Als Wien Welthauptstadt der Musik war

Kultur / 18.10.2026 • 11:48 Uhr
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Anna Maria Fischer ist auf Romantik und neuere Musik spezialisiert.Anna Maria Nunzer

Erica Alberini, Anna Maria Fischer und Lena Garber singen Fin-de-Siècle-Lieder bei der Altacher Soiree.

Altach Mahler, aber auch Alma. Jahrhundertwende, aber auch Beethoven. Wien, aber auch Bratislava, Budapest und Zagreb. Die nächste Altacher Soiree versammelt Komponistinnen und Komponisten, die um 1900 in der Kaiserstadt Musik machten oder in ihrem Umfeld wirkten. Der Abend ist wie ein Echo der Romantik, eine Bilanz ihrer märchenhaften Träume und Schmerzen – nicht ohne Humor, mit Blick nach vorn und mit einem Ohr für die Nachbarschaft. Neben Franz Liszt stehen deshalb der Slowake Ján Levoslav Bella und die kroatische Grafentochter Dora Pejačević auf dem Programm. Denn musikalisch war die Donaumonarchie ein dichtes Netzwerk – mit Wien als Knotenpunkt. Erarbeitet hat es Tanya Aspelmeier, Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, mit Sängerinnen, die bei ihr zusätzlich eine gesangspädagogische Ausbildung absolvieren: den Sopranistinnen Erica Alberini und Lena Garber sowie der Mezzosopranistin Anna Maria Fischer. Die Italienerin und die Tirolerin kommen vom Barockgesang, Fischer hat sich auf Romantik und neuere Musik spezialisiert. Am Klavier begleitet die Japanerin Yuumi Yamaguchi. Sie studierte am Tokyo College of Music und bei Avedis Kouyoumdjian in Wien, war Korrepetitorin an der Kunstuniversität Graz und spielt Cembalo in Barockensembles. Beim Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb gewann sie einen dritten Preis.

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Die Sängerinnen werden am Klavier von Yuumi Yamaguchi begleitet.Sho Yamada

Im Zentrum stehen zwei der „Fünf Lieder“ von Alma Mahler. Sie entstanden um 1900, noch vor der Ehe mit Gustav Mahler, der seiner Frau das Komponieren untersagte und die Lieder erst 1910, spät und reumütig, zum Druck beförderte. Ihre Textvorlagen von Dehmel, Rilke oder Heine verraten einen sicheren literarischen Geschmack. Von Gustav Mahler erklingen Vertonungen aus „Des Knaben Wunderhorn“. Aus Almas Umkreis kommen Alexander Zemlinsky, ihr Kompositionslehrer, und seine Schülerin Johanna Müller-Hermann. Hugo Wolf, der große Seelenkenner des Wiener Lieds, ist mit Mörike-Liedern und Stücken aus dem „Spanischen Liederbuch“ vertreten.

Arnold Schönberg

Dass die Wiener Liedtradition älter ist, belegen zwei Evergreens auf Goethe-Texte: Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ und Beethovens „Wonne der Wehmut“. Wohin die Reise danach ging, zeigt Arnold Schönberg – allerdings von seiner heiteren Seite: Um 1901 hielt er sich als Kapellmeister am Berliner Überbrettl über Wasser und schrieb dafür Kabarettlieder, darunter jenes vom Liebhaber mit Glatze. György Ligeti schließlich, der 1956 aus Budapest nach Wien geflohen war, hat mit „Der Sommer“ zwei Strophen des verstörten späten Hölderlin kongenial vertont. Das verspricht einen hochinteressanten Liederabend, der die Liebe umkreist – was sonst? –, dabei aber die Stimmen und die Sicht von Frauen nicht zu kurz kommen lässt.

Die Soiree im Pfarrzentrum Altach beginnt am Samstag, 24. Oktober, um 20 Uhr, anschließend gibt es Wein und Brot. Weil die Abendkasse erst um 19.30 Uhr öffnet, bittet das Komitee um Reservierung unter post@soireen.at. Zu sehen ist an diesem Abend auch das Gemälde „Große Landschaft bei Wien“ des Phantastischen Realisten Anton Lehmden.