniger Studenten, weniger chancenreiche Zukunft für Junge. Schlichtweg eine Katastrophe.
Doch das, was die Universitätenkonferenz gleichzeitig anbietet, scheint mir ebenso daneben: Die Streichung der Latein-Pflicht für viele Studien, vor allem auch die Auswahl der Fächer, für die Latein nicht mehr notwendig sein soll. So erschließt sich mir nicht, warum etwa ein Student der Kunstgeschichte unbedingt Latein als Voraussetzung haben muss, ein künftiger Mediziner (!) aber nicht, warum eine Studentin der Anglistik schon, eine Pharmazeutin aber nicht, warum ein Student der katholischen Theologie schon, der evangelischen Theologie aber nicht. Viele, viele Ungereimtheiten gibt es, so scheint mir, die wohl der Anfang vom Ende für Latein auch an Gymnasien werden würden.
Besonders drastisch trifft das bei allen 17 Lehramtsstudien zu, für deren Abschluss man bisher Latein benötigte. Für all diese Studien soll demnach kein Latein mehr erforderlich sein. Das ist einfach gesagt ein Unsinn. Gerade für Sprachen, ebenso Geschichte oder andere Fächer ist Latein ein Grundstoff, der oft erst das Verständnis ermöglicht. Aber das ist heute offensichtlich nicht mehr wichtig, das holt man sich wohl von der Künstlichen Intelligenz. Da braucht man selbst keine mehr.