“Wäldar ka nüd jedar sin”

Kultur / 27.10.2026 • 11:18 Uhr
5.jpg
Ulli Troy feierte sein Bühnenjubiläum gleich an zwei Abenden.Moser Videoproduktion

“Zündschnur” Ulli Troy feiert 50 Jahre Bühnenjubiläum

dornbirn „Rock n’ Roll im Vordorwold“ – wenige Worte genügen, und schon ist sie da: die unverwechselbare musikalische Handschrift von „Stemmeisen & Zündschnur“. Nun feierte Troy an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Kulturhaus Dornbirn sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Organisiert wurden die Konzertabende von umtriebigsten Eventmanager des Landes, Wolfi Preuß. Es wurde eine Hommage an einen Künstler, der wie kaum ein anderer die Sprache und das Lebensgefühl des Bregenzerwaldes in Lieder fasst. Seit sich Hermann Stadelmann 2013 vom Duo verabschiedet hat, blieb die „Zündschnur“ musikalisch höchst aktiv. Troy gründete unter anderem „Zündschnur & Band“, die „Kleborar Beihnteifel“, die „Baggerboys“, „Hanskaspas Enkel“ und „Zündschnurs Wiborsito“.

1.jpg
Die Zündschnur brennt auch zukünftig weiter.Moser Videoproduktion

Die Bilanz ist beeindruckend: 112 Lieder finden sich auf den veröffentlichten CDs, 96 davon stammen aus Troys Feder. Hinzu kommen 43 Coverversionen, unter anderem von den Beach Boys und Chuck Berry. Dass der Humor dabei nie zu kurz kommt, zeigt die augenzwinkernde Frage, ob die Beach Boys vielleicht bei Troy abgekupfert hätten – und zwar bei „FKK ador Subersa“. Gemeinsam mit dem genialen Komponisten und Arrangeur Rolf Aberer steuerte Troy jeweils zu 34 Liedern die Musik bei.

Ulli Troy inmitten seinen musikalischen Wegbegleitern
Ulli Troy inmitten seinen musikalischen Wegbegleitern Thomas Schiretz

Wenn wenige Worte tief berühren

Ulli Troy ist weit mehr als Musiker: Er ist ein begnadeter Heimat- und Dialektdichter. Seine Texte sind schnörkellos, einfühlsam und auf den Punkt gebracht. Der Dialekt ist bei ihm kein folkloristisches Beiwerk, sondern ein präzises Instrument, um Gefühle und Gedanken auszudrücken. „Wäldar ka nüd jedar sin“ steht exemplarisch für diese besondere Verbindung von Herkunft, Selbstironie und Heimatgefühl. Wie tief seine Lieder Menschen berühren, zeigen „Dor Obad goht über i d’Naht“ und „Mama dinn Platz ischt lär“. Troy schrieb sie 1990 innerhalb von wenigen Stunden nach dem Tod seiner Mutter Leontine. Aus persönlicher Trauer entstanden Lieder, die längst zum musikalischen Kulturgut geworden sind und bei unzähligen Verabschiedungen und Seelenrosenkränzen erklingen. Troy findet Worte für das Unsagbare und macht privaten Schmerz zu einem gemeinsamen Ausdruck der Trauer. Dass Troy nicht nur den Wälder Alltag beschreibt, sondern sich auch anspruchsvollen historischen und anderen Themen widmet, wie das “Carl Lampert Lied” (ein Auftragswerk) zeigt. Isabella Fink vertonte den Text kongenial.

Noch lange kein Schlussakkord

Als wichtige Wegbereiter seiner musikalischen Laufbahn nennt er Ulrich „Gaul“ Gabriel. Inspiration lieferten ihm zudem Michael Köhlmeier und Reinhold Bilgeri mit ihrem Album „Owie lacht“ sowie der Komponist Gerold Amann. Zum Jubiläum versammelte Troy zahlreiche Weggefährten auf der Bühne: Philipp Lingg, Wolfgang Verocai, George Nussbaumer, Sepp Messner, Markus Prieth und den unnachahmlichen „Sattlars Mike“ sowie Hermann Stadelmann. Als zum Schluss „Dor Obod goht übor i d’Naht“ erklang, schloss sich der Kreis. Tosender Applaus würdigte fünf Jahrzehnte Musik, Freundschaft und gelebte Mundart.

Die Zündschnur brennt weiter
Thomas Schiretz

Die Zündschnur brennt weiter: Auf der neuen CD von Hanskaspas Enkel, „Oago-Brand“, ist Troy ebenso präsent wie mit seinem Programm „Eine Reise ins Glück … und andere Wa(h)rheiten“, das er ab November gemeinsam mit George Nussbaumer präsentiert. Ulli Troy hat den Bregenzerwald besungen, ohne ihn zu verklären, und aus persönlichen Geschichten Lieder gemacht, die vielen Menschen aus dem Herzen sprechen. 50 Jahre Bühnenleben – und noch lange kein Schlussakkord. Chapeau!

Thomas Schiretz