FLATZ – ein Lebenswerk in vier Bänden

Mit dem vierten Band ist das Werkverzeichnis des Dornbirner Aktionskünstlers komplett.
Dornbirn Er hat sich vor Publikum selbst geohrfeigt, er hat den eigenen Körper zwischen Metallplatten als Glockenschlegel eingesetzt. Wolfgang Flatz, 1952 in Dornbirn geboren und seit Jahrzehnten in München zu Hause, wollte nie eine Kunst, die man aus sicherer Distanz betrachtet. Sie sollte unter die Haut gehen. Am Mittwoch, 21. Oktober, steht das FLATZ-Museum – Zentrum für Photographie ganz im Zeichen seines Namensgebers: Vorgestellt wird der vierte und letzte Band des FLATZ-Werkverzeichnisses, der sich der Fotografie, der Zeichnung und der Grafik widmet. Der Künstler ist selbst anwesend und gibt Einblicke in sein Lebenswerk.
Der Weg dorthin begann handwerklich, mit einer Gold- und Silberschmiedelehre in Feldkirch. Es folgten ein Studium des Metalldesigns in Graz und ab 1975 die Akademie der Bildenden Künste in München, wo er Goldschmiedekunst und Malerei studierte. Unter dem Namen FLATZ arbeitete er fortan als Performer, Bildhauer, Musiker und Filmemacher, im Ausstellungsraum ebenso wie im öffentlichen Raum. 1992 war er auf der von Jan Hoet geleiteten documenta IX in Kassel vertreten, Werke von ihm finden sich unter anderem in der Albertina in Wien und im Centre Pompidou in Paris.
Im Zentrum aber steht der Körper als verletzliche Wirklichkeit, umkreist von Themen wie Voyeurismus, Gewalt, Aggression und Liebe. Schmerz ist bei FLATZ kein Effekt, sondern ein Mittel, Macht und Ausgeliefertsein sichtbar zu machen. Wer zuschaut, muss sich fragen, wie lange er hinsieht und wo seine eigene Grenze liegt. Eine bequeme Betrachterposition bieten diese Arbeiten nicht, deshalb polarisieren sie. Der Künstler setzt sich aus und gibt den Blick an jene zurück, die zusehen.
Kunsthistorische Auseinandersetzung
Wie vielgestaltig dieses Schaffen ist, zeigt das vom FLATZ-Museum herausgegebene Werkverzeichnis. Nach den Bänden zu Performance, Skulptur und Bildern schließt der vierte Teil die Dokumentation nun ab. Der rund 330 Seiten starke Band mit Texten von Anne-Marie Bonnet und Elisabeth Schweeger ist wie die vorangegangenen zweisprachig auf Deutsch und Englisch erschienen. Gemeinsam machen die vier Bände die Werkphasen und Ausdrucksformen eines Künstlers nachvollziehbar, der seit Jahrzehnten die Grenzen zwischen Kunst, Körper, Raum und Gesellschaft auslotet. Die wissenschaftliche Aufarbeitung bildete zugleich das Fundament der Dissertation von Sandra Kratochwill. Damit liegt eine umfassende Basis für die weitere kunsthistorische Auseinandersetzung vor.
Nach Einlass und Empfang ab 18 Uhr spricht FLATZ unter dem Titel „FLATZ – Sein Schaffen in allen Facetten“ ab 18.30 Uhr mit Kratochwill, Bernhart Schwenk und dem Künstler und Kurator Miro Craemer. Die Gäste aus der Münchner und Linzer Kunstszene kennen sich: Kratochwill und Craemer haben unter anderem gemeinsam den Open Space des OK Linz kuratiert. Kratochwill ist Kuratorin bei der OÖ Landes-Kultur GmbH und führt auch durch den Abend. Schwenk leitet den Sammlungsbereich Gegenwartskunst an der Pinakothek der Moderne in München und hat dort 2024 mit „Something Wrong with Physical Sculpture“ die erste Museumsretrospektive zu FLATZ realisiert. So verspricht das Gespräch unterschiedliche kunsthistorische und kuratorische Blicke auf ein Werk, das bis heute zur Auseinandersetzung herausfordert. Als Gastgeberin seitens der Stadt begleitet Kulturamtsleiterin Christiane Zaunmair die Veranstaltung. Der Abend würdigt damit auch die Verbundenheit des Künstlers mit seiner Heimatstadt, der er mit einer Schenkung den Grundstock für das 2009 eröffnete Museum gelegt hat.