100 Jahre alte Farbfotografien im Dornbirn Kalender

Zwölf Aufnahmen des Dornbirner Arztes und Amateurfotografen Franz Bertolini.
Dornbirn Der neue Dornbirn Kalender 2027 zeigt historische Stadtansichten und Alltagsszenen in ungewohnter Farbenpracht. Unter dem Titel „Ein Blick zurück in Farbe“ präsentiert das Stadtarchiv zwölf Aufnahmen des Dornbirner Arztes und Amateurfotografen Franz Bertolini, die zwischen 1908 und 1925 entstanden sind. Sie zeigen vertraute Landschaften, Gebäude und Szenen in einer für diese Zeit außergewöhnlichen Farbigkeit.

Wer an historische Fotografien denkt, hat meist Schwarz-Weiß-Bilder vor Augen. Bertolinis Aufnahmen zeigen, dass die Vergangenheit durchaus farbig war. Der vielseitige Arzt, Musiker und Künstler (1875–1965) beschäftigte sich früh mit der Farbfotografie. Kurz nachdem die Brüder Lumière 1907 das Autochrome-Verfahren vorgestellt hatten, begann er, mit der neuen Technik zu experimentieren. Bis 1925 entstanden so Hunderte Farbaufnahmen. Heute bilden sie einen wertvollen Teil der historischen Fotosammlung des Stadtarchivs.

Das Autochrome-Verfahren war eine technische Sensation, denn erstmals ließen sich Fotografien in natürlichen Farben aufnehmen. Dazu wurden Glasplatten mit winzigen, unterschiedlich eingefärbten Kartoffelstärkekörnern beschichtet. Die aufwendige Technik verlangte lange Belichtungszeiten. Dafür verlieh sie den Bildern ihre unverwechselbare Wirkung: sanfte Farbtöne und eine oft malerische Anmutung. Bertolini nutzte das Verfahren nicht bloß zur Dokumentation. Er komponierte seine Motive bewusst und verband handwerkliches Können mit künstlerischem Blick. So zeigen seine Bilder Dornbirn und Umgebung aus einer Perspektive, die auch mehr als ein Jahrhundert später fasziniert.

Monat für Monat führt der Kalender zu bekannten und teils längst veränderten Orten. Im Jänner zeigt eine Winteraufnahme den Marktplatz mit dem Stand von Konstantina Tamanini, die das Marktgeschehen über Jahrzehnte mitprägte. Im Frühling geht es zum Karren und zum Staufen, nach Knie und zur Kapelle am Romberg. Der Sommer führt unter anderem zur Gloriette am Zanzenberg und nach Mühlebach. Auch der Alltag kommt nicht zu kurz: Eine Aufnahme aus der Haldengasse zeigt Bertolinis Tochter beim Blumengießen, eine andere dokumentiert die Apfel- und Kürbisernte. Den Jahresabschluss bilden Ansichten des Hatlerbilds und der Kapelle in Oberfallenberg.

Jedes Kalenderblatt wird von einem erläuternden Text begleitet. Er beleuchtet die historischen Hintergründe, von der Entwicklung der Stadtteile über die Geschichte einzelner Gebäude bis zu den Lebensbedingungen früherer Generationen. Bildauswahl und Texte stammen von Viktor Glatz vom Stadtarchiv Dornbirn. Mit dem Kalender setzt das Stadtarchiv seine Reihe historischer Bildkalender fort und macht einen weiteren Teil seiner umfangreichen Sammlung öffentlich zugänglich. Bertolinis Fotografien sind dabei mehr als wertvolle Zeitdokumente. Sie zeigen, wie sich Menschen schon vor über 100 Jahren fotografisch mit ihrer Umgebung, der Natur und dem Alltag auseinandersetzten.

Der Dornbirn Kalender 2027 kostet 24 Euro. Wie in den Vorjahren ist er in den Dornbirner Buchhandlungen, im Stadtmuseum und bei Dornbirn Tourismus erhältlich.